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Einen Treffpunkt für Künstler: Zehra Spindler zieht vom „Puerto Giesing“ in das alte Norkauer-Gebäude an der Dachauer Straße. Hier entsteht das „Art Babel“.

„Puerto Giesing“ zieht ins Bahnhofsviertel

München - Zehra Spindler und ihre Mitstreiter starten in einem alten Trafohäuschen zwischen Dachauer- und Karlstraße neu durch. Rave-Parties wie in Giesing soll es dort aber nicht geben.

Mit Parties im Kaufhaus haben sie das Münchner Nachtleben 2010 gewaltig durcheinandergewirbelt: die Macher vom „Puerto Giesing“. Jetzt ziehen sie in ein ehemaliges Trafohäuschen. An der Ecke Karl- und Dachauerstraße kann es schon in wenigen Wochen losgehen. Große Partys sind dort aber nicht geplant. Die waren im alten Hertie-Kaufhaus auf Giesings Höhen noch Teil des Konzepts gewesen. Nicht zuletzt dienten sie der Finanzierung vieler kleiner Kulturveranstaltungen.

Das „Art Babel“, wie der neue Laden heißen wird, soll sich hingegen hauptsächlich über den Tagesbetrieb finanzieren. Nachmittags soll ein Café öffnen. Und das stellt sich Zehra Spindler als eine Anlaufstelle für Künstler und Kulturschaffende vor, wo man sich vernetzen kann, Kaffee trinken und im Internet surfen.

Noch sind kleine Umbauarbeiten nötig und die Genehmigung für die Gastronomie steht bisher aus. Das Herzstück von „Art Babel“ wird der 250 Quadratmeter große Raum mit den Fensterfronten zur Dachauer- und Augustenstraße sein. Hier sollen Ausstellungen, Diskussionen, Lesungen stattfinden - mit bis zu 300 Sitzplätzen.

„Medienkunst“ ist derzeit das große Stichwort der umtriebigen Zehra Spindler. So kann sie sich eine Ausstellung des Rock-Fotografen Tibor Bozi vorstellen, der mit einem VJ Bilder virtuell verarbeitet. „Dann steht man eine Stunde vor einem Bild, das sich nach und nach verändert. Aus einem Gesicht wird ein anderes“, sagt Zehra Spindler.

Einiges soll aus Giesing mitgebracht werden. Zum Beispiel die „Nerd Night“, bei der Wissenschaftler mit Witz von ihren abseitigen Forschungen berichten. Im alten „Hertie“ wurde etwa über die gesellschaftliche, historische und architektonische Funktion von italienischen Autobahnraststätten diskutiert.

Laut soll es aber nicht mehr werden. „Wir haben gleich gesagt, wir wollen keine Rave-Parties hier machen“, sagt Zehra Spindler, „das passt nicht zu diesem Ort.“

Gut zu diesem Ort passen hingegen die Leute vom Puerto Giesing. „Das ist wieder dieses multikulturelle, urbane Flair“, schwärmt Spindler vom wuseligen Bahnhofsviertel. In den letzten Monaten hatte sie nach einem neuen Platz für ihre Ideen Ausschau gehalten - unter anderem war ein Gebäude auf der Praterinsel im Gespräch gewesen.

Letztlich wurde es das alte Trafohäuschen, in dem später der Bodenbelagshersteller Norkauer residierte. Einmal mehr profitierte Spindler von ihrem Netzwerk. Einer der „Puerto Giesing“-Leute kennt den neuen Besitzer, der nach dem Abriss ein Wohn- und Geschäftshaus errichten will.

Jetzt hält aber erstmal die Kultur Einzug. Spätestens Mitte Juni soll es soweit sein. Der Mietvertrag läuft bis Ende September. Zehra Spindler hat aber die Zusage für das Haus, bis wirklich die Bagger zum Abriss anrollen. Vielleicht wird der Stopp der Zwischennutzungs-Experten am Bahnhof also auch eine längere Episode.

Felix Müller

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