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Blick in die Zukunft: Wann die Kita-Plätze wohl ausreichen werden?

Ausbau der Kinderbetreuung

Kita-Versorgung: Stadt kämpft mit Erziehermangel

München - Die Stadt baut weiter die Kitas aus, doch es bleiben Probleme: Grundstücke fehlen – und Erzieher. Daneben setzt die neue Bildungsreferentin Beatrix Zurek (SPD) bereits eigene Akzente.

Es klingt ein wenig heruntergeleiert, wenn Bürgermeisterin Christine Strobl (SPD) sagt: „Wir bauen weiter wie die Weltmeister.“ Jedes Jahr zu Beginn des neuen Kita-Jahres derselbe Satz. Doch er stimmt: München wächst, und München baut Kindertageseinrichtungen. Allerdings bleiben große Schwierigkeiten.

Krippe, Kindergarten, Hort: All das fällt unter den Begriff Kita. Rund 21 100 Krippenplätze gibt es aktuell, 64 Prozent der Ein- bis Dreijährigen sind versorgt. Vor drei Jahren, als der Rechtsanspruch in Kraft trat, waren es 56 Prozent. Mit den 43 200 Plätzen im Kindergarten sind 92 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen versorgt. Die Stadt nähert sich also langsam, aber beharrlich ihrem selbsterklärten Ziel: jeder Familie für ihr Kind ein „bedarfsgerechtes Betreuungsangebot“ machen zu können.

Heuer sollen noch 29 Kitas fertig gebaut werden, im kommenden Jahr weitere 31, „und es geht weiter“, sagt die neue Bildungsreferentin Beatrix Zurek (SPD). Mit dem „Aktionsprogramm Schul- und Kita-Bau“ plant die Stadt vorerst bis zum Jahr 2020, wenn München prognostisch um weitere 7000 Kinder bis zum sechsten Lebensjahr gewachsen ist. Rund 300 Millionen Euro will sie bis dahin für neue Kitas ausgeben.

Jedoch ist es mit Neubauten allein nicht getan. Wie viele Kinder versorgt sind, unterscheidet sich eklatant zwischen den Stadtvierteln. Neue Kitas entstehen nicht unbedingt nach Bedarf, sondern nach verfügbarem Platz: Die Suche nach Grundstücken gestalte sich in Berg am Laim, Schwabing-West und Laim – den Schlusslichtern – besonders schwierig, heißt es aus dem Referat.

Zweites Problem: Es mangelt an Erziehern. Akut sind allein in den 400 städtischen Einrichtungen 200 Stellen unbesetzt. Und es fehlt an Springern: „Ausfälle und Fluktuation sind schwer zu kompensieren“, sagt Zurek. Laut Kita-Abteilungsleiterin Susanne Herrmann könnte die Stadt sofort 350 Erzieher einstellen, Strobl spricht sogar von bis zu 500.

Zwar konnten heuer 222 Erzieher neu gewonnen werden – auch dank der erfolgreichen Werbekampagne, die bis 2019 fortgeführt wird. Doch der Erziehermangel ist im Kita-Alltag deutlich spürbar: 17 Einrichtungen mussten etwa ihre Öffnungszeiten reduzieren. Auch in anderen Kitas fehlen über viele Monate Fachkräfte, etwa wenn jemand erkrankt.

Doch woher Erzieher nehmen? Gerade ist der staatliche Modellversuch „OptiPrax“ gestartet, der Bewerbern mit (Fach-)Abitur eine auf drei Jahre verkürzte Ausbildung ermöglicht. Die Nachfrage ist ordentlich: 242 Bewerbungen für die 50 Plätze an der Fachakademie für Sozialpädagogik. Und ein Fünftel der Azubis sind Männer, was Zurek sehr begrüßt. „Nun hoffen wir, dass die jungen Leute nach der Ausbildung bei der Stange bleiben“, sagt Strobl.

Auch im Ausland will das Referat verstärkt suchen: 25 spanische Kindheitspädagogen wurden bereits eingestellt, nun will man sich in Frankreich, England und Schottland umsehen. In einer Stadt, in der so viele Menschen mit Migrationshintergrund lebten, sei dieses Modell laut Zurek „eine Selbstverständlichkeit“.

Apropos: „Sprachliche Bildung wird ein kritisches Thema bleiben“, sagt Strobl. In acht Kitas startet heuer ein Projekt für Flüchtlingsfamilien, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Sie können zu bestimmten Angeboten in die Kitas hineinschnuppern, um sie kennenzulernen. Zudem nehmen 118 Kitas an einem Bundesprogramm teil, um ihre Sprach-Lern-Angebote zu verbessern.

Bei all den angespannten Gegebenheiten setzt Zurek aber auch eigene Akzente: Daran, dass sie das Bildungsreferat als „Servicedienstleister“ versteht, lässt sie keinen Zweifel. Das Online-Anmeldesystem Kita-Finder sei ein Erfolgsmodell, sagt sie: 17 000 der aktuell 21 100 Kita-Plätze seien darüber vermittelt worden. Zudem können ab sofort auch Mittagsbetreuungen für Grundschulkinder teilnehmen, kommendes Jahr auch Tagesmütter. Und noch ein heißes Service-Eisen hat Zurek bereits angepackt: In der Kita-Gebührenstelle ist seit August ein Callcenter in Betrieb. Außerdem wird die Gebührenstelle neu organisiert, so dass Eltern künftig schneller wissen, wie viel sie für ihre Kita zahlen müssen.

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