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Auch im Untergeschoss des Stachus ist der Polizeifunk total abgerissen.

„Hohe Belastung“

Polizeifunk versagte beim Amoklauf am OEZ

München - Der Amoklauf in München hat gezeigt: Der Digitalfunk der Polizei funktioniert nicht zuverlässig. Einem internen Bericht zufolge konnten Beamte mehrere Minuten lang nicht über Funk kommunizieren. Teilweise riss die Verbindung sogar komplett ab.

Gerade in Extremsituationen wie dem Amoklauf am Olympia-Einkaufszentrum am 22. Juli ist entscheidend, dass die Technik funktioniert. Und genau in dieser Situation ist der Digitalfunk offenbar an seine Grenzen gestoßen. Das haben Recherchen des BR-Politikmagazins Kontrovers und des BR-Hörfunks zutage gebracht. In einem internen Bericht des Polizeipräsidiums München, der dem Innenministerium zugeschickt wurde und dem BR vorliegt, steht, dass einige Einsatzkräfte bis zu fünf Minuten nicht erreichbar gewesen seien. So habe eine Anfrage des HvD – des höheren Beamten vom Dienst, der zunächst der Einsatzleiter an dem Abend war – nicht beantwortet werden können. Teilweise sei es im OEZ und im Untergeschoss des Stachus zu Verbindungsproblemen gekommen, teilweise sei der Funk total abgerissen. Die Beamten mussten ihre eigenen Handys benutzen – was nicht erlaubt ist und auch nur so lange funktioniert, bis das Netz zusammenbricht.

In einer dürren Erklärung des Innenministeriums und des Polizeipräsidiums heißt es, dass der „Gesamteinsatz zur Amoklage aktuell durch das Polizeipräsidium auf allen Ebenen mit Blick auf viele Aspekte nachbereitet“ werde. Eine erste Bewertung zum Einsatz des Digitalfunks habe gezeigt, „dass das System hier einer hohen Belastung ausgesetzt war und grundsätzlich funktioniert hat.“ Zu Problemen könnten neben der großen Auslastung auch die hohen Gebäudekomplexe rund ums OEZ geführt haben. Die Abdeckung der Reichweite ist nach Angaben eines Polizeisprechers auch rund um und in Gebäuden mit massiver Stahl- und Betonbauweise ein bekanntes Problem.

Bereits Anfang August hatte die Landtagsabgeordnete Katharina Schulze (Grüne) eine schriftliche Anfrage zu dem Thema an die Staatsregierung gestellt. Sie wollte unter anderem wissen, ob der digitale Polizeifunk bei dem Einsatz überlastet gewesen sei. In einer schriftlichen Antwort, die unserer Redaktion vorliegt, betont das Ministerium, dass „grundsätzlich festgestellt werden“ könne, „dass der Digitalfunk auch bei großen Einsatzlagen den Einsatzkräften voll funktionsfähig zur Verfügung steht und somit eine deutliche Verbesserung gegenüber der analogen Funktechnik darstellt“. Gleichwohl werde auch beim Digitalfunk weiteres Optimierungspotenzial gesehen. Die „Dynamik, Komplexität sowie die damit verbundene hohe Polizeipräsenz“ habe in taktischer Hinsicht eine Extremsituation dargestellt. So sei es aufgrund der hohen Anzahl der digitalen Funkgeräte teilweise zu einer verzögerten Einbuchung in die entsprechende Funkzelle beziehungsweise Funkgruppe gekommen. Während der Hochphase habe es Verzögerungen von durchschnittlich knapp 2 Sekunden gegeben. Wie lange der Funk-Ausfall im schlimmsten Fall dauerte, ist nicht bekannt.

Nach Angaben von Präsidium und Innenministerium könne eine „verbindliche Bewertung“ erst dann abgegeben werden, wenn „die Nachbereitung des Gesamteinsatzes abgeschlossen ist“. Schulze fordert, dass der Abend des Amoklaufs genau analysiert wird. „Und daraus muss natürlich auch etwas folgen. Solche Defizite müssen abgeschaltet werden“, betont sie.

Nicht nur beim Amoklauf hatte die Polizei heuer Probleme mit dem Funk. Bereits während der Münchner Sicherheitskonferenz ist es, wie jetzt bekannt wurde, zu Unregelmäßigkeiten gekommen.

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