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Äußerst beliebt sind die Mieträder von MVG Rad. Seit einem Jahr sind 1200 davon im Stadtgebiet im Éinsatz. Sie werden eifrig benutzt.

MVG zieht erste Bilanz

Radverkehr: Erfolg mit Pferdefuß

Die Münchner finden immer mehr Gefallen am Radl. Über kurz oder lang wird der Stadtrat vor der Aufgabe stehen, den Verkehrsraum zwischen Autos, Fußgängern und Radlern neu verteilen zu müssen.

Stau ist schon lange kein Phänomen mehr, das auf die Fahrbahn beschränkt ist. Auch auf Radwegen in der Stadt wird es an schönen Tagen regelmäßig eng. Und wer die Unmengen von Drahteseln sieht, die an Biergärten, Bahnhöfen und Veranstaltungsorten abgestellt sind, kommt an der Erkenntnis nicht vorbei: München ist auf dem besten Weg, zu jener Radlhauptstadt zu werden, zu der es die rot-grüne Stadtregierung schon vor Jahren – ein wenig voreilig – ernannt hat.

Die Jahresbilanz des Verleihservice „MVG Rad“, der am 9. Oktober 2015 angetreten ist, dem alteingesessenen „Call a bike“ der Bahn Konkurrenz zu machen, belegt den Trend jetzt mit Zahlen: 50 000 Kunden hat die neue Sparte der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) im ersten Jahr gewonnen, 320 000 emissionsfreie Fahrten wurden auf den 12 000 schnittigen silber-blauen Fahrrädern absolviert. Und die MVG will ihr System kräftig ausbauen.

Paul Bickelbacher (Grüne) sieht den Titel „Radlhauptstadt“ wackeln.

Verleiher Call a Bike, seit 2000 in München auf dem Markt, hat seinen Fuhrpark in diesem Jahr von 12 000 auf 16 000 aufgestockt, führt 75 000 Kunden in seiner Kartei und hat im vergangenen Jahr rund 400 000 Fahrten verzeichnet.

Erfreulich findet die Entwicklung Paul Bickelbacher, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen im Stadtrat. Doch gerade angesichts des Bevölkerungswachstums in der Stadt sei es dringend angebracht, bei den Verkehrswegen für Radler nachzubessern. „Die Infrastruktur ist auf langsame und wenige Radler ausgelegt“, so der Politiker. Heute seien viele auch schnell mit dem Rad unterwegs. Zum Überholen aber seien die Wege meist zu schmal. Der Verkehrsexperte plädiert dafür, die Radler häufiger vom Bordstein herunter auf die Fahrbahnen zu holen. Aber dafür müssten die Autofahrer Flächen abgeben.

Das will Bürgermeister Josef Schmid (CSU) auch – aber nicht auf Haupteinfallstraßen wie der Rosenheimer Straße. Stattdessen sollten auf Nebenstrecken Fahrradschnellwege entstehen. „Da muss man auch Geld in die Hand nehmen“, sagt Schmid. Und: „Es kann dazu führen, dass der eine oder andere Parkplatz wegfällt.“

Grundsätzlich hält Bickelbacher den Titel „Radlhauptstadt“ noch für verdient. „Die Kampagne ist gut gestartet, hat den Trend zum Fahrrad befeuert“, sagt er. „Doch wenn die entsprechende Infrastruktur fehlt, wackelt der Titel bald.“

Ins gleiche Horn stößt der Allgemeine Deutsche Fahrradclub München (ADFC). „Es gibt wenige Stellen in der Stadt, wo die Infrastruktur für Radler ausreichend dimensioniert ist“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Andreas Groh. Zudem gebe es noch zu viele Lücken im Netz. „Da läuft der Radverkehr ein Stück richtig gut – aber in gefährlichen Kreuzungsbereichen sind die Radler wieder sich selbst überlassen.“ Eine Folge: in den vergangenen beiden Jahren lag die Zahl der Unfälle mit Radlern laut Polizei-Statistik über dem zehnjährigen Mittelwert.

Die MVG hat unterdessen große Pläne: Von derzeit 72 will sie ihr Netz noch im laufenden Jahr auf rund 85 Leihrad-Stationen erweitern. Bis Sommer 2017 sollen es 125 im Stadtgebiet sein. Und schon gehen die Blicke darüber hinaus: Man stehe in Gesprächen mit Landkreis-Gemeinden, die Interesse bekundet haben, an MVG Rad teilzunehmen, berichtet MVG-Sprecher Matthias Korte. Damit würde sich auch der Aktionsradius der Münchner Kunden erweitern. Die sollen künftig in den Genuss eines „Kosten-Airbags“ kommen: Es sollen nie mehr als 12 Euro Miete pro Tag zusammenkommen. Das entspricht dem Preis einer Tagesbuchung bei Call a Bike, ist aber flexibler. Und noch etwas könnte die Lust am Radl befeuern: 2017 plant die MVG einen Pilotversuch mit sogenannten Pedelecs, deren Fahrer dank Elektro-Unterstützung nicht ins Schwitzen kommen. Bewähren sich die E-Radl, wird es auf zwei Rädern in München noch besser vorangehen.

Doris Richter

Doris Richter

E-Mail:doris.richter@merkur.de

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