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Endlich Arbeit: Sewa Adje Tetevi Mensah unterstützt für die Johanniter nun Flüchtlinge in ihrem Alltag in der Notunterkunft. „

Projekt für Langzeitarbeitslose

Ein Plan B für die Chancenlosen

München - Der Münchner Arbeitsmarkt boomt. Trotzdem haben Langzeitarbeitslose kaum Chancen. Seit vier Jahren stagniert ihre Zahl bei rund 10.000. Mit dem Projekt PlanB versucht das Jobcenter den Menschen zu helfen. Mit Erfolg – wenn auch nur kleinem.

Endlich hat er seine Chance bekommen – und er hat sie genutzt: Über viele Jahre hinweg hat Sewa Adje Tetevi Mensah alles versucht, um Arbeit zu bekommen. Der gebürtige Togoer hatte Betriebs- und Volkswirtschaft studiert, konnte das Studium aus finanziellen Gründen aber nicht abschließen. Bis 1994 arbeitete bei einer Münchner Firma, die Anhängerkupplungen herstellte. Als sie geschlossen wurde, machte Mensah noch eine Ausbildung zum Industriekaufmann. Eine Anstellung fand er danach nicht. „Mit über 40 war ich schon zu alt“, sagt er. Er jobbte da und dort, versuchte es mit einer eigenen Firma für Umzüge, nichts klappte. Mehr als 14 Jahre lebte er von Arbeitslosengeld II. Als er von dem Projekt PlanB des Münchner Jobcenters hörte, meldete er sich sofort. Und der 60-jährige bekam seine Chance: Seit April hat er eine Festanstellung bei den Johannitern. Im Hausservice der Flüchtlingsunterkunft an der Hellabrunner Straße kümmert er sich um die Anliegen der Bewohner, die Belegung der Betten, die Post und ist zu jeder Zeit Ansprechpartner bei Sorgen und Nöten. Der Arbeitgeber ist hochzufrieden – und Mensah selbst „einfach nur glücklich mit der neuen Aufgabe“.

Es ist eine Erfolgsgeschichte wie sie Sabine Schultheiß, die stellvertretende Geschäftsführerin des Münchner Jobcenters, gerne präsentiert. Belegt sie doch die Wichtigkeit von „PlanB“. Seit Juni 2015 beteiligt sich das Jobcenter an dem Bundesprogramm zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit, das mit Mittlen aus dem Europäischen Sozialfond finanziert wird. Zielgruppe sind Menschen ohne brauchbaren Berufsabschluss, älter als 35 und länger als zwei Jahre ohne Arbeit – in München sind das etwa 4000 Empfänger von Arbeitslosengeld II. Insgesamt sind rund 10 000 Menschen seit mehr als einem Jahr ohne Arbeit – und gelten damit als langzeitarbeitslos.

PlanB funktioniert auf drei Wegen: Zusätzliche Mitarbeiter im Jobcenter, so genannte Betriebsakquisiteure, führen Gespräche mit Langzeitarbeitlose, loten aus, für welche Jobs sie in Frage kämen. Zugleich knüpfen sie Kontakte zu Unternehmen, die Mitarbeiter brauchen. Betriebe, die Langzeitarbeitslose einstellen, bekommen dann bis zu 36 Monate Lohnkostenzuschüsse – anfangs werden 75 Prozent des Gehalts übernommen. Berufsbegleitend gibt es für Arbeitnehmer und Unternehmen weiter Unterstützung, wenn es Probleme gibt oder Fortbildungen nötig sind.

Was einfach klingt, ist alles andere als das: „Betroffene haben viele Probleme – gesundheitliche, soziale bis hin zu mangelnden Sprachkenntnissen“, erklärt Heike Lodenkämper, eine von acht Betriebsakquisiteuren. „Es braucht mehr Betreuung als gedacht und mehr Arbeitgeber, die den Menschen eine Chance geben.“ Das funktioniere nur über persönliche Kontakte. „Ich appelliere nicht an die soziale Ader, sondern erkläre, dass es da Menschen gibt, die was drauf haben und dem Betrieb nützlich sein können.“ Die Lohnkostenzuschüsse seien ein zusätzlicher finanzieller Anreiz.

116 Menschen wurden bisher in Arbeit vermittelt. 30 Prozent davon älter als 55, zwei Drittel Männer und 36 Prozent mit Migrationshintergrund. Obschon ein Tropfen auf den heißen Stein, sei es angesichts der Schwierigkeiten „ein schönes Ergebnis“, sagt Sabine Schultheiß. Bis Mitte 2017 fließen noch Fördergelder für PlanB – bis dahin will das Jobcenter 300 Menschen in Arbeit gebracht haben.

Auch danach bleibt das Thema im Fokus: 2017 gibt es ein neues Projekt für Menschen, die mindestens vier Jahre arbeitslos waren. Und auch der Dritte Arbeitsmarkt, – von der Stadt geförderte Arbeitsplätze für Langzeitarbeitslose, – ist laut Schultheiß ein wichtiger Schritt. Den braucht es auch. Denn: Sank von 2008 bis 2012 die Zahl der Langzeitarbeitslosen deutlich von 14 700 auf 10 600, liegt sie seitdem konstant über 10 000. Ein Grund dafür ist laut Schultheiß auch die Konkurrenz am Arbeitsmarkt, die durch den ständigen Zuzug nach München entstehe.

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