+
Sandra Meier muss mit 100, bestenfalls 200 Euro im Monat auskommen. 

Gastbeitrag der Studentin Sandra Meier

Über die (Un-)Möglichkeit, mit 25 Euro in der Woche in München zu leben

München - Das Leben in München ist teuer. Studentin Sandra Meier schreibt in ihrem Gastbeitrag über die (Un-)Möglichkeit, mit 25 Euro in der Woche in München zu leben. Sie sagt, sie nehme nur sehr ungerne Geld von ihren Eltern an. Sie will zeigen, dass sie auf eigenen Beinen stehen kann. 

Zeit ist Geld. Doch was macht man, wenn man wenig Zeit und noch weniger Geld hat? Davon kann ich als Studentin ein Lied singen. Wahrscheinlich sogar mehr als nur eines. Seitdem ich in München wohne und studiere, muss ich nach Abzug aller Fixkosten wie Miete und Handyrechnung mit etwa 100 Euro im Monat auskommen. Je nachdem wie oft ich in meinem Zweitjob am Wochenende arbeite, können es auch mal knapp 200 Euro sein, was aber selten vorkommt.

Schuld an diesem Schlamassel bin ich eigentlich selbst, denn ich habe mich dafür entschieden zu studieren, obwohl ich wusste, dass mich meine Eltern finanziell nicht unterstützen können. Ich gehöre nämlich zu dem einen Viertel der Studierenden, die aus einer Nichtakademiker-Familie stammen. 

BAföG bringt mir monatlich gerade einmal 48 Euro ein 

Natürlich habe ich die Möglichkeit wahrgenommen, BAföG zu beantragen. Da meine Eltern aber nur etwas mehr verdienen, als es die Freigrenze zulässt, kann ich davon nicht leben. 48 Euro im Monat sind zu wenig. Und man kann nicht verlangen, dass die Geschwister das Studium mitfinanzieren, denn auch ihr Verdienst wird angerechnet. 

Da ich seit diesem Semester die BAföG-Förderhöchstdauer überschritten habe, muss ich ohne diese 48 Euro auskommen. Wobei ich sagen muss: Das kann man schon verkraften, immerhin darf man ganze 450 Euro im Monat verdienen, ohne etwas versteuern zu müssen. Ich habe zwei Jobs. Unter der Woche in einer Bibliothek als Aufsichtskraft und am Wochenende in der Küche eines Gasthauses.

Mehr als die Hälfte des Einkommens geht für Miete drauf

Nur, was sind schon 450 Euro in München? Ein Tropfen auf dem heißen Stein. Obwohl ich in einem relativ günstigen Studentenwohnheim lebe, geht mehr als die Hälfte des Geldes für die Miete drauf. Der Rest muss für den Semesterbeitrag, das Semesterticket, Lehrbücher und Lebensmittel reichen. Jeder Euro, der übrig bleibt, wird eisern angespart, denn auch ich will ab und zu mein Studentendasein genießen und zumindest einmal im Semester richtig feiern gehen. 

An Urlaub ist gar nicht zu denken. Mit viel Glück sind pro Jahr drei Tage Südtirol im Sparschwein drin. Mit weniger Glück zumindest ein Ausflug an den Starnberger See. Denn dank des Semestertickets kommt man hier ohne Aufpreis mit der S-Bahn hin. Ein großes Lob auf das Semesterticket! Zumindest von mir, die sich keine Wohnung in der Maxvorstadt oder ein eigenes Auto leisten kann. Ich bin froh darüber, dass ich mit dem Semesterticket das schöne Münchner Umland immer noch zu einem akzeptablen Preis kennen lernen kann. 

Shoppen ist oft nur mit einem kleinen Zuschuss aus dem Elternhaus möglich

Auf Shoppen muss ich leider auch oft verzichten. Manchmal gibt es ein bisschen Geld von Mama, weil sie es einfach nicht mit ansehen kann, wie ausgewaschen meine Klamotten sind. Das ist jedes Mal wie ein kleines Weihnachten. Endlich wieder ein neuer Pullover! 

Ich nehme aber nur sehr ungerne Geld von meinen Eltern an, weil ich ihnen zeigen will, dass ich auf eigenen Beinen stehen kann. 

Ich habe mir diesen harten Weg ausgesucht und ziehe das jetzt auch durch. Aufgeben war noch nie eine Option und darauf bin ich auch stolz.

Mit der Zeit lernt man, mit wenig Geld auszukommen, und ich genieße jede Kleinigkeit, die ich mir mit meinem sebstverdienten Geld leisten kann. 

Und nach dem Studium wird es hoffentlich mal anders aussehen. Aber das ist eine andere Geschichte.

Ein Gastbeitrag von Sandra Meier aus Dingolfing.

Sie hat bereits einen Bachelorabschluss in Nordamerikastudien und den Master in Amerikastudien abgelegt. Derzeit studiert die 24-Jährige Geschichte im Master an der Ludwig-Maximilians-Universität - aus der Not heraus: Sie will als Journalistin in der Medienbranche Fuß fassen und sucht eine Stelle als Volontärin. 

Weitere Gastbeiträge auf unserer Nachrichtenseite

  • Timo Thurner hat das Start-up Aqua Monaco zu einer erfolgreichen Marke gemacht. Anderen Exisitenzgründern nennt er in seinem Gastbeitrag sechs Dinge, die sie für ihren Erfotun sollten - und eine Sache, die sie nie machen sollten. 
  • Comedian Simon Pearce schreibt einen Brief an alle Münchner, die glauben, in einer toleranten Stadt zu leben.
  • München feiert sich für seine Weltoffenheit und Liberalität. Doch die Stadt hat Homophobie nicht überwunden, sagt der schwule Marcel Rohrlack. In seinem Gastbeitrag hat er eine Botschaft, die uns alle angeht. 

  • Hundetrainerin Nathalie Örlecke hat den rücksichtslosen Münchnern, die ihre Hunde im Park frei laufen lassen, etwas Wichtiges zu sagen. Hunde, die nicht hören, gehören an die Leine. Und sie fordert in einem zweiten Gastbeitrag: Macht den Dreck eurer Hunde weg! 

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>König Ludwig 4er Set mini</center>

König Ludwig 4er Set mini

König Ludwig 4er Set mini
<center>Fächer "Liebestaumel"</center>

Fächer "Liebestaumel"

Fächer "Liebestaumel"
<center>Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch</center>

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch

Bayerisch VEGGIE - Köstliches mal ohne Fleisch
<center>Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016</center>

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016

Offizieller Oktoberfest Bierkrug 2016

Meistgelesene Artikel

Armut in München: Drei Schicksale, die bewegen

München - Die Armut in München wird immer größer. Die Münchner Tafel zählt immer mehr Bedürftige - mittlerweile sind es 20.000 Menschen. Die tz stellt drei Schicksale …
Armut in München: Drei Schicksale, die bewegen

Minderjährige Flüchtlinge: Harter Kampf um die Millionen

München - Kampf um die Kostenerstattung für minderjährige Flüchtlinge: Das Sozialreferat will jetzt mit einer Klage die Verjährung von Ansprüchen verhindern.
Minderjährige Flüchtlinge: Harter Kampf um die Millionen

„Geld oder Tote“: So erpresste ich den FC Bayern

München - Er wollte den großen FC Bayern erpressen - doch der kriminelle Versuch ging schief. Seit Freitag steht „Besenstielräuber“ Harald Zirngibl vor Gericht.
„Geld oder Tote“: So erpresste ich den FC Bayern

Seite heute gültig: Das sind die neuen MVG-Fahrpläne

München - Ab heute gilt der neue Fahrplan der MVG. Hier die wichtigsten Veränderungen im Überblick.
Seite heute gültig: Das sind die neuen MVG-Fahrpläne

Kommentare