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Der Münchner S-Bahn fehlen derzeit mindestens 60 Lokführer.

Gewerkschaft schlägt Alarm

S-Bahn fehlen 60 Lokführer: GDL fordert München-Zulage

München - Bei der S-Bahn in München herrscht bei den Lokführern Personalmangel. Die Gewerkschaft GDL fordert nun, die Stellen auch finanziell attraktiver zu machen.

War bisher der Grundsatz „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ oberstes Gebot, so fordert die Gewerkschaft nun offensiv eine „ortsbezogene Zulage für die Lokomotivführer bei der S-Bahn München“. Das sei nötig, „damit den Münchner Fahrgästen in Zukunft ein stabiler und sicherer S-Bahnverkehr angeboten werden kann“, sagt Uwe Böhm, Bezirksvorsitzender der GDL in Bayern.

Die S-Bahn weise im Internet einen Personalstand von 538 Lokführern aus, so Böhm. „Nach unseren Infornmationen fehlen aber schon jetzt 60 Lokführer, und jedes Jahr scheiden aus Altersgründen 40 aus, die immer schwerer zu ersetzen sind“. Die Zahl der Ausbildungsplätze sei gesunken, und alle bisherigen Versuche der S-Bahn, den Lokführern mehr Geld zu zahlen, hätten „den seit Jahren bestehenden Personalmangel nicht beseitigt“. Im Gegenteil: Dass Lokführer aus anderen Betrieben „mit einer einmaligen Zahlung von mehreren tausend Euro und weiteren monatlichen Sonderzahlungen“ für befristete Anstellungen gewonnen würden, lasse den Frust in der Stammbelegschaft weiter steigen. Dort würden schon so viele Überstunden und Sonderdienste an eigentlich freien Tagen geleistet, dass manche Mitarbeiter ihre Jahresleistung bereits Ende September erfüllt hätten.

Gewerkschaft: Belastung für S-Bahn-Führer in München am Anschlag

Dass insbesondere die S-Bahn unter Personalmangel leide, sei kein Zufall, sagt Böhm. Die Lokführer verdienten das gleiche wie ihre Kollegen in anderen Nahverkehrsnetzen oder im Fernverkehr. Sie hätten jedoch wegen der dichten Taktung im S-Bahnnetz und den sich daraus ergebenden „durchrationalisierten“ Schichten härtere Arbeitsbedingungen. Zudem seien sie an die Region mit ihren enormen Wohnungs- und Lebenshaltungskosten gebunden. „Wenn die Lokomotivführer merken, dass sie nur noch für die Miete schuften, suchen sie sich Arbeit in anderen Städten“, so Böhm. Lohngleichheit bringe nichts, wenn der Lebensstandard immer weiter auseinander drifte.

Am Modell des fiktiven Lokomotivführers Josef K. erläutert Böhm, was er damit meint: Der verheiratete Vater zweier Kinder verdient 2616 Euro brutto, dazu kommen im Schnitt 300 Euro Schicht- und sonstige Zuschläge. Für die 85-Quadratmeter-Wohnung im Münchner Osten zahlt er 1400 Euro warm, Kita und Nachmittagsbetreuung kosten monatlich 550 Euro. Wegen des unregelmäßigen Schichtdienstes muss die Ehefrau die Kinder abholen. Deshalb kann sie nur in Teilzeit arbeiten. Die Familie hat ein zehn Jahre altes Auto, das Josef K. braucht, um zur Arbeit zu kommen, wenn noch keine öffentlichen Verkehrsmittel fahren. Ins Umland zu ziehen ist für K. keine Option: „Wenn etwa eine Schicht um 18 Uhr endet, kann die nächste schon wieder um 4 Uhr beginnen. Da ist keine Zeit für lange Wege in die Arbeit“, erläutert Böhm. Leichter hätte es K. nur, würde er die Firma wechseln, oder in eine andere Stadt.

GDL fordert "paar Hundert Euro" München-Zulage

„Ein paar hundert Euro“, so Böhms Fazit, müsse die S-Bahn auf das reguläre Tabellenentgelt der Lokführer drauflegen, um wieder Chancengleichheit herzustellen. Genauer will er mit Hinweis auf die laufenden Verhandlungen nicht werden.

Auch S-Bahnchef Bernhard Weisser hält sich wegen der Tarifverhandlungen bedeckt. Man arbeite „mit Hochdruck daran, Mitarbeiter und Auszubildende als Lokführer für die S-Bahn zu gewinnen und zu halten“ und führe mit den Arbeitnehmervertretern „intensive Gespräche“, versichert er. Bohnuszahlungen, soviel immerhin kündigt er an, sollten „perspektivisch“ nicht nur Leih-Kräften, sondern auch den bei der S-Bahn angestellten Lokführern zukommen.

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