DGB schlägt Alarm

In München sind Rentner besonders arm dran

München - Programmierte Altersarmut: Bayerns Rentner bekommen immer weniger Geld vom Staat. Nun schlägt der DGB Alarm.

Männer, die voriges Jahr pensioniert wurden, liegen 30 Euro pro Monat unter jenen, die 2014 in Rente gingen. Das hört sich zunächst nicht dramatisch an – aber derzeit bekommen Männer in Bayern im Schnitt nur eine magere Rente von 1049 Euro, Frauen müssen gar mit nur 616 Euro auskommen. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) in Bayern schlägt jetzt Alarm und fordert einen radikalen Kurswechsel bei der Rentenpolitik.

Gestern legten Bayerns DGB-Vorsitzender Matthias Jena und seine Vize Verena Di Pasquale den Rentenreport Bayern 2016 vor. Und da sind die Zahlen für die Landeshauptstadt besonders gravierend: Ein Münchner Mann, der voriges Jahr in Rente ging, bekommt im Schnitt lediglich 891 Euro! Im Landkreis sind es immerhin 1017 Euro. Frauen bekommen im Vergleich zum Rest des Freistaats in München mit 763 Euro zwar die höchste Durchschnittsrente (Landkreis München: 738 Euro), doch auch das reicht kaum fürs Überleben. Folge: Immer mehr Münchner müssen beim Sozialamt aufstocken: Derzeit gibt es in der Stadt laut Sozialreferat 14 600 solcher Fälle, pro Jahr kommen rund vier Prozent hinzu. Die höchste Männer-Neurente wird übrigens mit 1284 Euro im Landkreis Erlangen-Höchstadt bezahlt. Generell sind in Unterfranken die Renten am höchsten, gefolgt von Ober-, Mittelfranken und der Oberpfalz, während in Ober- und Niederbayern sowie in Schwaben die Renten niedriger ausfallen.

Aber wieso ist gerade in München das Rentenniveau so niedrig? Jena macht unter anderem die vielen Minijobs etwa in der Reinigungs- und Wach-Branche sowie der Gastronomie sowie die relativ hohe Zahl von Langzeitarbeitslosen verantwortlich. Außerdem ist der Dienstleistungssektor stark vertreten, in dem nicht immer so hohe Löhne bezahlt werden wie in der Industrie. Außerdem sorgt die gute soziale Infrastruktur vor Ort dafür, dass ärmere Menschen lieber in der Stadt wohnen als auf dem Land. Außerdem muss man bedenken, dass auch die geringen Zusatzrenten, die Beamte oder Selbstständige aus sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungszeiten bekommen, berücksichtigt werden. Das drückt den Schnitt. In den ehemaligen Industrierevieren in Nordbayern hingegen profitieren viele ehemalige Arbeiter von den vergleichsweise hohen Tariflöhnen vergangener Jahrzehnte.

Laut Jena ist das stets sinkende Rentenniveau dennoch dafür verantwortlich, dass den Senioren immer weniger Geld bleibt: Lag das Rentenniveau 2000 noch bei 53 Prozent, sind es jetzt nur ich 47,9 Prozent des letzten Gehalts. Bis 2030 soll das auf 43 Prozent sinken. „Das heißt, auch wenn die Renten jetzt um zwei Prozent erhöht werden, sinkt das Rentenniveau trotzdem.“ Di Pasquale warnt: „Wenn der Sinkflug der Rente nicht gestoppt wird, droht Altersarmut auch in Bayern zum Massenphänomen zu werden.“

Rentenarmut: Was der DGB jetzt fordert

Der DGB fordert von der Politik, die Rentenversicherung von versicherungsfremden Leistungen zu befreien. Die Mütterrente schlägt derzeit etwa mit sieben Milliarden Euro jährlich zu Buche. Das müsse beendet werden. Auch die Ost-Renten dürften nicht weiter aus der Rentenkasse bezahlt werden, da die Rentner der ehemaligen DDR nie in das System eingezahlt hatten. Außerdem fordert der DGB eine Erwerbstätigenversicherung, in die zunächst Einzel-Selbstständige einzahlen sollen. Außerdem sollten Betriebsrenten zur Pflicht gemacht werden. Außerdem fordert der DGB keine weitere Anhebung des Alters für das Erreichen der Rente. Derzeit arbeiteten in Bayern nicht einmal 10 000 Menschen im Alter von 65 Jahren sozialversichert – das ist ein Anteil von 6,7 Prozent an der Altersgruppe.

Das bekommen Rentner monatlich in München

850 Euro: Meine Rente reicht mir nur, weil ich spartanisch lebe. Ich wohne in einer kleinen Wohnung. Fleisch esse ich fast den ganzen Monat nicht. Luxus in irgendeiner Form kann ich mir gar nicht leisten. Reisen oder groß einkaufen – das würde nicht gehen. Ich bin aber auch Jahrgang ’34 – ich habe das Sparen noch gelernt. Als ich jung war und 20 Mark in der Woche verdient habe, musste ich neun Mark davon meinem Vater abgeben. Das war nicht so wie bei der Jugend von heute, die das Geld für ­alles mögliche rausschmeißt. Betüll Peter (81), ehemalige Versicherungsangestellte, Haidhausen

1900 Euro: Uns geht es finanziell gut – aber die gesetzliche Rente allein würde nicht dafür ausreichen, dass wir unseren gewohnten Lebensstandard halten können. Wir haben zum Glück eine zusätzliche Absicherung über eine Betriebsrente und persönliche Rücklagen. Wenn man vergleicht, wie andere zu knabbern haben, wissen wir wissen natürlich, dass es uns gut geht. Wir haben keine Kinder, die wir noch finanziell unterstützen müssen - wir können von unserem Geld gut leben. Rüdiger Jahn (68), ehemaliger Manager bei Siemens, und seine Frau Karin aus Nymphenburg

1400 Euro: Gut, dass ich meine Frau habe, die auch etwas Geld in den Haushalt bringt. Alleine würde ich sonst nicht so gut dastehen. Dabei habe ich mein Leben lang gearbeitet, ich habe Fotoapparate repariert, viele Jahre lang auch in Japan. Nur: Die Zeit im Ausland geht mir bei der Rente jetzt leider ab. Wir wohnen ihn der Lerchenau zur Miete, da müssen wir uns unser Geld schon gut einteilen. Den einzigen Luxus, den wir uns mal leisten, ist essen zu gehen. Gereist bin ich in meinem Leben eh schon viel genug. Wilhelm Dübell (72), ehemaliger Feinmechaniker aus der Lerchenau

1000 Euro: Mir geht es einigermaßen gut mit meiner Rente. Die ist aber auch nur so hoch, weil ich all die Jahre immer gearbeitet habe! Und ich bin sparsam: Ich bin kein Modenarr, renne nicht alle paar Wochen zum Friseur, ich trinke nicht, ich fresse nicht, wegen meiner Krankheiten kann ich sowieso auch nicht mehr reisen. Aber ich darbe nicht, ich bin zufrieden. Und ich habe das Glück, dass die Miete in meiner Wohnung seit längerer Zeit nicht mehr gestiegen ist. Maria Henn (87), studierte Betriebswirtin und ehemalige Angestellte bei der LBA, aus Schwabing

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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