Stadt will Flugverbot über der Wiesn

München - Viele Besucher fürchteten das Schlimmste und riefen die Polizei: Am Donnerstag kreiste ein Flugzeug im Tiefflug über der Wiesn. Ein Werbegag, den viele nicht lustig fanden: Das Luftamt ermittelt, die Stadt beantragt ein Verbot.

Um kurz nach 16 Uhr sprachen viele Oktoberfestbesucher Streifenbeamten an und deuteten in den Himmel. Dort kreiste eine Propellermaschine, einige Gäste sorgten sich, es könnte sich um einen Anschlag auf die Wiesn handeln. Nach mehreren Runden schwebte die Douglas DC-6B wieder davon. Der Spuk hatte damit zwar ein Ende, nicht aber der Ärger der Besucher, der Stadt und der Polizei.

Die Menschen seien „massiv verunsichert“ gewesen, sagte Polizeisprecher Wolfgang Wenger. „Wir haben eine sofortige Angstreaktion festgestellt.“ Ein Überflugverbot gebe es heuer nicht. „Uns sind alle Maßnahmen recht, die nicht für Verunsicherung sorgen“, sagte Wenger. Deshalb bat die Polizei am Freitag die Stadt, ein Überflugverbot zu beantragen.

Im Jahr 2001 hatte es nach den Terror-Anschlägen vom 11. September schon einmal ein solches Verbot für die Wiesn gegeben. In den darauffolgenden Jahren hatte die Stadt zwar erneut ein Verbot beim Bundesverkehrsministerium beantragt, das nach Angaben des Kreisverwaltungsreferats aber stets abgelehnt wurde. In diesem Jahr habe man bislang keinen Antrag gestellt gehabt, dies aber am Freitag nachgeholt, berichtete KVR-Sprecherin Daniela Schlegel. Warum die Anträge der vergangenen Jahre abgelehnt wurden, konnten weder Schlegel noch ein Sprecher des Verkehrsministeriums beantworten.

Die Deutsche Flugsicherung bestätigte inzwischen, dass das Flugzeug für den Getränkehersteller „Red Bull“ im Werbeeinsatz war, von Salzburg nach München flog und über der Wiesn einige Runden drehte. Eine Genehmigung brauche man dafür nicht, man müsse aber die Mindestflughöhe von 600 Metern einhalten.

„Der Pilot hat Pech gehabt“, sagte Heinrich Schuster, Sprecher der Regierung von Oberbayern, „einige Kollegen vom Luftamt Südbayern waren auf der Wiesn und haben gesehen, dass er deutlich zu tief flog.“ Nun laufen Ermittlungen.

Bei „Red Bull“ versichert man, die Maschine habe die Mindestflughöhe eingehalten. Durch die Spannweite von 40 Metern und das ungewöhnliche Propellergeräusch erscheine das Flugzeug niedriger als es tatsächlich fliege, teilte der Konzern mit. Man bedaure aber, wenn es bei Wiesnbesuchern zu „Irritationen“ gekommen sei. Man plane keine weiteren Flüge über das Oktoberfest, hieß es.

Wiesn-Chefin Gabriele Weishäupl sagte, sie habe sich stets für ein Überflugverbot ausgesprochen. Neben dem Sicherheitsproblem verstoße der „Red Bull“-Flug auch gegen das Werbeverbot auf der Wiesn. Die Festleitung könne solche Flüge aber nicht verhindern. „Wir haben nicht die Lufthoheit“, sagte Weishäupl.

Philipp Vetter

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