„Die Lage für die Fußgänger verschlechtert sich dramatisch.“Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher

Pläne überarbeitet

Rosenheimer Straße: Neuer Streit um die Radlspur

München - Die Stadt hat die Pläne für den Radweg an der Rosenheimer Straße überarbeitet. Fahrrad-und Umweltverbände sind enttäuscht. Für Radler und vor allem Fußgänger bleibe zu wenig Platz. Aber auch viele Parkplätze entfielen.

Sie gilt als eine der wichtigsten Einfallsstraßen in München: die Rosenheimer Straße in Haidhausen. Etwa 29.000 Autos fahren dort pro Tag in Richtung Innenstadt oder stadtauswärts. Lieferwagen verstellen oft die Gehwege vor den Geschäften oder machen sich mit parkplatzsuchenden Autofahrern Konkurrenz.Die Leidtragenden sind in dem Nadelöhr aber vor allem die Radler, die sich im Abschnitt zwischen dem Rosenheimer Platz und der Orleansstraße nicht sicher fühlen können. Ob die viel diskutierte Radspurdaran etwas ändert?

Das Baureferat hat nun am Donnerstag einen überarbeiteten Entwurf vorgelegt, nachdem das Kreisverwaltungsreferat bei der ersten Planung Sicherheitsbedenken wegen zu schmaler Spuren geltend gemacht hatte.Der neue Plan sieht nun vor, dass der Radweg in roter Signalfarbe zum Teil 1,50 Meter breit und wo keine Parkbuchten rechts oder links geplant sind, zwei Meter breit entlang der Rosenheimer Straße führen soll. Die Stadt will an den Zufahrtsstraßen, wo es Radweglinien gibt, zudem neue Aufstellflächen für Fahrradfahrer schaffen, die links abbiegen und die Rosenheimer Straße sicher queren wollen.

Die vier Autospuren sollen jeweils eine Breite von drei Metern breit haben – und damit im Einzelnen mehr Platz bekommen (siehe Grafik). Auf breitere Spuren als mit zunächst teils 2,85 Metern vorgesehen hatte das KVR bestanden, um die Sicherheit insgesamt zu gewährleisten. Besonders eng wird es jedoch für die Fußgänger. Denn wo Parkbuchten geplant sind – und zum Beispiel Freischankflächen vor den Läden dazukommen – bleiben die Gehwege den Plänen zufolge nur etwa 1,60 Meter breit. An anderen Stellen sind es dann wiederum ganze 3,60 Meter.

Und noch eine überraschende Maßnahme hat Horst Schiller, Abteilungsleiter im Baureferat, angekündigt: Von derzeit etwa 80 Parkplätzen, darunter Anwohner- und Kurzzeitparkplätze, sollen nur etwa 40 in dem besagten Abschnitt übrig bleiben. Das erhöht den Parkplatzdruck im Viertel, befürchten besorgte Anwohner. Viele Geschäftsleute sind zudem gewöhnt, dass die Kunden bei ihnen gleichsam vor der Tür parken. Wo der Lieferverkehr Platz haben soll, ist demnach noch nicht geklärt.

Die 20 alten Bäume müssen weichen, 18 neue Bäume werden nachgepflanzt und rücken zum Teil näher an die Häuserwände. „Auch die Randsteine müssten komplett zurückversetzt werden“, sagte Horst Schiller, der noch keinen Zeitraum für die gesamte Umbaumaßnahme benennen konnte, sondern nur so viel: „Eine Bausaison wird nicht genügen.“ Recht konkret äußerte sich das Baureferat derweil zu den geschätzten Kosten: Für den kompletten Umbau inklusive der Verlegung der Sparten, und der Parkplätze, die als verschieden große Buchten rechts und links der Straße unterschiedlich groß ausfallen sollen, würden die Gesamtkosten geschätzt bei insgesamt etwa 5,2 Millionen liegen.

Rad- und Umweltschutzverbände übten massive Kritik an den Plänen. Für einen 1,60 Meter schmalen Gehweg brauche man „schon sehr schmale Fußgänger mit schmalen Kinderwagen und Rollstühlen“, teilte etwa der Bund Naturschutz mit. Und auch Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher kritisierte: „Die Lage für Fußgänger verschlechtert sich dramatisch.“ Dies könne man nicht hinnehmen. Aber auch den teils nur 1,50 Meter schmalen Radweg hält ADFC-Sprecher Andreas Groh für „extrem gefährlich“. SPD-Stadträtin Bettina Messinger sagte derweil, die Situation für Radfahrer würde sich „tendenziell verbessern“, auch wenn noch nicht alle Fragen geklärt seien.

Immer lauter wird unterdessen der Ruf bei Fahrrad- und Umweltverbänden und anderen Kritikern nach „Tempo 30“ auf der Rosenheimer Straße. Dann könne man sich den teuren Umbau und den Radweg sparen, argumentierten etwa einige Bezirksausschuss-Mitglieder in Haidhausen. Rechtlich dürfte Tempo 30 allerdings kaum umsetzbar sein. Die Pläne für den Umbau der Rosenheimer Straße basieren auf dem Mehrheitsbeschluss von SPD und CSU vom Juli 2015.

Anne Hund

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