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Online-Petition für Open-Air-Kino im Viehhof

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Von Zukunftssorgen geplagt: Metzgermeister Andreas Gassner (links) und Kino-Betreiber Hartmut Senkel © Kurzendörfer

München - Das Open-Air-Kino im Viehhof soll nach dem Bau des Volkstheaters erhalten bleiben. Diesen Wunsch formuliert eine Online-Petition, die bereits etwa 5500 Menschen unterschrieben haben. Allerdings: Ist überhaupt genügend Platz für eine Koexistenz, zumal auch noch Wohnungen entstehen sollen?

Am Ende seines Vortrags bei einem Pressetermin projiziert Hartmut Senkel mit dem Beamer eine Karikatur auf die Video-Leinwand. Sie zeigt den Veranstalter des Open-Air-Kinos im Viehhof mit dem Intendanten des Volkstheaters, Christian Stückl. Sie reichen sich grinsend die Hände – eine Karikatur als Symbol für die mögliche Koexistenz von Volkstheater und Gewerbetreibenden auf dem Viehhof-Areal. Ob es so weit kommen wird, ist fraglich. Sehr fraglich. Senkel sowie die ansässigen Gastronomen und Gewerbetreibenden würden es sich wünschen. Viele Münchner ebenso, wie die Petition deutlich macht. Weil das Quorum von 4000 Unterschriften erreicht ist, kommt das Thema nun auf alle Fälle im Stadtrat nochmal auf den Tisch. Das Problem: Bliebe nach dem Neubau des Volkstheaters überhaupt noch genügend Platz, um alle Nutzungen unter einen Hut zu bringen? „Schwer vorstellbar“, sagt Jennifer Becker, Sprecherin des Kulturreferats.

Senkel und die Gewerbetreibenden des Viehhofs bekunden am Donnerstag öffentlich ihre Sorge, dass sie womöglich bald weichen müssen. Senkel erklärt: „Wir sehen das wie eine Dampfwalze auf uns zukommen.“ Seit fünf Jahren betreibt er das Open-Air-Kino und den Biergarten. Mit Erfolg. Das Mischkonzept kommt gut an in der Bevölkerung. Es ist kein klassischer Biergarten, sondern das Gelände versprüht den Charme einer Industriebrache. Ein trendiger Treff und, wie Senkel findet, auch „ein Identifikationspunkt“ für das Viertel. Sein Pachtvertrag mit der Stadt zur Zwischennutzung läuft allerdings 2016 aus – mit einer Option auf weitere zwei Jahre. Das Volkstheater soll schon bis 2020 stehen. Senkel will nicht im Wege sein: „Wir sind bereit, uns zu verkleinern.“ Sein Kinoprojekt aufgeben will er aber auch nicht: „Kultur darf andere Kultur nicht verdrängen.“

Das gesamte Areal umfasst eine Fläche von 71 000 Quadratmetern, das derzeit an der Brienner Straße beheimatete Volkstheater benötigt insgesamt 16 000 Quadratmeter. Zumindest für Handwerker und Gastronomen signalisiert das Kulturreferat Entwarnung: „Das Volkstheater wird an einer Stelle errichtet, an der die gewerblichen Mieter nicht tangiert sind“, heißt es. So optimistisch sieht das der kulturpolitische Sprecher der CSU, Richard Quaas, nicht. Für ihn sei klar: „Vorrang hat das Volkstheater, und in zweiter Priorität Wohnnutzung.“ Spätestens dann gebe es keine Zukunft mehr für Open-Air-Kino und Biergarten. Und ob alle Gewerbetreibenden auf Dauer bleiben könnten, sei ebenfalls offen. Nach Meinung von Klaus Peter Rupp (SPD) ist es unstrittig, dass sich Senkels Konzept bewährt hat. Aber es handele sich eben um eine Zwischennutzung. Jennifer Becker betont ebenfalls: „Herr Senkel hat das von Anfang an gewusst.“

Der Veranstalter erklärt, dass er der Stadt dankbar sei, das Gelände an 80 Tagen im Jahr bis 1 Uhr nachts nutzen zu dürfen. Dennoch hoffe er auf einen Bestandsschutz für alle derzeit auf dem Gelände vorhandenen Nutzungen: Senkel: „Im Viehhof trifft sich der Querschnitt der Münchner Gesellschaft. Man kommt sich vor, als wäre man in einer anderen Welt.“ Metzgermeister Andreas Gassner, dessen Betrieb von seinen Vorfahren 1937 in Schwabing eröffnet wurde und nun seit 20 Jahren im Schlachthofviertel ansässig ist, sagt: „Ich bewundere, mit welchem Herzblut Hartmut Senkel seine Sache betreibt.“ Der Viehhof habe „etwas Mystisches“, es herrsche eine „wunderschöne Mischung“. Gassner beteuert, man wolle die Stimme erheben, bevor es zu spät sei. Im Hinblick auf die Detailplanung für das Viehhof-Areal ist er besorgt: „Theater, Kino und Gewerbe funktioniert – Wohnen und Gewerbe nicht“. Silvia Haas, Mitglied des Bezirksausschusses Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt, hält das Ansinnen der Petition für wünschenswert. Aber nicht nur wegen des Volkstheaters, sondern auch angesichts des Wohnungsdrucks in München äußert die Grünen-Politikerin Zweifel: „Wo soll da noch Platz sein für das Kino?“

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