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Der rot markierte S-Bahn-Nordring würde zwischen Pasing und Berg am Laim verlaufen. Rote Haltestellen müssten neu gebaut werden.

Initiative der Freien Wähler

Neues Konzept für S-Bahn: Nordring als Ergänzung zur Stammstrecke

München - Die Freien Wähler haben ein neues Konzept zur Entlastung des Münchner Nahverkehrs vorgestellt. Als Ergänzung zur 2. Stammstrecke soll eine S-Bahn-Ringlinie im Norden der Stadt gebaut werden – auf einer bereits existierenden Trasse für Güterverkehr.

Die Münchner S-Bahn genießt einen Ruf, wie er schlechter nicht sein könnte. Regelmäßig gibt es Meldungen von Störungen und Verspätungen, im Berufsverkehr stehen die Pendler dicht gedrängt in den stickigen Waggons. Jeden Tag nutzen rund 850.000 Menschen die S-Bahn. Ausgelegt war das System bei seiner Eröffnung kurz vor den Olympischen Spielen 1972 auf 240.000 Fahrgäste.

Eine Entlastung des aus allen Nähten platzenden Massenverkehrsmittels erhoffen sich Stadt und Staatsregierung durch die 2. Stammstrecke, deren Bau heuer, nach jahrzehntelanger Planung und Diskussion, final beschlossen werden soll. Die Freien Wähler im Landtag kritisieren, dass der Nutzen des Milliarden-Projekts gering ist und haben am Montag nun einen eigenen Vorschlag präsentiert, wie der Öffentliche Nahverkehr ertüchtigt werden könnte: mit einem S-Bahn-Nordring.

„Wir brauchen dringend neue Impulse für den öffentlichen Nahverkehr – insbesondere im stark wachsenden Münchner Norden“, sagte der Münchner FW-Abgeordnete Michael Piazolo bei einer Pressekonferenz. Er schlägt vor, den durch den Münchner Norden verlaufenden und derzeit dem Güterverkehr vorbehaltenen Nordring zusätzlich für die S-Bahn zu nutzen. Die Güterzuggleise seien bereits während der Spiele 1972 zur Anbindung der damaligen Station „Olympiastadion“ für die S-Bahn genutzt worden, so Piazolo weiter.

Der Nordring würde von Pasing über einen neuen Bahnhof Berduxstraße nach Moosach führen, weiter über die Lasallestraße, Lerchenau, Knorrstraße, Ingolstädter Straße, Freimann bis nach Oberföhring und dort weiter auf der S 8-Trasse über Johanneskirchen, Englschalking und Daglfing nach Berg am Laim. 14 Bahnhöfe würden auf dem Nordring liegen, die meisten existieren bereits, ebenfalls viele Gleise, weshalb die Kosten mit geschätzt 500 Millionen Euro relativ gering wären. Das geplante Fahrgastaufkommen des S-Bahn-Nordrings betrüge rund 70.000 Personen täglich. Die Zahlen hat das Münchner Planungsbüro Vieregg-Rössler ausgerechnet, das im Auftrag der Freien Wähler ein Grobkonzept für den S-Bahn-Nordring erstellt hat.

Die neue Trasse würde aus Sicht Piazolos einen Makel des Münchner S-Bahn-Netzes beseitigen. Dieses ist sternförmig auf die Innenstadt ausgerichtet, Querverbindungen, wie sie in anderen europäischen Großstädten üblich sind, gibt es bislang keine. Nach Berechnungen von Vieregg-Rössler könnte sich ein Fahrgast, der über den Nordring von Pasing zur Ingolstädter Straße fahren würde, 30 Minuten sparen, nach Fröttmaning 15 Minuten. „Wir brauchen deshalb den Einstieg in ein Ringsystem“, fordert Piazolo. An den Bau eines Südrings glaubt der FW-Abgeordnete nicht mehr, die Debatte darüber sei „politisch vergiftet“.

Piazolo betonte, dass die Nord-Variante nicht nur einen hohen, den Straßenverkehr entlastenden Nutzen sowie ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis verspräche. „Es wäre auch für die Stadtentwicklung insgesamt positiv, wenn in München Stadtplanung und ÖPNV-Ausbau stärker Hand in Hand gingen. Ich kann mir deshalb gut vorstellen, dass diese Vorschläge in der Bevölkerung und bei Wirtschaftsunternehmen dankbar aufgenommen werden.“ Dies gelte besonders für den Autobauer BMW und dessen Ausbaupläne für 10 000 neue Arbeitsplätze im Münchner Norden. „Mit meiner Konzeptstudie möchte ich diesen Impuls nun als konkreten Denkanstoß in die politische Debatte einbringen, um das Thema voranzutreiben“, so Piazolo. Ob seine Fraktionen mit einem Antrag in den Landtag gehen wird, sei noch ungewiss.

Ulrich Lobinger

Ulrich Lobinger

E-Mail:ulrich.lobinger@merkur.de

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