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Gemeinsam für das Schwabinger Flair: Willy Michl und Konstantin Wecker spielten bei der Kundgebung.

Protest: Für Schwabing und für die Sieben

München - Es ist ein später Protest, wahrscheinlich ist es zu spät. Trotzdem kamen an die 600 Menschen zu einer Kundgebung für den Erhalt der Nachkriegsbaracken an der Feilitzschstraße. Den Demonstranten geht es um mehr als den Erhalt von „Schwabinger 7“, Monopol-Kino und Mamas Döner.

Es ist ein bunter Haufen, der sich am Dienstagabend an der Münchner Freiheit einfindet. Rentner, Mütter mit Kindern, Studenten. Was sie eint, ist die Sorge um den Abriss der Nachkriegsbaracken an der Feilitzschstraße - und deren mögliche Folgen.

„Ich selbst bin ja nicht so der typische Schwabinger 7-Gänger“, sagt Pia Elgas. Sie hat ihre Kinder mitgebracht. Seit acht Jahren wohnt sie in Alt-Schwabing. Schwabinger 7, Monopol-Kino und Mamas Kebap Haus sind für Pia Elgas „eine Art Freiheitsstatue der Schwabinger Künstlerszene“. Viele Nachbarn hat sie schon unter den Protestierenden ausgemacht. Sie sagt: „Es geht ums Prinzip. Die Schwabinger wollen, dass das hier belebt bleibt!“

Das wünscht sich auch Jörg Rehs. Der junge Mann mit der Lederjacke ist extra für die Demonstration aus Haidhausen gekommen. Wie die meisten anderen hier hat er kein Plakat mitgebracht - nur eine einzelne Frau wedelt mit einer gebastelten „7“ in der Luft herum. Jörg Rehs hält stattdessen ein Bier in der Hand - wie er es regelmäßig in der „Schwabinger 7“ tut. „Eigentlich wüsste ich nicht, wie sie noch gerettet werden soll“, sagt er. Schon in wenigen Wochen sollen die Häuser abgerissen werden und ein Luxushaus mit 30 Wohnungen und 500 Quadratmeter Ladenfläche entstehen. „Ich fände es toll, wenn die Stadt kauft“, sagt Jörg Rehs.

Überhaupt: die Hoffnung auf die Stadt. Sie treibt viele hier um, die sich vor den Folgen von Luxussanierungen fürchten. „Die Leute, die das Flair ausmachen, können sich die Stadt irgendwann nicht mehr leisten“, ruft der Kabarettist Frank-Markus Barwasser alias Erwin Pelzig von der Bühne. Er hat sich wie andere prominente Künstler dem Protest angeschlossen. Sein Kollege Michael Mittermeier witzelt: „Die können das einfach nicht abreißen. Das sind so viele Gehirnzellen, die wir da liegen lassen haben. Dieses Potential! Das ist wie ein Computer!“

Die Schwabinger 7 als ein Symbol für ein anderes München, eine Stadt, in der nicht alles repräsentativ und teuer ist. „Das Motto ist: München muss nicht immer leuchten“, so drückt es ein Redner aus.

So denken offenbar viele. Weitere Aktionen sind geplant. Für Freitag kommender Woche ruft die Bürgerinitiative „Rettet die Münchner Freiheit“ zu einer Demonstration auf.

Hinter der Bühne wird Barwasser, der Kabarettist, ernst. Anfang der 80er Jahre sei er das erste Mal in der „Schwabinger 7“ gewesen. „In meiner Erinnerung ist sie ziemlich unverändert, das ist ja die Faszination, die von diesem Ort ausgeht. Draußen verändert sich alles, drinnen nicht.“ Wie es jetzt weitergeht? „Ich bin nicht mehr so optimistisch“, sagt er, „das ist wie überall, wo jemand mit Geld wedelt.“

Dass es nicht nur um die liebevoll „Schwasi“ genannte Kneipe geht, das betont auch Michael Mittermeier. „Eine zeitlang ging in Schwabing gar nichts, jetzt sind wieder viele Kunstlokale gekommen. Es wäre schade, wenn jetzt die Institution Schwabinger 7 schließen muss.“ So sind die Gespräche am Dienstagabend. Es geht um Platz für Kultur, um bezahlbare Mieten und um die Angst davor, dass die Innenstadt-Viertel herzlos schön werden könnten. Am Ende landen aber doch alle bei der legendären Schwabinger Kneipeninstitution. Wie Werner Schossau. Der ältere Herr kennt die „Schwasi“ wie seine Westentasche. „Ich bin als Student 1968 das erste Mal rein - und seitdem Stammgast.“ Was für ihn das Flair ausmacht? „Das ist die einzige Kneipe mit normalen Preisen und netten Leuten, die nachts auf hat.“

Willy Michl, Konstantin Wecker, Michael Mittermeier, Frank Markus Barwasser: Es sind große Namen, die Kleinkunst-Veranstalter Till Hofmann innerhalb weniger Tage auf die Bühne gebracht hat. Ein bisschen ist es wohl so, wie Schwabing einst gewesen ist. Gleich zu Beginn tanzt ein Paar auf der Straße, die Menschen stehen herum, lauschen den Künstlern, diskutieren, klatschen, pfeifen.

Till Hofmann selbst steht den ganzen Abend hinter der Bühne, schaut auf das bunte Treiben und schmunzelt einfach nur zufrieden. „Schwabing lebt“, scheint er zu denken - immer noch.

Felix Müller

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