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Robert F. kennt sein Opfer seit Jugendtagen. Johanna M. hat bereits 2004 ein Kontaktverbot gegen ihn erwirkt.

Wenn Liebe zur Hölle wird

Prozess: Stalker verfolgt Frau (47) seit 30 Jahren

München - Telefonterror, zerstochene Autoreifen, Morddrohungen: Johanna M. hat seit den Achtzigerjahren einen Stalker, der an paranoider Schizophrenie leidet. Der muss nun vor Gericht.

Seit bald 30 Jahren geht das nun schon. Telefonterror, zerstochene Autoreifen, Morddrohungen. Johanna M. (47) kämpft sich seit den Achtzigerjahren durch eine bitterböse Zeit. M. hat einen Stalker: Robert F. (48, alle Namen geändert) leidet an paranoider Schizophrenie – und lässt der Frau keine Ruhe. Für die schlimmen Dinge, die Johanna M. erlebt hat, macht sie F. verantwortlich. „Ich habe Angst“, sagt M. „Angst,  dass es nie aufhört.“

Heute, 30 Jahre später, sitzt Robert F. unruhig auf der Anklagebank. Eine Deckenlampe im Saal 275 des Münchner Strafgerichts ist defekt, flackert im Sekundentakt. Ein passendes Detail für den folgenden Psycho-Thriller. Die Staatsanwaltschaft wirft F. vor, dass er trotz eines 2004 erwirkten Kontaktverbotes Johanna M. immer wieder belästigt haben soll. Nach kleineren Atempausen sei er im März 2014 erneut zudringlich geworden. Zudem soll F. seinen einstigen Betreuer, einen Münchner Rechtsanwalt, beleidigt, verleumdet und mit dem Tod bedroht haben. Das räumt Robert F. ein. Die Taten, die Johanna M. betreffen, leugnet er.

"Ich habe keine Krankheit"

F. gibt den tragischen Helden. „Ich habe keine Krankheit“, schleudert er allen im Gerichtssaal entgegen, die gegen ihn sind. Das sind in seinen Augen alle. „Das ist nur die einfachste Erklärung für Euch!“ Seit sechs Monaten sitze er im Knast. „In all der Zeit habe ich keinen Anwalt gesehen.“ Er bestreitet, dass Anwältin Annette von Stetten seine Verteidigerin ist. Später, im denkwürdigen Finale, wird er ihr wütend den erhobenen Mittelfinger entgegenstrecken. Auch die Staatsanwältin hat er bald als Feindin ausgemacht: Nach deren ersten Satz brüllt F.: „Falsch!“ Richter Gilbert Wolf legt darauf den (Zeige-)Finger an die Lippen, blickt den Angeklagten durchdringend an und flüstert: „Leise. Sie sind gleich dran …“

Es folgt F.’s Sicht der Dinge. „Alles Schmarrn, alles Käse“, ruft der gebürtige Münchner. Er habe Familie in der Schweiz, sein Pass sei unauffindbar, alles eine Verwechslung. Überhaupt sei nichts so, wie es scheint. Sein einstiger Betreuer sei „der „Inzest-Kreidl aus dem Hasenbergl, der nicht einmal einen Hauptschulabschluss hat!“ Der Fall ein Irrtum – alle im Saal seien nur zu dämlich, um das zu merken. Er selbst heiße auch ganz anders. Nicht zum ersten Mal lachen Richter, Staatsanwältin, Polizisten und Schöffen. Bald aber vergeht allen das Lachen: Johanna M. macht ihre Aussage, weint, erzählt von Selbstmordgedanken und anhaltenden psychischen Problemen. F. und sie hätten sich in den 80ern kennengelernt, ab und zu getroffen. „Ende der 80er wurde er komisch“, sagt die 47-Jährige, die heute mit Familie in Puchheim wohnt. Nachdem F. wieder mal ihre Reifen zerstochen hatte, habe sie ihn zur Rede gestellt. „Er hätte gerne eine Beziehung mit mir gehabt“, schluchzt M. „Weil das aussichtslos war, fing er an.“

Am Ende schleudert er seinen Ordner auf den Richter

Dass F. aggressiv ist, zeigt er gegen Ende des Prozesstages. Ein Arzt, der F. in Haar behandelt hat, berichtet von konkreten Morddrohungen gegen ihn. F. flippt aus. Er schleudert seinen Ordner auf Richter Wolf, zeigt seiner Verteidigerin den Mittelfinger, beleidigt alle, die in seiner Nähte sind. Richter Wolf schließt den Angeklagten aus, unterbricht den Prozess. In den folgenden Monaten wird ein psychiatrisches Gutachten erstellt: über die Schäden, die Johanna M.’s Psyche im Laufe der vergangenen 30 Jahre erlitten hat.

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