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Kronawitter war nach dem Krieg einige Jahre Lehrer. Der Start in die Politik gelang in den 1960er Jahren als Agrarspezialist.

Serie über den Alt-OB - Teil 1

Georg Kronawitter: SPD-Mitglied wollte er nicht werden

Georg Kronawitter (1928-2016) hat als Münchens Oberbürgermeister der Stadt seinen Stempel aufgedrückt. In einer vierteiligen Serie erinnern wir an Laufbahn und Errungenschaften des „Roten Schorsch“.

Es hätte nicht viel gefehlt, und Georg Kronawitter wäre Landwirt geworden. Wie sein Vater. Oder Lehrer – wie er es eine Zeitlang auch praktizierte. Und beinahe wäre Georg Kronawitter schon als Bub auf die Laufbahn eines katholischen Pfarrers, eines Missionspfarrers sogar, festgelegt worden. Und doch ist es anders gekommen. Von seiner agrarischen Prägung blieb nur so viel übrig, dass er den Einstieg in die Politik als Spezialist für Agrarfragen wählte. Und Lehrer, – ja das war der spätere OB vielleicht für viele zeitlebens. Kein Oberlehrer, sondern eher jemand, der einem Orientierung und Richtung gab. Zu dem man auch mal aufschauen konnte und bei dem man sich Rat holte.

Georg Kronawitter stammte selbst aus einem agrarischen Umfeld. Er, der später die Geschicke einer Millionenstadt prägte, kam aus einem kleinen Dorf: In Oberthann bei Pfaffenhofen betrieben seine Eltern eine kleine Landwirtschaft mit zehn Hektar. Ambitionen, selbst Landwirt zu werden, hatte der junge Kronawitter nie, wie er einmal unserer Zeitung erzählte. Die Eltern waren katholisch geprägt, und beinahe wäre der Georg Missionspfarrer geworden. Ein Missionar aus Afrika hatte 1938 den Schulkindern begeistert davon erzählt – und Georg lauschte ergriffen. Die Mutter, selbst stark katholisch geprägt, war einverstanden. Nur der Vater stellte sich stur. „Er brauchte mich als Ältesten auf dem Hof bei der Arbeit und war auch dagegen, einen damals Zehnjährigen auf den Missionsberuf festzulegen.“

Die katholische Prägung verhinderte freilich, dass Georg Kronawitter sich mit den Nazis einließ. Mit 16 kam er in die Lehrerausbildung nach Kloster Zangberg bei Mühldorf, keine Nazi-Schule, aber wie alle damaligen Schulen auch nicht immun gegen nationalsozialistische Indoktrination. Am Sonntag musste er in den Gottesdienst, nicht zur so genannten Studierstunde der Junglehrer. „Betschwester“, so verlachten ihn die Mitschüler. Eine Unterschrift, die ihn als Anwärter für die Mitgliedschaft in der NSDAP machte, verweigerten die Eltern. Das brachte erneut Schwierigkeiten. Wahrscheinlich kann man diese Erfahrungen, sich in der Nazi-Diktatur bockbeinig zu stellen und nicht mit der Masse zu schwimmen, für die Entwicklung des späteren Politikers Kronawitter gar nicht hoch genug einschätzen. Er erfuhr früh, was es bedeuten konnte, sich querzustellen und schätzte diese Haltung um so höher ein. „Mut und Zivilcourage“, das war ein Leitmotiv. „Ich habe mich nie billig durchgeschmuggelt und wollte mich nicht verbiegen lassen“, schrieb er später in seinem Erinnerungsbuch „Was ich denke“.

Ein einschneidendes Erlebnis hatte er kurz vor Ende der Naziherrschaft im April 1945. Damals sah er im Lager des Reichsarbeitsdienstes am Barmsee bei Mittenwald, wie geflüchtete Kameraden erwischt und ermordet wurden. „Von wem sie wegen so genannter Fahnenflucht aufgeknüpft worden waren, kann ich nicht sagen“, erzählt er im Jahr 2005 unserer Zeitung. „Aber wir haben sie baumeln sehen, das war ein beklemmendes Gefühl.“ Zweifellos war es für ihn eine Befreiung, dass wenig später die Amerikaner kamen, auch wenn der Begriff damals nicht üblich war. „Das Frohsein, dass Schluss ist und ich nach Hause gehen kann, das war wohl die vorherrschende Einstellung.“

Die Kriegsgefangenschaft blieb Kronawitter nur durch glückliche Umstände erspart. Er kam in ein Lager am Wallberg bei Rottach-Egern, schlupfte aber nach nur einem Tag in amerikanischer Kriegsgefangenschaft unter dem Zaun durch und haute ab. Ermutigt dazu hatte ihn wohl sein Vater, der selber nach dem Ersten Weltkrieg in französische Kriegsgefangenschaft geraten war, erst 1920 frei kam und dem Buben gepredigt hatte: „Merke Dir: Wenn du in Gefangenschaft kommst, dann ist der erste Augenblick zur Flucht der beste.“ Gesagt, getan: Nach vier Tagen kam er in Oberthann an.

An seinem Berufsziel, Lehrer zu werden, hielt Georg Kronawitter nach dem Kriegsende fest. Der Weg in die Politik war also nicht vorgezeichnet. Er wurde zunächst Junglehrer einer Münchner Volksschulklasse mit 63 (!) Schülern, 1952 dann Diplom-Handelslehrer. Parallel dazu studierte er Soziologie, wobei ihn moderne Werbestrategien in den USA besonders interessierten. In den 1950er Jahren war Kronawitter politisch noch nicht aktiv. „Ich wählte zwar treu und brav SPD, war vehement gegen Adenauers Politik, aber Mitglied der SPD wollte ich nicht werden.“ Ein Jugendfreund, Richard Neumann aus Planegg (später dort Bürgermeister) überzeugte ihn dann doch; andere brachten ihn in Verbindung mit dem damaligen SPD-Landesvorsitzenden Waldemar von Knoeringen, der Kronawitter 1962 das Agrarreferat der SPD anbot. Kronawitter legte sich ins Zeug, arbeitete eine Werbestrategie heraus, um die bayerische Kleinbauern für die SPD zu gewinnen. Er wurde Agrarfachmann seiner Partei, gab sogar eine „SPD-Bauernzeitung“ heraus. Der „Spiegel“ schrieb 1965 über ihn, er habe „jedes Datum, jede Tonnenmenge, jede Brüsseler Abmachung und Subventionsziffer im Kopf“. Parallel dazu wurde er Wahlkampfleiter für einen SPD-Landtagsabgeordneten. 1965 kandidierte er zunächst erfolglos als Bundestagskandidat für München-Land, Erding und Freising. Erst 1966 klappte es: Er zog für den Stimmkreis Landsberg/Schongau in den Landtag ein. Die Ära des Berufspolitikers Kronawitter begann.

Alt-OB Georg Kronawitter - Sein Leben und Wirken in Bildern

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