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Beim Abfischen des Nymphenburger Schlosskanals: Die Kescher der Fischer stehen unter Strom.

Die Fische der Fürsten

Alte Tradition: Am Nymphenburger Kanal wird abgefischt

Einmal im Jahr wird im Kanal des Schlosses Nymphenburg abgefischt. Die schuppigen Bewohner landen dann auf den Tellern der Münchner. Zurück geht das Fischessen auf die Fürsten, die hier einst lebten.

Offiziell beginnt der Verkauf zwar erst um 9 Uhr, aber das Ehepaar Lindner ist am Samstag auf Nummer sicher gegangen und steht schon eine halbe Stunde früher vor dem Zeltstand am Nymphenburger Kanal. „Bei uns zuhause essen alle sehr gerne Fisch, auch unser Kater Mephisto“, erklärt Nadja Lindner. Ein Blick in die großen Bottiche neben dem Zelt bestätigt, dass sich das frühe Aufstehen gelohnt hat. Die Lindners haben die freie Auswahl aus alldem, was der Kanal heute zu bieten hatte: Zander, Aale und verschiedene Karpfen, Hechte und Schleien.

Jedes Jahr im Herbst fischt der Fischereiverein Odelzhausen am Nymphenburger Kanal ab. Früh morgens steigen die Mitglieder des Vereins mit Keschern und Netzen ins Wasser, betäuben die Fische mit einem Elektroschockgerät und sammeln die an der Oberfläche treibenden Tiere ein. „Anlass ist die alljährliche Bachauskehr“, erklärt Fischer Friedrich Sedlmayr. „Jedes Jahr nutzen wir das dann abgesenkte Wasser für den Fischfang.“

Daher kommt der Brauch des Abfischens:

Zurück geht die Fischhaltung im Kanal auf fürstliche Zeiten, als Schlösser und ihre Parkanlagen noch große Wirtschaftsbetriebe waren. Damals versorgten die Kanal-Karpfen die Bewohner des Schlosses Nymphenburg. Heute wird man dort anders satt, aber die Fische sind geblieben. Nach dem Abfischen setzt der Fischereiverein im Frühling neue Tiere ein.

Dazwischen sind die Tiere ziemlich anspruchslos: Sie ernähren sich von der im Wasser vorkommenden Naturnahrung und dem, was die Parkbesucher so in den Kanal werfen. Dass das nicht immer nur Brotkrumen sind, weiß Sedlmayr. „Wir sehen hier auch Goldfische, die vermutlich so von ihren Besitzern entsorgt wurden. Aber die fangen wir nicht, die können ruhig bleiben.“

Für die Fische, die weniger Glück hatten, geht es nach dem Elektroschock an den Verkaufsstand: 6,50 Euro kostet ein Kilo Karpfen, Aal ist für 20 Euro zu haben und der teuerste Fisch, der Zander, schlägt mit 24 Euro das Kilo zu Buche. Die Lindners entscheiden sich schnell für einen Karpfen und einen Zander. „Auf den Zander freue ich mich besonders“, sagt Nadja Lindner, „zu Karpfen habe ich eigentlich keine besondere Beziehung, aber der gehört hier dazu“.

Spektakel zieht auch Touristen an

Doch nicht nur hungrige Hobbyköche hat es am Morgen an den Kanal verschlagen: Asiatische Touristen machen eifrig Fotos, und Familien mit Kindern lassen die Kleinen die Hände in die Bottiche stecken. „Ich finde das hier sehr gut“, meint auch Anja Michel, Mutter des 8-jährigen Jean-Luka. „So sehen Kinder auch mal, dass der Fisch nicht direkt aus dem Supermarktregal kommt.“

Zu detailliert möchten die Fischer aber doch nicht zeigen, wie aus den Tieren ein Abendessen wird: Nach dem Kauf kommen die Fische hinter eine weiße Trennwand. Lediglich ein Geräusch, eine Art dumpfer Schlag, lässt erahnen, was dort passiert. Zurück kommt der Fisch ausgenommen und küchenfertig. Das ein oder andere Kind wundert sich dann aber doch, dass der Fisch auf dem Tresen noch weiterzuckt.

Die Fische gingen weg, wie warme Semmeln

Der Ruf, den frischesten Fisch der Stadt zu bieten, eilt der Veranstaltung inzwischen voraus und trotz des nasskalten Wetters gibt es keine Absatzprobleme. Immer wieder bilden sich Schlangen, einige Käufer kommen gleich mehrmals, die Bottiche leeren sich, bis auch der letzte ehemalige Kanalbewohner fein säuberlich in Plastiktüten gewickelt und abtransportiert wurde.

Einige Stunden nach Ende der Verkaufsaktion belegt ein Anruf bei den Lindners übrigens noch, dass die royalen Schwimmer zumindest beim vierbeinigen Fischfan der Familie bestes ankamen: „Nach dem Vorbereiten habe ich Mephisto die Reste gegeben und sie waren sofort weg“ erzählt Nadja Lindner lachend.

Annika Schall

Umfrage: Was haben Sie gekauft?

Marion und Franz Seibert

Marion (36) und Franz (78) Seibert, Kundenberaterin / Rentner aus München:

„Wir haben vier Fische gekauft. Einen Hecht und drei Karpfen. Die gibt es am Wochenende und am Feiertag gedünstet als besonderes Essen für die Familie. Wir waren in den vergangenen Jahren schon mehrmals hier und finden es toll. Der Fisch ist frischer und günstiger als im Laden und schmeckt auch richtig gut. Viele Leute finden ja, dass gerade Karpfen scheußlich schmeckt, aber die aus dem Kanal sind wirklich sehr lecker.“

Josef Starzner

Josef Starzner (65), Ingenieur aus München:

„Ich habe beim Spaziergang zufällig Fischer getroffen. Die haben mir von dem Verkauf erzählt. Deshalb bin ich heute hier und habe einen Karpfen fürs Abendessen besorgt. Zubereiten werde ich ihn wohl paniert in der Pfanne. Der Verkauf ist wirklich eine gute Idee: Ich gehe seit 20 Jahren regelmäßig im Nymphenburger Park joggen und mal einen Fisch aus dem Kanal zu probieren, ist schon alleine deshalb etwas Besonderes.“

Ulo und Nadja Lindner

Ulo (75) und Nadja (68) Lindner, Rentner aus München:

„Wir haben uns für einen Zander und einen Karpfen entschieden. Den Karpfen gibt es mit selbstgemachtem Kartoffelsalat und der Zander wird auf einem Gemüsebett unser Sonntagsessen. Wir wollten schon lange einmal beim Abfischen dabei sein, und als wir gestern in der Zeitung davon lasen, war klar, wir kommen vorbei. Wir finden, es hat sich gelohnt. Die Fische sehen wirklich sehr fein aus.“

Jean-Luka

Jean-Luka (8), Schüler aus München:

„Meine Mutter hat gerade einen Karpfen gekauft, den will sie im Backofen und mit Soße machen. Wir haben zufällig im Radio vom Abfischen gehört und sind dann hergekommen. Fisch schmeckt, finde ich, geht so, aber ich fand es gut, mir die Fische im Becken anzugucken. Einen ganz kleinen Fisch durfte ich sogar in die Hand nehmen, ich habe ihn dann aber wieder zurück ins Wasser getan.“

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