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Attraktion: Die Skulptur „The Wings“ von Daniel Libeskind vor der neuen Siemens-Zentrale.

Ein Vorab-Besuch in der Zentrale

Hier schlägt das neue Siemens-Herz

München - Noch sind auf allen Etagen Handwerker bei der Arbeit, doch schon ab kommendem Montag sollen die ersten Mitarbeiter ihre Büros beziehen. Die neue Siemens-Konzernzentrale ist fast fertig – wir konnten das außergewöhnliche Gebäude am Wittelsbacher Platz vorab besuchen.

In einem der oberen Stockwerke jault ein Staubsauger, weiter unter bauen Arbeiter in Blaumännern ein Gerüst ab, im Erdgeschoss werden die Sicherheitsschleusen für die Mitarbeiter noch fertig montiert. Denn ab kommender Woche sollen die ersten von ihnen hier arbeiten. Sechs Jahre des Planens und Bauens sind dann vorbei – das neue Siemens-Herz hat angefangen zu schlagen.

Wenn die während des Um- und Neubaus auf mehrere Stadtteile verteilten Mitarbeiter der Siemens-Konzernzentrale nun an ihren alten Standort in der Maxvorstadt zurückkehren, hat sich – abgesehen von der denkmalgeschützten Fassade des Stadtpalais am Wittelsbacher Platz – praktisch alles verändert. Wesentlich verantwortlich dafür zeichnet Thomas Braun, Projektleiter für die neue Zentrale. Am Dienstagvormittag steht er in der neuen, lichtdurchfluteten Eingangshalle und referiert über eines der „nachhaltigsten Bürogebäude, das jemals in Europa gebaut wurde“. So sind alle Fassaden zu den Innenhöfen von unten nach oben leicht geneigt. „So kommt viel mehr Tageslicht hinein“, erklärt Braun. „Der Stromverbrauch sinkt dadurch erheblich.“ Etwa ein Drittel von diesem werde künftig von der eigenen Photovoltaik-Anlagen auf der Zentrale erzeugt. Anderes Beispiel: Das Regenwasser wird auf dem Dach aufgefangen und unter anderem für die Toilettenspülung und die Bewässerung der Außenanlagen verwendet. Braun zufolge wird die neue Konzernzentrale im Vergleich zur alten 90 Prozent weniger Strom und rund 75 Prozent weniger Wasser verbrauchen.

Einen „niedrigen dreistelligen Millionen-Betrag“ hat sich Siemens laut Braun seine neue Zentrale kosten lassen. Vor dieser steht seit geraumer Zeit auch eine Skulptur „The Wings“ des Künstlers Daniel Libeskind. Diese werde mit hunderten kleinen LED-Lichtern künftig besonders auch nachts eine Attraktion sein. In den kommenden Tagen sollen erste Test mit der Licht-Skulptur beginnen.

Apropos Kunst: Dank der frei zugänglichen Innenhöfe ist mit dem Neubau eine Verbindung zwischen der Innenstadt und dem Kunstareal in der Maxvorstadt geschaffen worden. Rund 90 Prozent der Erdgeschossflächen nebst Restaurant werden öffentlich zugänglich sein. Vorher war die Siemens-Zentrale abgeriegelt. Sicherheitsprobleme, so meint Projektleiter Braun, bestünden wegen der offenen Passage nicht. Die eigentlichen Büros seien freilich nur durch eine Sicherheitsschleuse zu erreichen. Angriffe auf Unternehmen seien heutzutage ohnehin eher cybertechnischer Natur. Dagegen sei die von dem dänischen Architektenbüro Henning Larsen geplante Zentrale bestens geschützt. So gebe es unter anderem völlig abhörgeschützte Räume – weitere Details dazu hält Siemens geheim.

In dem Neubau wurde viel dafür getan, dass sich die rund 1200 Mitarbeiter, die hier künftig tätig sein werden, wohlfühlen können. Statt Einzelbüros gibt es „offene Arbeitswelten, in denen Teams zusammensitzen, was die Kommunikation zwischen den Kollegen fördern soll. „Wir wollen weg vom ,ich und mein Arbeitsplatz‘ und Gemeinschaft betonen“, erklärt Braun. Leer sollen die Schreibtische sein, wenn niemand dort sitzt: Ein Foto von der Ehefrau ist tabu, auch Pflanzen sind in dem Gebäude nicht vorgesehen. Auf manchen mag dies womöglich auch steril wirken.

Am 24. Juni wird die neue Konzernzentrale offiziell eröffnen. Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU) wird erwartet, auch Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) und Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wollen mit der Siemens-Familie feiern. Ab 13 Uhr sind zudem Anwohner und interessierte Bürgern auf dem Wittelsbacher Platz zu einem Sommerfest mit geführten Touren durch den Neubau eingeladen.

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