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Entlang der nördlichen Westseite der Theresienwiese, im Volksmund Kotzhügel genannt, wird ein 500 Meter langer Zaun errichtet, der bei Bedarf hochgezogen wird.

Oktoberfest 2016

500 Meter langer Zaun: Wie die Stadt die Wiesn schützen will

München - Vertreter der Verwaltung haben dem Stadtrat am Dienstag Details zum Sicherheitskonzept für die Wiesn 2016 präsentiert. Demnach ist ein 500 Meter langer Zaun oberhalb der westlichen Hangkante an der Theresienhöhe geplant. Wird der Andrang zu groß, soll die Wiesn komplett abgeriegelt werden können.

Es war der letzte Wiesnsamstag 2015, der Tag der Deutschen Einheit, als die Lage ernst wurde. Der Festplatz füllte sich so rasch und unkontrolliert mit Menschen, dass die Polizei der Stadt dringend die Abriegelung der gesamten Theresienwiese empfahl. Sofort wurden alle 150 kommunalen Ordner an den Eingängen zusammengezogen, doch sie waren mit dem Ansturm überfordert. Weitere Menschen strömten aufs Gelände.

Passiert ist damals nichts, doch die Stadt nahm diese Ereignisse und die erhöhte Terrorgefahr in Europa zum Anlass, ihr Sicherheitskonzept gründlich zu überarbeiten. Jetzt erfuhr der Stadtrat Details, was der Veranstalter der Wiesn, das Referat für Arbeit und Wirtschaft, zur Sicherung des größten Volksfestes der Welt plant.

Eine „Oktober-Festung“ oder „Hochsicherheitswiesn“ wird es demnach nicht geben. Das stellten alle Stadt-Vertreter klar. Dennoch müssen sich Besucher heuer wie berichtet auf verstärkte Kontrollen und Einschränkungen gefasst machen. Statt 150 städtischen Ordnern werden heuer in Spitzenzeiten bis zu 250 Kräfte eingesetzt. Sie sollen in der Lage sein, das Gelände bei Bedarf für „20 bis 30 Minuten“ abzuriegeln, um die Situation zu entspannen, so Hans Spindler, Leiter des Fachbereichs Veranstaltungen im Referat für Arbeit und Wirtschaft. Auch die Taschenkontrollen an den Eingängen werden verstärkt. Dass jeder einzelne Besucher gecheckt wird, ist auch in Zukunft personell nicht darstellbar. „Es wird Verdachtskontrollen geben. Das haben wir bisher auch gemacht, nur wird es künftig intensiver“, sagt Spindler. Auch vor dem U-Bahn-Ausgang Theresienwiese werden künftig Ordner in Taschen blicken. Da es deshalb noch häufiger zu Rückstaus bis in den U-Bahnhof kommen wird, soll der rückwärtige Ausgang an der Paulskirche die Hauptlast der Fahrgäste bewältigen.

Die größte bauliche Veränderung wird es an der nördlichen Westseite der Wiesn geben. Oberhalb des im Volksmund „Kotzhügel“ genannten Hangs sollen auf einer Länge von 500 Metern Rollzäune aufgestellt werden, die an einem Seil hängen und die man bei Bedarf hoch- und hinunterfahren kann. Dadurch soll gewährleistet werden, dass bei einer Überfüllung des Geländes nicht weiter unkontrolliert Menschen aufs Gelände strömen können. Weitere Zäune soll es nicht geben, die übrigen Zugänge will die Stadt mit Ordnern kontrollieren. „Die Wiesn ist bereits zu mehr als 50 Prozent umzäunt. Es gibt wenig offene Bereiche“, sagte Kreisverwaltungsreferent Wilfried Blume-Beyerle dem Stadtrat.

Problematisch sind nach seinen Worten ohnehin nur rund zehn Stunden pro Woche, in denen der Andrang besonders groß ist. Dabei handelt es sich um Samstag und Sonntag im Zeitraum von 13 bis 17 Uhr. Stadtrat Mario Schmidbauer (Bayernpartei) warnte vor allem vor dem Reservierungswechsel. „Da drängen in einem Moment 40 000 Menschen rein. Wie sollen die gleichzeitig kontrolliert werden?“ Lydia Dietrich (Grüne) nannte das Konzept „nicht zustimmungswürdig“ und äußerte Bedenken hinsichtlich einer möglichen Panik auf dem Festgelände und in der U-Bahn.

Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) machte deutlich, dass das Sicherheitskonzept bis zur Wiesn noch weiter ausgearbeitet werde. „Das kann man getrost den Sicherheitsfachleuten überlassen.“

Blume-Beyerle sagte, es sei vor allem wichtig, die Zuständigkeiten klar zu regeln. Das sei eine Lehre aus dem Loveparade-Unglück von Duisburg. Der dortigen Staatsanwaltschaft sei es nicht möglich gewesen, im Nachhinein zuzuordnen, wer welche Anweisung zu verantworten hatte: ob Polizei, Verwaltung oder Veranstalter. Dies laufe auf der Wiesn anders. Trotz aller Vorkehrungen ist der Besuch der Wiesn laut Blume-Beyerle mit Risiken verbunden. „Wer dieses Risiko scheut, muss samstags besser zum Schwammerlsuchen.“

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