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Bernd Fabritius

Bundestagswahl 2017

Wer auf Singhammer folgen könnte

München - Am Tag nach der Ankündigung Johannes Singhammers, 2017 nicht mehr für den Bundestag zu kandidieren, ist die Münchner CSU noch geschockt. Doch es gibt schon einen Zeitplan für die Nachfolger-Suche - und ein Kandidat wirft schon seinen Hut in den Ring.

Der Mann, dessen Rücktritt Tagesgespräch ist, beißt zufrieden in einen Hühnchenspieß. Johannes Singhammer greift nochmal zur Erdnusssauce, tunkt, genießt. Um ihn herum wuseln die Gäste eines Wirtschaftsempfangs. Er wuselt nicht mit. Sein Handy summt im Minutentakt. Er geht nicht ran. „Sie sehen mich gelassen“, sagt Singhammer. Später Dienstagabend, eine Stunde nach seiner überraschenden Rückzugsankündigung: Singhammer wirkt wie einer, der mit sich restlos im Reinen ist. In der Politik ist es ja ein Kunststück, so rechtzeitig zu gehen, dass es noch bedauert wird. In der CSU, die sonst beim Heimgehen auch gern hilft, ganz besonders. Die ersten Reaktionen seiner Parteifreunde legen nahe, dass die Überraschung gelungen ist. „Sag a mal“, schnauft ihn Vize-Ministerpräsidentin Ilse Aigner im Vorübergehen an, „du bist doch noch im jugendlichen Alter?“

Auch am Tag nach dem Paukenschlag wirken viele Christsoziale noch etwas ratlos. Doch immerhin: Der Zeitplan für die Nachfolger-Suche steht bereits – und ein möglicher Kandidat für den Bundestagswahlkreis im Norden bestätigt schon sein Interesse. Der Rückzug Singhammers habe die Partei „völlig kalt erwischt“, betont CSU-Bezirkschef Ludwig Spaenle am Mittwoch. Es gebe eine „große Betroffenheit“. Aber, betont Spaenle: „Alle akzeptieren und respektieren diese Entscheidung.“ In der CSU wird sofort hektisch an einem Zeitplan gearbeitet. Schon am Mittwoch steht er: Mitte, spätestens Ende Oktober soll auf einer Aufstellungsversammlung der Bundestagskandidat nominiert werden. Interessierte sollen sich bis zum 1. August bei Spaenle melden.

Und Namen kursieren bereits. Vetriebenen-Präsident Bernd Fabritius ist so einer. Er sitzt im Bundestag, will dort auch bleiben, hat aber keinen eigenen Wahlkreis. Ob er gerne im Norden antreten würde? „Nach aktuellem Stand habe ich Interesse“, sagte er gestern auf Nachfrage unserer Zeitung. Er habe sein Büro im Wahlkreis, betont Fabritius, sei dort sehr gut vernetzt. Die Landtagsabgeordnete Mechthilde Wittmann sagte, ob sie antrete sei keine Frage, die man „über Nacht entscheiden könne“. Sie wolle nun mit ihrer Familie und mit Kollegen sprechen. Auch Julia Obermeier, die wie berichtet im Westen nicht für die Kandidatur nominiert wurde, hält sich zumindest offen, es auch im Norden zu versuchen. „Schau ma mal“, sagt die 31-Jährige auf mögliche Ambitionen angesprochen. Obermeier wohnt in München, sitzt im Bundestag, hat aber ebenfalls noch keinen eigenen Wahlkreis, in dem sie 2017 für ein Direktmandat antreten könnte. SPD-Kandidat Florian Post klingt am Tag nach Singhammers Rücktritts-Ankündigung durchaus gut gelaunt. „Ich gehe als amtierender Abgeordneter in die Wahl“, sagt Post selbstbewusst. „Da hoffe ich jetzt natürlich auf einen leichten Amtsbonus.“

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