+
Martin Bühler war jahrelang privater Samenspender. Jetzt hat er ein Buch über seine Erfahrungen geschrieben.

Bis zu 100 Babys gezeugt

Skurrile Erlebnisse: Privater Samenspender packt aus

München - Martin Bühler war privater Samenspender und hat den Kinderwunsch vieler Paare erfüllt. In München fing alles an. In seinem Buch spricht der 44-Jährige über seine Erfahrungen als Retter der Kinderlosen.

Wenn der Kinderwunsch unerfüllt bleibt, beginnen viele Paare zu verzweifeln. Doch heutzutage gibt es Möglichkeiten, sich den Wunsch vom Babyglück doch noch zu erfüllen: mit Adoptionen, künstlichen Befruchtungen, Leihmutterschaft im Ausland, Samenbanken oder privaten Samenspenden. 

Was ist private Samenspende?

Auch Martin Bühler (44) schenkte vielen Kindern das Leben. In seinem Buch „Meine 100 Kinder - Was ich als privater Samenspender erlebt habe“ bricht der gebürtige Schwabe das Schweigen über das Tabuthema. 

Samenbanken haben in unserer Gesellschaft ein schmuddeliges Image, aber sie sind bekannt. Private Samenspenden kennen nur die Wenigsten. Sie gelten als Grauzone: Dabei suchen die „Wunscheltern“ auf Internetseiten, wie zum Beispiel spermaspender.de nach einem möglichen Erzeuger ihres Kindes. Das Paar mit Kinderwunsch kann dann auswählen. Denn die potenziellen Väter geben Alter, Größe, Beruf oder zum Beispiel Lieblingsessen auf ihrem Profil an. 

Die Samenspende erfolgt dann im privaten Rahmen: durch Beischlaf oder eine Spermaspritze - ohne ärztliche Betreuung und oft auch ohne vertragliche Absicherung.

Wie wurde Martin Bühler privater Samenspender?

Der 44-jährige hat über 15 Jahre lang rund 100 Babys gezeugt. Wie viele es genau waren, kann er nicht sagen. Es könnten auch 80 oder nur 50 Kinder gewesen sein, sagte der Buchautor der Welt. Begonnen hat Bühler in einer Münchner Samenbank Anfang der 90er Jahre, um sein Studium zu finanzieren und er blieb dabei. 

Später entschied er sich für die private Samenspende. „Da lief vieles auf Vertrauen“, erzählt Bühler heute: „Ich hatte Glück. Es ist immer alles gut gegangen. Alle Kinder sind gesund, und ich habe mit keiner der Mütter Ärger.“ Mit Ärger meint Bühler zum Beispiel, dass seine biologischen Kinder oder deren Mütter Unterhalt von ihm verlangt hätten.

Seine älteste Tochter ist Mitte 20

Vor jeder Befruchtung gab es ein persönliches Kennenlernen zwischen Bühler und den werdenden Müttern. Außerdem bot der Samenspender an, dass sich Mütter und Kinder auch danach treffen könnten. Das ist anders als bei anonymen Samenspenden: Kinder haben dabei kein Recht auf Kontakt zum leiblichen Vater.

Neun seiner Kinder hat Martin Bühler mittlerweile kennengelernt, besucht oder im Zoo getroffen. Ein Mädchen sei freudig auf ihn zugelaufen, ein anderes zeigte dabei so gut wie kein Interesse, erzählt er. „Auch damit muss ich klarkommen. Ich bin schließlich nur der Erzeuger.“ 

Seine älteste Tochter ist inzwischen Mitte 20. Ein lesbisches Pärchen kam damals im Wartebereich der Münchner Samenbank auf ihn zu. Danach traf Bühler das Paar bei ihnen zuhause und verkaufte eine Samenspritze an sie. Eine der Frauen wurde schwanger. 

Daraufhin wurde Bühler die Samenbank zu anonym, erzählt er: „Da wusste ich ja gar nicht, was aus den Samen wird, hatte keinen Überblick.“ Dem 44-Jährigen war es wichtig zu wissen, ob die Frauen schwanger werden oder nicht. 

Von seinen Kindern grenzte er sich dahingegen komplett ab. Doch dann bekam Bühler ein Baby mit seiner eigenen Frau. Und das veränderte sein Leben komplett.

Nicht mehr nur Erzeuger - sondern Vater

Als er seine Tochter zum ersten Mal in seinen Armen hielt, war es ein sonderbares Gefühl für den privaten Samenspender. Zuvor hatte er mit rund 150 Paaren zusammengearbeitet und konnte ihnen zum Teil den Kinderwunsch erfüllen. 

Er hatte sich gefreut, als eine Frau von ihm schwanger wurde. Er war der Erzeuger dieser Kinder - nicht aber der Vater. Wie lange er diese Trennung emotional noch mitmachen würde, das wusste der Buchautor nicht. Aber als seine eigene Frau schwanger wurde, änderte sich sein Gefühl. Er hörte mit der privaten Samenspende auf.

Doch nach der Geburt seiner Tochter fiel der Buchautor in eine Sinnkrise: „Vorher hatte ich meine Spende abgegeben. Jetzt trug ich Verantwortung. All das war auf einmal so real.“ Zunächst fiel es ihm schwer, eine Verbindung zu seiner Tochter aufzubauen. Dann nahm er sich ein Jahr Vaterzeit. Heute ist seine Tochter 13 und die beiden sind wirklich gute Freunde, erzählt Bühler.

Wie lief die Übergabe der Samenspenden ab?

Martin Bühler ist heute seit vielen Jahren kein Samenspender mehr. Schnelles Vergnügen mit fremden Frauen steckte nie hinter seiner Motivation zur privaten Samenspende. Er hatte nie Geschlechtsverkehr mit den werdenden Müttern, sondern verkaufte Samenspritzen für 100 Euro, plus Fahrtkosten und Hotel.

Zunächst fand ein erstes Treffen im Café statt. Wenn sich Bühler und die werdenden Mütter vertrauten, dann trafen sie sich ein weiteres Mal: Im Hotel. Während er im Zimmer das „Ejakulat gewonnen hat“, wie er sagt, warteten die Frauen in der Hotellobby. Dann wickelte er die Samenspritze in ein Handtuch und legte es aufs Bett. Die Frauen gingen erst auf das Zimmer, wenn der Samenspender es bereits verlassen hatte. 

Doch mit einem Versuch war es meist noch nicht getan: Es brauchte bis zu zwölf, bis es bei einer Frau mit der Schwangerschaft klappte, sagt der Buchautor. Bei einigen klappte es überhaupt nicht.

Was steckte hinter Martin Bühlers Motivation?

Die Motivation des ehemaligen Samenspenders: Er wollte den Kinderwunsch von Paaren erfüllen. Er wollte der Retter von Frauen sein und ihnen die eigene Lebens- und Familienplanung ermöglichen. Er war stolz darauf, so vielen Frauen geholfen zu haben.

Von seiner Ehefrau lebt Bühler inzwischen getrennt. Sie akzeptierte seinen Nebenjob bis zur Geburt der gemeinsamen Tochter. Doch die private Samenspende war nicht Grund für die Trennung. Mit seiner neuen Lebensgefährtin wohnt der Autor und Publizist heute in einem kleinen Dorf an der deutsch-dänischen Grenze.

Martin Bühlers Buch „Meine 100 Kinder - Was ich als privater Samenspender erlebt habe“ ist im Münchner riva Verlag erschienen und kostet 9,99 Euro.

Hier geht‘s zur Fotostrecke „Wie geht Samenspende?“

Auch interessant

<center>Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017</center>

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017

Oberbaierischer Fest-Täg- und Alte-Bräuch-Kalender 2017
<center>Honigschlehe</center>

Honigschlehe

Honigschlehe
<center>Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen</center>

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen

Christbaumschmuck "Gemse" mundgeblasen
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas

Meistgelesene Artikel

Ottobrunner auf Parkplatz hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?

Söll/Ottobrunn - Antonis C. wurde auf einem Parkplatz in Tirol hingerichtet - das brutale Ende einer Beziehungstragödie. Nun wurden weitere grausige Details rund um den …
Ottobrunner auf Parkplatz hingerichtet: Zehn Kugeln aus Rache?

Unternehmen Behörden zu wenig gegen den Medizin-Tourismus?

München - Im Arabellapark leiden einige Münchner unter Medizin-Touristen - und nicht nur dort. Deshalb sprach eine Anwohnerin nun vor dem Stadtrat.
Unternehmen Behörden zu wenig gegen den Medizin-Tourismus?

Reiter: Keine Rechtsgrundlage für Diesel-Verbot

München - Was für ein Hin und Her. Erst behauptet Münchens OB Dieter Reiter, es gebe keine Rechtsgrundlage für ein Dieselverbot. Dem widerspricht Verkehrsminister …
Reiter: Keine Rechtsgrundlage für Diesel-Verbot

So kamen die Ermittler auf die Spur von Bubi-Räuber „Marcus“

München - Über eine Dating-Plattform suchte er sich sein Opfer aus und lockte es in die Falle. Nun ging der Räuber mit dem Bubi-Gesicht der Polizei ins Netz - dank eines …
So kamen die Ermittler auf die Spur von Bubi-Räuber „Marcus“

Kommentare