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SWM-Chef Florian Bieberbach verordnet seinem Unternehmen einen strengen Sparkurs.

Geschäft bricht ein

Darum sind die Stadtwerke in der Krise

München - Die Stadtwerke stecken in der Krise. SWM-Chef Florian Bieberbach verordnet seinem Unternehmen einen strengen Sparkurs. Dabei fordert er auch Hilfe von der Stadt – sie soll deutlich mehr Geld in den Nahverkehr stecken.

Während die Ampeln der eindrucksvollen Installation im Innenhof der Zentrale der Stadtwerke München (SWM) fröhlich vor sich hin blinken, wird im Inneren eifrig gerechnet. In diesen Tagen werden die Bücher geschlossen, der Geschäftsbericht für 2014 muss geschrieben werden. Es ist keine allzu spaßige Aufgabe. Denn die Zahlen sind schlecht.

Schon seit Längerem stecken die großen Energieversorger in der Krise. Der Energieriese Eon hatte angekündigt, das zukunftsträchtige Geschäft mit der Ökoenergie in ein eigenes Unternehmen auszulagern. Trotzdem schiebt Eon einen Schuldenberg von 30 Milliarden Euro vor sich her. Auch RWE ächzt unter einer Schuldenlast von 31 Milliarden Euro.

So dramatisch ist die Situation der Stadtwerke nicht. Trotzdem: Die letzten bekannten Zahlen aus dem Geschäftsbericht weisen zwei Milliarden Euro Schulden und stetig sinkende Gewinne aus. „Die Verschuldung ist weiter angestiegen. Das Ergebnis ist auch nicht besser geworden“, sagt SWM-Chef Florian Bieberbach. Ursächlich dafür ist ein Preisverfall im Stromhandel, seit im großen Stil Strom aus erneuerbaren Energien ins Netz eingespeist wird. Bisweilen können durch das Überangebot sogar Negativpreise erreicht werden – das heißt, die Erzeuger müssen dafür zahlen, dass man ihnen den Strom abnimmt. Zugleich ist der Ertrag aus Wind, Sonne und Wasser aber so unwägbar, dass für den Fall einer Flaute auch konventionelle Kraftwerke laufen müssen. Kohle ist derzeit preiswerter als das umweltschonendere Gas – große Gewinne erzielt man aber auch mit Kohlekraft nicht. Die Situation sei ernst, sagt Bieberbach. Man werde noch zwei oder drei Jahre „eine Durststrecke mit relativ schlechten Ergebnissen durchlaufen“.

Deshalb hat er am Montag seinen Führungskräften ein umfassendes Spar- und Effizienzprogramm verordnet. Größere Stellenstreichungen soll es nicht geben, stattdessen soll bei internen Kosten und Zusatzleistungen für die Mitarbeiter gespart werden. Die Stadtwerke-Kunden will Bieberbach nicht stärker belasten: „Wir wollen auch künftig sehr wettbewerbsfähige Preise anbieten“, kündigt er an.

Problematisch ist, dass die Erträge aus dem Stromgeschäft eigentlich die Bereiche der Stadtwerke finanzieren sollen, die rote Zahlen schreiben – beispielsweise den öffentlichen Nahverkehr. Deshalb fordert Bieberbach Unterstützung von der Stadt, um die Krise in der Strombranche bewältigen zu können. „Bei dem geplanten, starken Ausbau des ÖPNV in München wird es nicht ganz zu vermeiden sein, dass sich auch die Stadt München finanziell engagiert“, so Bieberbach. Konkrete Summen könne man nicht nennen, das komme auf das gewünschte Angebot an.

Für die Stadt kündigt sich damit an, dass sich eine komfortable Phase dem Ende neigen könnte: Jahrelang standen die Stadtwerke finanziell prächtig da und konnten solide Gewinne einfahren. Davon profitiert auch die Stadt, denn die SWM schütten jährlich 100 Millionen Euro an ihre Gesellschafterin aus. Geld, dessen Verlust den Stadtwerken nun immer mehr weh tut.

Denn so vielversprechend die Strategie mit den erneuerbaren Energien auch sein mag, sie kostet viel Geld. Vor allem in Windparks stecken die Stadtwerke viel Geld. Mit 30 Prozent sind sie am zwei Milliarden Euro teuren Offshore-Vorzeigeprojekt Gwynt y Môr in Wales beteiligt. Für 1,2 Milliarden Euro entsteht in der Nordsee der Windpark „Sandbank“, an dem die SWM 49 Prozent halten.

Investitionen, auf die Bieberbach auch künftig nicht verzichten will, denn die Erneuerbaren Energien sollen langfristig das Geld in die SWM-Kasse spülen. Hinzu kommt, dass die Stadtwerke weiter an dem Ziel festhalten, bis zum Jahr 2025 so viel Ökostrom zu produzieren, wie ganz München verbraucht. Die Hälfte dieses Ziels haben die Stadtwerke schon erreicht, weshalb es bald ein Fest geben soll. Auch in der Krise muss man manchmal feiern.

Ein Interview zu diesem Thema finden Sie am heutigen Mittwoch im München-Teil der Print-Ausgabe

Moritz Homann

Moritz Homann

E-Mail:moritz.homann@merkur.de

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