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Freuen sich aufs Berufsleben: Die neuen Azubis Ghulam Rasool, Mayatu und Salahkalbi.

Neues Projekt

Münchenstift: Flüchtlinge helfen in der Altenpflege

München - Bei der Münchenstift starten am heutigen Donnerstag 16 junge Menschen, die nach Deutschland geflüchtet sind, ins Berufsleben. Eine „Win-Win“-Situation: Nachwuchs in der Pflege wird dringend gesucht.

Junge Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren, und vor allem ins Sozialleben: Das ist das Ziel der Ausbildung in der Altenpflege für Asylsuchende und Menschen mit Fluchthintergrund bei der Münchenstift GmbH. Dort hat Geschäftsführer Siegfried Benker seit 2015 ein entsprechendes Projekt unter Einbeziehung der neun Münchner Häuser und des ambulanten Dienstes geplant. Heute kann das in Deutschland noch recht neuartige Ausbildungsprojekt starten.

Aktuell 16 Flüchtlinge – größtenteils zwischen 18 und 21 Jahre alt – werden in einer zunächst einjährigen Ausbildung zum Altenpflegefachhelfer in einer Klasse betreut. Die jungen Männer und Frauen stammen aus nordafrikanischen und arabischen Ländern wie Afghanistan, Irak, Somalia, Nigeria und Sierra Leone. „Viele leben schon seit zwei bis drei Jahren in Deutschland und haben ein Berufsorientierungspraktikum hinter sich, bei denen sie die Arbeit mit den Senioren und die Pflegeeinrichtungen kennenlernen konnten“, sagt die Integrationsbeauftragte der Münchenstift, Heidi Obermeier. Deutsch sprechen sie schon gut. „Wenn sie aus Drittstaaten kommen, müssen sie das Sprachzertifikat B1 vorweisen.“ Für die einjährige Ausbildung müssen sie zudem erfolgreich die Hauptschule in Deutschland absolviert haben. Danach können sie für drei weitere Jahre bei der Münchenstift in Ausbildung gehen. Nach insgesamt vier Jahren sind sie „examinierte Altenpfleger“.

Salahkalbi Mohamed Ibrahim aus Somalia beginnt heute mit der Ausbildung. Der 19-Jährige im Jeanshemd lacht. „Arzt wäre mein Traumberuf.“ Die medizinische Versorgung in seiner Heimat, wo Mutter und Schwestern leben, sei leider schlecht. Mayatu, 21, aus Sierra Leone, floh schon mit 16 Jahren nach Deutschland. Bei der Münchenstift absolvierte er ein freiwilliges soziales Jahr. „Am Anfang hatte ich Angst wegen der Sprache.“ Als Kameramann, beim Radio und als Gärtner absolvierte er schon Praktika, „mit den Senioren macht es mehr Spaß“. Ghulam Rasool Saidjan Zada, 26, aus Afghanistan sagt, dass es Altenheime bei ihm daheim so gar nicht gebe. „Aber die Arbeit gefällt mir.“

Vom Arztbesuch bis zur Wohnungsvermittlung wolle man den Azubis, die teils in Gemeinschaftsunterkünften, teils noch in Jugendeinrichtungen lebten, mit dem Projekt helfen, sagt Siegfried Benker. „Wir gehen davon aus, dass sie eine gute Aufenthaltsperspektive haben.“ Vergütet werde die einjährige Ausbildung mit monatlich 500 Euro brutto. Eine halbe Mitarbeiterstelle werde vom Bund für vier Jahre für das Projekt bezuschusst. Benker spricht von einer „Win-Win“-Situation. Ohne Zuwanderung sei Altenpflege nicht mehr denkbar, sagt er, bereits jetzt hätten bis zu 90 Prozent der Azubis der Münchenstift GmbH einen Migrationshintergrund.

Münchenweit blieben im August 300 Stellen in der Gesundheits- und Krankenpflege sowie 293 Stellen in der Altenpflege unbesetzt. Fachkräfte in der Altenpflege verdienen bundesweit im Schnitt 2441 Euro. Und Fachkräfte in der Krankenpflege bundesweit im Schnitt 3042 Euro.

Anne Hund

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