Die Lenbachgärten.

Lenbachgärten

Sozialmieter sollen für Luxus zahlen

Sozialwohnungen auch im teuersten Neubau – das ist in München politisches Programm. Doch das Prinzip stößt in der Realität an Grenzen: In den edlen Lenbachgärten sollen Sozialmieter 16 Euro pro Quadratmeter zahlen. Denn zu ihren Nebenkosten gehören Luxus-Extras wie der Sicherheitsdienst.

„Wohnen mit dem Serviceangebot eines 5-Sternehotels“, so werben die Lenbachgärten im Internet. Geschwärmt wird von der Nähe zu „noblen Geschäften“ und der „einzigartigen, zentralen Parklage am Alten Botanischen Garten“. Die Lenbachgärten: „ein Schatzkästchen mitten in der Münchner Innenstadt“. Ex-Bayern-Trainer Pep Guardiola hat man so überzeugt: Er kaufte sich hier ein Apartment. Guardiola und seine Nachbarn genießen den Service des angrenzenden Edel-Hotels „Charles“, die Anlage ist fein gepflegt. Man will unter sich bleiben, ein Sicherheitsdienst ist engagiert. Doch es gibt auch 30 Sozialwohnungen im Edel-Quartier – so, wie es sich die Stadt München auch in teuersten Neubauten wünscht. Nur: Diese Mieter können sich die exorbitanten Nebenkosten offenbar nicht leisten.

Im Rathaus ist das Thema mittlerweile auf höchster Ebene angekommen. Recherchen unserer Zeitung ergaben, dass viele der Mieter die Nebenkosten nicht bezahlen. Am Freitag bestätigte das städtische Sozialreferat, dass das Problem bekannt sei. „Das Sozialreferat arbeitet hier zusammen mit anderen Referaten an einer Lösung“, sagte ein Sprecher auf Nachfrage.

Mit der sogenannten „Sozialen Bodennutzung“ verpflichtet die Landeshauptstadt Investoren zum Bau von sozial geförderten Wohnungen im Gegenzug für Baurecht. Die Kaltmiete für die 2011 errichteten Sozialwohnungen beträgt demnach moderate 10 Euro pro Quadratmeter und entspricht den Vorgaben. Die normalen Nebenkosten liegen bei 3 Euro: ebenfalls im Rahmen. Das Problem für die bedürftigen Mieter ist ein Posten, der in normalen Wohnhäusern nicht zu Buche schlägt: die sogenannten Quartierskosten. Mit 3 Euro pro Quadratmeter werden sie verrechnet, laut Sozialreferat wird davon etwa der Sicherheitsdienst finanziert. In der Stadtverwaltung ist zum Beispiel auch von Kosten für die Gärtner die Rede, die für ein behagliches Wohnumfeld für Guardiola und Co. sorgen sollen. Macht unterm Strich also: 16 Euro Warmmiete. Für Bewohner von Sozialwohnungen sehr hohe Kosten – die zum Teil nicht gezahlt werden, weshalb dem Vernehmen nach die Sozialmieter mit dem Eigentümer im Clinch liegen.

Sind die Wohnungen in dieser Gemengelage überhaupt geeignet für bedürftige Bewohner? Im städtischen Sozialreferat scheint man sich da nicht mehr so sicher zu sein. Man prüfe derzeit, ob die Nutzung eines kleinen Teils der Wohnungen für Mitarbeiter städtischer Betriebe möglich wäre, hieß es am Freitag

Neben dem Apartment des ehemaligen Bayern-Trainers Pep Guardiola gibt es also möglicherweise bald weniger Sozialwohnungen. Dafür könnten neben der Münchner Wohnung des Manchester-City-Trainers dann leitende Angestellte der Kammerspiele oder der Stadtsparkasse wohnen, die sich 16 Euro pro Quadratmeter leisten können.

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