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Mittlerweile eine Münchner Tradition: Die Himmelswerkstatt.

Vergessene und neue Traditionen

Halleluja! Die schönsten Advents-Bräuche

München - Mit der Adventszeit beginnt auch die Zeit der Weihnachtsbräuche. Diese Traditionen unterliegen einem stetigen Wandel - wir haben und mit einem Experten auf Brauch-Spurensuche begeben. 

Die staade Zeit beginnt - und damit auch die Zeit der Advents- und Weihnachtsbräuche. Einige sind heute vergessen, weiß Michael Ritter (55, Foto r.) vom Bayerischen Landesverein für Heimatpflege.

Andere wiederum haben sich verändert - oder sind neu entstanden. Es sei normal, dass sich Bräuche entwickelten, so Ritter. „Sonst hätten wir heute keinen Christbaum und keine Familienkrippen.“ Die tz ist auf Brauch-Spurensuche gegangen. 

Aktuelle und neu entstandene Bräuche

Adventskalender sind heute aus der Vorweihnachtszeit nicht mehr wegzudenken. Und das, obwohl der Brauch erst etwas mehr als 100 Jahre alt ist. 1902 veröffentlichte eine Hamburger Buchhandlung den ersten gedruckten Kalender in Form einer Weihnachtsuhr, ein Jahr später ein Münchner Verleger einen Kalender mit 24 Bildern zum Ausschneiden und Aufkleben. Trend heute: Öffentliche Adventskalender, sagt Experte Michael Ritter. Ein Beispiel ist der Kalender am Mercedes-Center an der Donnersbergerbrücke.

Aus dem schwäbischen Raum zu uns schwappt das „Christbaumloben“, so Ritter. Hier besichtigen Nachbarn die Christbäume ihrer Freunde - und holen sich für das Lob einen Schnaps ab. 

Eine weitere Entwicklung: Der Weihnachtsmann und der Nikolaus gehen immer weiter ineinander über. Der Weihnachtsmann sei die säkularisierte Form der Nikolauses, so Ritter. Und ein Indiz dafür, dass Weihnachten immer mehr seinen religiösen Hintergrund verliere. 

Ein alter Brauch, der eine Renaissance erlebt, ist das „Frauentragen“. Eine Marienfigur bleibt jeweils für einen Tag in einem Haus, dann wird sie weitergegeben. Die Ansprache der Gottesmutter - eine Vorbereitung auf das Weihnachtsfest

Kennen Sie das noch?

Kinder ziehen im Advent von Haus zu Haus - und bitten um Gaben. Dieser „Klopferbrauch“ war im 19. Jahrhundert verbreitet. „Die Reichen hatten ein gutes Gewissen und die Armen bekamen Essen“, so Michael Ritter.

Eine zeitgemäße Abwandlung ist das Sternsingen: Ministranten sammeln für Bedürftige.

Einst weit verbreitet, sind auch die „Barbarazweige“ immer unbekannter. Am 4. Dezember werden Zweige von Obstbäumen in einer Vase aufgestellt - mit der Hoffnung, dass sie bis zum Heiligen Abend blühen. Das soll Glück bringen.

Mit Aberglauben verbunden ist der Brauch der „Rau- oder Rauchnächte“, der heute nur noch selten gelebt wird. Die Angst: Zum Jahreswechsel könne die christliche Ordnung außer Kraft gesetzt werden. Also wurden die Wohnräume und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert. Die Nacht zum 21. Dezember wurde als „Lostag“ gesehen. Ledige Mädchen warfen einen Pantoffel zur Wohnungstür: In der Hoffnung, die Schuhspitze zeige in die Stube. Das würde einen nahenden Hochzeiter bedeuten.

Bis vor 100 Jahren war die Adventszeit noch eine kirchlich vorgeschriebene Fastenzeit. Sie ging vom 11. November bis zum Dreikönigstag. Seit 1917 wird das vorweihnachtliche Fasten von der Kirche nicht mehr verlangt.

Tradition im Münchner Rathaus

Zu einem eigenen kleinen Brauch hat sich die Himmelswerkstatt im Münchner Rathaus entwickelt. Seit 1994 gibt es das kostenlose Programm, gestern kam zweiter Bürgermeister Josef Schmid (47, CSU) zur Eröffnung. In der Ratstrinkstube singen die Kinder zwischen sechs und zwölf Jahren Adventslieder, basteln Weihnachtsgeschenke - und können sich auch als Engerl verkleiden.

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