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„Zigarettenverkauf wird schwieriger“ , beobachtet Bernhard Hammerle, Ladenbesitzer an der Bayerstraße.

Lieber leidende Männer

Schockfotos auf Zigaretten: Effekt ist spürbar

München - Seit der Einführung der sogenannten Schockfotos auf Zigarettenschachteln sind bundesweit die Tabakumsätze zurückgegangen. Auch Münchner Tabakhändler merken, dass ihre Kundschaft zumindest wählerischer geworden ist.

Die junge Frau, die Blut in ein Taschentuch hustet? Das Baby mit der Zigarette im Schnuller? Oder doch lieber das Foto vom verfaulenden Gebiss? Seit einigen Monaten haben Raucher in Deutschland die wortwörtliche Qual der Wahl. Seit Mai sind die im Volksmund Schockfotos genannten Warnhinweise auf Zigarettenpackungen europaweit Pflicht und scheinen bereits Wirkung zu zeigen: Im Vergleich zum Vorjahr wurden von Juli bis September deutschlandweit rund 11 Prozent weniger Zigaretten versteuert, meldet das Statistische Bundesamt.

Auch Münchner Tabakhändler merken, dass ihre Kundschaft sich anders verhält als vor der Einführung der abschreckenden Fotos. „Seit die Bilder drauf sind, ist der Zigarettenverkauf schwieriger geworden“, sagt zum Beispiel Bernhard Hammerle, Inhaber des Lotto Cafés an der Bayerstraße, und meint damit gleich zwei Phänomene. Zum einen sei der Umsatz von Tabakprodukten spürbar zurück gegangen, zum anderen seien die Leute wählerischer bei der Auswahl ihrer Schachteln. „Früher war die Packungsgröße wichtig, heute sind es die Bilder“, sagt Hammerle und zeigt auf eine Schachtel mit einem offensichtlich toten Mann. „Rauchen verursacht Herzanfälle“, steht darunter. „So etwas finden die Kunden in der Regel in Ordnung“, erklärt Hammerle, „wenn man nicht genau hinschaut, könnte der auch schlafen“. Weniger in Ordnung fänden die Kunden dagegen die blutigen Motive: Raucherlungen und Krebsgeschwüre blieben häufiger im Regal liegen. „Bilder wie aus der Körperwelten-Ausstellung finde ich auch nicht ästhetisch ansprechend“, meint Hammerle.

„Je ekliger, desto unbeliebter“ stellt auch Malies Hlady, Verkäuferin bei TH Kleen Tabak im Hauptbahnhof, fest. Hier beobachtet man zwar keinen Rückgang im Umsatz, „aber einige Kunden versuchen, auf Schachteln ohne Bilder auszuweichen“, erzählt sie. Als besonders hartnäckigen Ladenhüter nennen beide Verkäufer das Motiv zu „Rauchen verstopft Ihre Arterien“. Einen abgestorbenen, schwarzen Zeh wollen wohl nur die wenigsten Raucher bei jeder Zigarette vor Augen haben.

Warum das so ist, weiß man beim Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ). „Das Entscheidende an den Bildern ist, dass sie starke Emotionen auslösen“, erklärt Dr. Katrin Schaller, wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Stabsstelle Krebsprävention. Blut und offene Wunden wirken eben stärker, das weiß man auch hier.

Generell hält man die neuen Warnhinweise bei der DKFZ für eine gute Sache. „Dass sie wirken, haben zahlreiche Studien belegt“, sagt Schaller. Junge Menschen würden durch die Bilder davon abgehalten, mit dem Rauchen anzufangen, und bei ehemaligen Nikotinsüchtigen würde das Rückfallrisiko deutlich gesenkt. Hartnäckige Raucher würden durch die Bilder zwar nicht sofort zum Aufhören gebracht, jedoch könnten die Bilder zumindest dafür sorgen, das eigene Verhalten zu überdenken, so Schaller.

Jedoch, das wissen auch die Wissenschaftler, hält die Wirkung der Bilder nicht unbegrenzt an. „Nach einiger Zeit tritt ein gewisser Gewöhnungseffekt ein“, gibt Schaller zu. Diesen Effekt beobachtet auch Tabakverkäuferin Hlady: „Den meisten Deutschen ist es egal, die rauchen trotzdem – aber Ausländer stören sich schon oft an den Bildern.“ Auch der EU scheint die Sache mit der Abstumpfung bekannt zu sein: Ihre Tabakrichtlinie, die die Bilder einführte, sieht vor, die Fotos in regelmäßigen Abständen auszutauschen.

Findige Raucher greifen inzwischen aber ohnehin häufig zu Etuis für ihre Packungen. Und auch in den Läden versucht man, dem Kunden den Anblick, zumindest im Regal, zu ersparen. In vielen Kiosken verdecken inzwischen übergroße Preisschilder die Ekelfotos.

Eine andere kuriose Methode, um den emotionalen Stress durch die Schockbilder gering zu halten, hat unterdessen Kioskbetreiber Hammerles weibliche Kundschaft entwickelt: „Frauen nehmen lieber die Packungen mit den leidenden Männern“, stellt der Kioskbesitzer lachend fest.

Annika Schall

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