Serie über den Alt-OB - Teil 3

Georg Kronawitter: Ein Bauernbua als Comeback-Bürgermeister

Georg Kronawitter (1928-2016) hat als Münchens Oberbürgermeister der Stadt seinen Stempel aufgedrückt. In einer vierteiligen Serie erinnern wir an Laufbahn und Errungenschaften des „Roten Schorsch“.

Alt-OB Georg Kronawitter - Sein Leben und Wirken in Bildern

Ein Bauernsohn zu sein, das trägt man in München eher nicht vor sich her. Für den „OB der kleinen Leute“ aber stand seine Herkunft vom Lande für Anstand – und für die Fähigkeit, nicht schnell nachzugeben. 1978 war Georg Kronawitter – aufgerieben vom Widerstand innerhalb seiner SPD – nicht mehr als Oberbürgermeister angetreten. Mit 8000 Mark Pension im Rücken war er damit „jahrelang einer der teuersten Spaziergänger Münchens“, wie unsere Zeitung feststellte. Dabei hatte Kronawitter, der Bauernsohn, nie vorgehabt, sich zur Ruhe zu setzen. Sondern, zurückzukommen. „Da ist wohl das bäuerliche Element in mir durchgekommen“, schrieb er später. „Einen anständigen Bauern vertreibt man nicht so ohne Weiteres von Haus und Hof.“

Und einen Kronawitter nicht so einfach aus dem OB-Büro. So begann der 50-Jährige 1978 wenige Tage nach der krachenden Wahlniederlage seiner Partei – CSU-Mann Erich Kiesl war neuer OB geworden – damit, an seiner Rückkehr zu arbeiten. Und das trotz eisigen Gegenwinds von der SPD-Linken, die ihm das Leben schon in seiner ersten Amtszeit sehr schwer gemacht hatte. In Kronawitters lesenswerten, 2014 im Volk Verlag erschienenen Memoiren kann man einen Eindruck davon gewinnen, wie respektos der Umgang mit ihm in den wilden 70er-Jahren oft war. In seinem Ortsverein wollte Kronawitter über Ursachen und Folgen der Wahlschlappe 1978 diskutieren. „Schluss jetzt!“, wurde ihm entgegen geschleudert. „Du hast uns lange genug provoziert! Du hast uns nichts mehr zu sagen!“ Kronawitter wurde offiziell das Wort entzogen. Doch Kronawitter hatte ein Interesse daran, die Debatte wieder zu erhitzen. In den Jahren darauf brachte er immer mehr Ortsvereine wieder hinter sich. Im März 1982 kündigte er an, 1984 noch einmal kandidieren zu wollen. Im April 1983 stellte seine Partei ihn wieder auf: eine „Entscheidung mit dem Hirn, nicht mit dem Herz“, wie der Merkur-Reporter damals notierte.

Die Herzen, sie erreichte der nimmermüde Arbeiter Kronawitter außerhalb der SPD: bei den kleinen Leuten. Seine Frau Hildegard stellte 1984 fest, das Familienleben spiele sich morgens um sieben am Frühstückstisch ab – und „mal an einem Sonntag vielleicht“. Kronawitter schimpfte auf zu viel Nachverdichtung, verteilte im Wahlkampf morgens um halb sieben Flugblätter an U-Bahn-Eingängen, plakatierte den Spruch „400 000 Mieter sind mir wichtiger als eine Handvoll Baulöwen und Spekulanten“. Das zielte voll auf die CSU. Das „Baulandgeschenk“ an Josef Schörghuber, das er Kiesl unterstellte, bahnte Kronawitter den Weg zurück an die Macht.

Es mag im Rückblick überraschen, dass Kronawitter nicht schon 1984 ein Bündnis mit den Grünen einging. Schließlich hatte er im Wahlkampf für Grünflächen gekämpft, war als „Grünapostel“ beschimpft worden (was er als Ehrentitel verstand, wie Kronawitter erklärte). Noch aber war die Zeit nicht reif. Die junge Öko-Partei erschien Kronawitter nicht regierungsreif. Stattdessen ging er ein Bündnis mit der CSU ein. 1987 sollte aber mit den Grünen der junge SPD-Mann Christian Ude gegen CSU-Mann Hans-Peter Uhl zum KVR-Chef gewählt werden. In geheimer Abstimmung gewann Uhl. Der heutige CSU-Fraktionschef Hans Podiuk, damals Vize, kann sich immer noch vorstellen, dass auch Kronawitter selbst Ude nicht wählte – schließlich hatte der in den 70er-Jahren zum linken Parteiflügel gehört, der Kronawitter vor große Probleme stellte.

Drei Jahre später auf jeden Fall war Ude Kronawitters Mann. Er machte ihn nach dem großen Wahlerfolg 1990 (61,1 Prozent für Kronawitter!) zum zweiten Bürgermeister, schmiedete mit ihm das rot-grüne Bündnis, das Jahrzehnte Bestand haben sollte. Im Juni 1993 verkündete Kronawitter, in wenigen Tagen aus gesundheitlichen Gründen zurückzutreten. Und überrumpelte mit Ude die CSU, die ohne Kandidaten dastand. Sein Zweiter Bürgermeister hatte monatelang Zeit, sich im Amt warmzulaufen– und gewann gleich im ersten Wahlgang gegen Peter Gauweiler.

Der Ärger in der CSU ist längst verraucht. „Er gegen das Kapital“, sagt Hans Podiuk, das sei Kronawitters großes Thema gewesen. „Er war Robin Hood.“ Die gesundheitlichen Gründe freilich hält Podiuk bis heute für vorgeschoben. „Das war ein politisches Manöver. Für acht Jahre Landtag hat‘s später schließlich auch noch gereicht.“

Nach der gewonnenen Wahl 1993 hatte der bodenständige Kronawitter dem Nachfolger Ude gleich auf die Euphorie-Bremse getreten. „Ude ist seriös und kompetent“, sagte er am Wahlabend. „Die große Bewährungsprobe aber wird kommen, wenn er im Amt ist.“ Ude bestand sie zu Kronawitters Zufriedenheit. Noch vor wenigen Wochen, hat Ude erzählt, schrieben die beiden Alt-OBs sich Briefe.

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