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Immer noch wird am Rohbau der griechischen Schule gewerkelt – dabei hätte dieser seit spätestens Ende Juni fertigsein müssen. Ob der Stadtrat heute den Daumen senkt oder eine weitere Fristverlängerung gewährt?

„Das Aus wäre eine Katastrophe“

Stadtrat entscheidet über griechische Schule

München - Für die Griechen in München ist der heutige Mittwoch ein Schicksalstag: Der Stadtrat entscheidet, ob sie an ihrer Schule in Berg am Laim weiterbauen dürfen oder nicht. Es sieht nach dem endgültigen Aus für das Projekt aus.

Graue Betonwände ragen in den Himmel, Gerüste stehen, Bagger fahren. Die griechische Schule ist am Entstehen, hier an der Hachinger-Bach-Straße in Berg am Laim. Doch sie entsteht zu langsam, seit Jahren schon. Und womöglich wird der Bau nun ganz gestoppt. Denn die Mehrheit der Münchner Stadträte ist offenbar nicht bereit, den Griechen abermals eine Verlängerung zu gewähren.

„Das wäre eine Katastrophe für die Schule und für die Griechen“, sagt Rechtsanwalt Stavros Kostantinidis. Er versucht alles, um das Ende der Schulpläne in letzter Minute abzuwenden. In den vergangenen Tagen ist er, auch mit der Generalkonsulin, bei den Parteien im Rathaus vorstellig geworden. Erst vor drei Wochen ist der Münchner Anwalt mit griechischen Wurzeln in das Thema eingestiegen – auf Wunsch der Bauherrin, einer Tochtergesellschaft des griechischen Staats. Zuvor hatte Georgios Vlachopoulos Griechenland als Anwalt in dieser Sache vertreten.

In den letzten drei Wochen habe sich einiges getan, sagt Kostantinidis. „Wir haben Umstrukturierungen vorgenommen, auch bei der Finanzierung.“ Von der Regierung von Oberbayern habe man ein positives Signal für eine Förderung erhalten, jedoch unter dem Vorbehalt, dass das Grundstück am Hachinger Bach bei den Griechen bleibt. Von der Stadtsparkasse liege eine Absichtserklärung zur Finanzierung vor, die wiederum vom Bescheid der Regierung abhänge, erläutert der Anwalt. Zudem wolle man eine deutsche Projektsteuerung einsetzen. Auf jeden Fall: Es sei Geld von Griechenland nach München transferiert worden, um zuende bauen zu können.

Dies alles zeige, wie ernst es den Griechen mit ihrem Bauprojekt sei, in das man bereits 9,2 Millionen Euro gesteckt habe und bis Jahresende weitere sechs Millionen investieren will. „Es wäre wirklich unverhältnismäßig, wenn man im Stadtrat nun die Rückübertragung beschließen würde“, sagt Kostantinidis. „Bei gesundem Menschenverstand“ müsse man doch über die sechs Monate Verspätung hinwegsehen.

Am Ende dürfte es wohl mehr werden – der Anwalt spricht selbst von „MaximumZeit bis Dezember“, die es bis zur Fertigstellung des Rohbaus noch bräuchte. Das war die Forderung der Stadt: Der Rohbau hätte bis Ende 2015 stehen müssen, dann gab es eine Kulanzzeit bis Ende Juni. Doch auch diese Frist ist abgelaufen. Kostantinidis sagt, 70 Prozent des Rohgebäudes seien errichtet, es fehle nur noch das Obergeschoss und das Dach. Die komplette Schule sollte bis Juli 2017 gebaut sein.

So steht es jedenfalls im Kompromiss, den Griechen und Stadt letztes Jahr im Zuge des Rechtsstreits um das Grundstück vereinbart hatten. Zuvor hatten die Hellenen 13 Jahre lang alle Fristen, die im Kaufvertrag vereinbart worden waren, verstreichen lassen. Daraufhin forderte die Stadt das 15 000-Quadratmeter-Areal wie vereinbart zurück. Schließlich wurde gar Klage gegen Griechenland eingereicht. Während das Schriftstück auf eine umständliche Reise nach Athen ging, schufen die Griechen in München mit Baugrube und Grundsteinlegung kurzerhand Fakten. Angesichts der Bautätigkeit riet das Gericht der Stadt zu besagtem Kompromiss samt Baufristen.

„Wir haben lange nichts gemacht, das war unser Fehler“, gibt Kostantinidis zu. Doch nach dem Kauf im Jahr 2001 hatte man Probleme mit Bezirksausschuss und Anwohnern, die Baugenehmigung wurde erst 2008 erteilt. „In den goldenen Jahren Griechenlands konnten wir daher nicht bauen, danach war die finanzielle Situation nicht mehr so rosig“, sagt er. Doch jetzt das Aus – „das wäre ein enormer politischer und finanzieller Schaden“, sagt der Anwalt und appelliert an die Besonnenheit der Stadträte. „Will man das den gebeutelten Griechen wirklich antun?“

Selbst nach einer negativen Entscheidung heute scheint das Ende der griechischen Schule noch nicht besiegelt. „Ich kann mir vorstellen, dass man dagegen vorgehen wird. Das wird ein Politikum.“

Carmen Ick-Dietl

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