Die SPD versteht die Aufregung nicht: „Das wird hochstilisiert.“

Neuer KVR-Chef unter Beschuss

Nach Wiesn-Zaun-Streit: Im Rathaus liegen die Nerven blank

München - Nach der Entscheidung gegen einen neuen Wiesn-Zaun liegen im Rathaus die Nerven blank: Der neue Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle steht unter Beschuss. Wiesn-Chef Josef Schmid hat kein schlüssiges Sicherheitskonzept mehr. Und die CSU droht der SPD mit einer harten Gangart.

Am Schluss bedankt sich der Oberbürgermeister für die „sachliche Debatte“. Vielleicht glaubt Dieter Reiter nach der Entscheidung gegen einen neuen Wiesn-Zaun am Dienstagmorgen tatsächlich, dass der Streit damit beendet ist. Doch er täuscht sich: Die CSU ist noch am Mittwoch außer sich – und Reiters neuer Kreisverwaltungsreferent, der SPD-Mann Thomas Böhle, ist nach nicht einmal einer Woche im Amt starken Angriffen aus der Opposition ausgesetzt.

Wie berichtet, hatte der Zweite Bürgermeister und Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) eine mobile Zaunanlage für die Hangkante der Theresienwiese („Kotzhügel“) vorgeschlagen. Der 350 Meter lange Zaun hätte im Notfall in kürzester Zeit ausgerollt werden können. So sollte, wenn Überfüllung droht, verhindert werden, dass eine große Zahl von Menschen vom geschlossenen Haupteingang einige Meter weiter ungehindert auf das Festgelände strömt – wie es in den vergangenen Jahren mehrfach der Fall gewesen sein soll. Thomas Böhle hatte sich zuletzt noch offen für die Idee gezeigt. Am Dienstag sprach er sich gegen diesen letzten Punkt des neuen Sicherheitskonzepts aus – SPD und Grüne folgten ihm und lehnten Schmids Konzept ab.

Noch am Mittwoch tobt die CSU. Fraktions-Vize Michael Kuffer sagt genervt über die SPD: „Die Freunde sind mit ihrem Chaos für uns ein echtes Handicap.“ Andere werden hinter vorgehaltener Hand noch deutlicher. Der SPD sei es nur darum gegangen, Schmid zu schwächen, heißt es. Die Rede ist von einem „nicht akzeptablen Verhalten“, einem „verantwortungslosen Umgang“ mit der Sicherheitsfrage. Immer wieder ist die Rede davon, dass OB Dieter Reiter, SPD, in der Sitzung gewirkt habe, als freue ihn die Watschn für Schmid.

Die SPD versteht die Aufregung nicht. Laut Koalitionsvertrag seien „unterschiedliche Sachentscheidungen doch ganz normal“, sagt Fraktionschef Alexander Reissl. Die Debatte werde „hochstilisiert“. „Wir haben uns mit der Zaun-Frage ausführlich beschäftigt und so entschieden.“

Die Rathaus-CSU wird das so schnell nicht beruhigen. „Die Stimmung ist verheerend“, sagt einer, der viel Einfluss hat, aber nicht als Lautsprecher gilt. „Man wird überlegen müssen, wie man jetzt damit umgeht. Die SPD hat überhaupt noch nicht kapiert, was sie angerichtet hat.“ In der CSU, sagt der Stadtrat, werde überlegt, ob man künftig auch häufiger Mehrheiten ohne die SPD suche.

Die Opposition beobachtet den neuerlichen Koalitionskrach mit Argwohn. „Ein weiterer Nadelstich im dauernden Hickhack zwischen Reiter und Schmid“, sagt Grünen-Fraktionschef Florian Roth. FDP-Stadtrat Michael Mattar sagt, es sei „offensichtlich, dass die Chemie nicht stimmt und sie sich nur triezen“.

Viel Kritik ist auch am neuen Kreisverwaltungsreferenten zu hören. „Wir werden uns das merken“, knurrt es aus der CSU. Er habe sich „schon sehr gewundert, wie schnell Herr Böhle umschwenkt“, sagt FDP-Mann Mattar. Der Grüne Roth erklärt, Böhle sei als Personalreferent „eigentlich keiner gewesen, der nach Machtworten des Oberbürgermeisters eine 180-Grad-Wende hinlegt.“ So interpretieren im Rathaus viele die Ablehnung des Zauns trotz klarem Votum der Polizei: Das SPD-Mitglied Böhle habe sich nach dem SPD-Interesse gerichtet.

Bleibt die Frage, wie es mit der Wiesn weitergeht. Die Problemstelle Hangkante gilt schließlich als ausgemacht, einen Zaun wird es nicht geben, hunderte neue Ordner sind nicht mehr zu bekommen. Aus dem Kreisverwaltungsreferat heißt es, nun sei es Aufgabe des Wirtschaftsreferats (das heißt: von Josef Schmid), „ein überarbeitetes Sicherheitskonzept“ vorzulegen. Vor allem müssten „Maßnahmen zum Schutz vor einer möglichen Überfüllung“ getroffen werden.

Die aber sind schwer zu treffen. Im Vorfeld der Entscheidung war neben dem Zaun noch die Rede davon gewesen, gar keine Reservierungen mehr fürs Wochenende zu erlauben – damit es nicht beim Reservierungswechsel zu Gedränge kommt. „Am Ende können nur Hundertschaften der Polizei und das Unterstützungskommando herangezogen werden“, sagt ein Rathaus-Sicherheitspolitiker. Hunderte Polizisten, die kurzfristig zum Hang rasen und diesen absperren – dies würde der Atmosphäre einen größeren Schaden zufügen, als es mit einem Zaun geschehen wäre. Aus dem KVR heißt es, es sei nun wichtig, dass sich alle beteiligten Behörden und Organisationen „zeitnah“ zusammensetzten. Dies darf nicht zu lange dauern. Die Wiesn beginnt am 17. September.

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