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Baustelle Kita-Finder: Die Stadt behauptet, die neue zentrale Online-Anmeldung funktioniere tadellos – doch viele Eltern klagen über Fehler im System. 

Probleme bei der Kinderbetreuung

Online-Anmeldung für Kitas: Plätze für Trickser?

München - Der Kita-Finder sollte die Anmeldung für Krippen und Kindergärten erleichtern. Nach Angaben der Stadt läuft das System „reibungslos“. Eltern beklagen aber, dass die Vergabe weiter oft über Einschmeicheleien läuft, Anmeldungen verschwinden – und derjenige schneller zum Ziel kommt, wer falsche Angaben macht. 

Die Nerven hunderter Familien liegen blank. Seit Anfang April läuft die Vergabe der Plätze in Krippen, Kindergärten, Horten und Tagesheimen. Viele Eltern, die sich über die Online-Plattform „Kita-Finder+“ für Plätze in den 900 teilnehmenden Einrichtungen angemeldet haben, sind in der ersten Runde leer ausgegangen.

So auch Petra L. und Michael H., die für ihren Sohn ab September einen Kindergartenplatz brauchen, weil beide arbeiten. „Die Vergabe erfolgt schlicht nicht nach Dringlichkeit“, ärgert sich L. Eine Kita-Leiterin habe ihr durch die Blume sogar bestätigt, dass Plätze oft durch Spenden, also Schmiergeld, klar gemacht würden. Und, sagt H.: „Manche Familien aus unserem Stadtteil haben drei bis fünf Platzzusagen bekommen, und das, obwohl die Mütter noch nicht mal berufstätig sind.“

Referat für Bildung und Sport will von Problemen nichts wissen

Probleme anderer Art hatte Marion S. (Name geändert). Die junge Mutter, die selbständig ist und wieder arbeiten will, hatte ihren heute drei Monate alten Sohn für Januar 2017 für sieben Krippen angemeldet. Bei der Kita-Beratungsstelle sagte man ihr, sie müsse ihren Sohn bereits für September 2016 anmelden und angeben, dass sie Vollzeit arbeite, sonst habe sie keine Chance. "Ich will ihn eigentlich gar nicht so früh weggeben", sagt S. Trotzdem erstellte sie online für alle sieben Einrichtungen neue Anmeldungen. "Eigentlich hatte es ja von Seiten der Stadt geheißen, die Anmeldung werde mit dem Online-System leichter", sagt S. Bis jetzt hat sie nichts mehr gehört. „Ich dachte eigentlich, dass ich ein Härtefall bin: Weil der Vater unseres Sohnes im Ausland arbeitet, bin ich quasi alleinerziehend und als Selbständige auf einen Kita-Platz angewiesen “, berichtet S. Richtig sauer war sie aber nach einem Anruf bei einer ihrer Wunsch-Kitas vor ein paar Wochen. „Ich wollte nachfragen, wie es aussieht. Da hieß es, meine Anmeldung sei nicht registriert, vielleicht, weil ich den Namen meines Sohnes nicht angegeben hätte.“ 

Das Referat für Bildung und Sport will von Problemen nichts wissen. Der Kita-Finder+ funktioniere „reibungslos und störungsfrei“, heißt es auf Anfrage. Die Stadt habe damit „ein modernes, transparentes Anmeldesystem eingeführt“, das von den Familien gut angenommen werde. Anmeldungen seien auch ohne Nennung des Kindsnamens möglich. „Verschwänden“ Anmeldungen, handle es sich „in der Regel um Bedienfehler“, heißt es. Bei Fragen helfe die Elternberatungsstelle gerne weiter.

"Angaben werden von niemanden überprüft"

L. und H. glauben, dass es für viele Eltern „normal“ ist, bei ihrer Berufstätigkeit falsche Angaben zu machen, um eine höhere Dringlichkeitsstufe geltend zu machen. „Da steht dann, dass beide Elternteile Vollzeit arbeiten – und die Angaben werden von niemandem überprüft“, sagt H. Die Stadt erklärt offiziell, Eltern würden darauf hingewiesen, dass die Angaben korrekt zu tätigen seien. „Nachweise können jederzeit eingefordert werden“, so das Bildungsreferat. Zudem erfolgten Stichproben.

Gab es Eltern, die einen bereits zugesagten Platz wieder verloren haben, weil aufkam, dass sie gelogen hatten? Dazu sagt das Referat nichts. Aus einem internen Schreiben, das unserer Redaktion vorliegt, geht aber hervor, dass das Problem durchaus diskutiert wird. „Sollte sich der Eindruck verdichten, dass die Online-Anmeldung dazu verleitet, mit geschönten Angaben zu operieren, müsste die Frage der Nachweise in der Tat neu bewertet und entschieden werden“, heißt es darin. Hinzu kommt, dass das Bildungsreferat offenbar, wie im Fall von Marion S., selbst dazu rät, eine Vollzeit-Berufstätigkeit anzuführen - unabhängig davon, ob diese dann auch gegeben ist.

Persönlicher Kontakt wird empfohlen

Im Moment sind etwa 40 000 Kinder im System angemeldet. Sie stehen auf der Warteliste, haben bereits einen Platz oder unterschreiben bald einen Vertrag. Eine Zahl, wie viele Kinder derzeit unversorgt sind, gibt es laut Referat nicht. Die Stadt bietet zwar das Portal an, über die Platzvergabe aber entscheiden die Kita-Leitungen. Wer einen bekommt, erhält eine Mail – und hat dann 17 Tage Zeit, um anzunehmen. Wird der Platz abgelehnt, zeigt ihn das System wieder als frei an. Bisher verlaufe der Vergabeprozess kontinuierlich und durch den elektronischen Abgleich deutlich schneller als früher, heißt es. Über den Kita-Finder+ seien schon 15 000 Kinder versorgt worden. Andere Kinder hätten Plätze in jenen 30 Prozent der Einrichtungen bekommen, die nicht beim Kita-Finder mitmachen.

Dass die Vergabe bisweilen durch Einschmeicheln bei Kita-Leitungen funktioniere, dementiert die Stadt nicht. Eltern werde „empfohlen, vor der Online-Anmeldung den persönlichen Kontakt zu den Wunscheinrichtungen zu suchen“, heißt es. Bis Ende Juni sollen alle Eltern, die keinen Platz erhalten haben, angeschrieben und nochmal gezielt auf Einrichtungen mit freien Kapazitäten aufmerksam gemacht werden – oder sich an die Elternberatungsstelle wenden.

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