Die Elektromobilität will die Stadt stark fördern.

Stadt will Anreize setzen

Tausende Euro für Elektroauto-Käufer

Zuschüsse beim Elektroauto-Kauf, mehr Ladestationen, städtische E-Fahrzeuge: die Stadt plant ein Millionenprogramm zur Förderung der Elektromobilität. Davon profitieren auch private Autofahrer – und vor allem Münchens Luft.

Kaum ein Thema wird derzeit als so zukunftsträchtig und wachstumsstark gesehen wie die Elektromobilität. Die Aktie des amerikanischen Elektroauto-Herstellers Tesla gilt als zigfach überbewertet, so groß sind die Erwartungen an den neuen Markt. Auch hierzulande investiert BMW hunderte Millionen Euro in die emissionsfreien Fahrzeuge, die irgendwann in der Zukunft die traditionellen Autos ablösen sollen.

In der Stadt aber ist die Elektromobilität noch genau das: Zukunft. Gerade mal 104 private Elektroautos sind derzeit auf Münchens Straßen unterwegs. Hinzu kommen 802 gewerblich genutzte E-Autos. Bei insgesamt knapp 770 000 zugelassenen Fahrzeugen in München macht das einen kärglichen Anteil von 0,11 Prozent.

Dabei will die Bundeskanzlerin bis 2020 eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen sehen. Die Stadt ist wegen ihres ständigen Überschreitens von EU-Grenzwerten beim Stickstoffdioxid-Ausstoß sowieso unter Handlungsdruck. Sie plant ein umfassendes Förderprogramm: Von 2015 bis 2018 sollen jährlich sieben Millionen Euro in die Elektromobilität fließen.

Umweltreferent Joachim Lorenz (Grüne) ist überzeugt davon, dass die ambitionierten Ziele der Bundesregierung nur erreicht und EU-Grenzwerte nur eingehalten werden können, wenn man Anreize setzt. Deshalb will die Stadt die Anschaffung von Elektroautos fördern: Wer sich als Erstfahrzeug ein Elektroauto kauft, kann mit einem „Emissionskostenzuschuss“ in Höhe von mehreren Tausend Euro rechnen. Bei den Oberklasse-Wagen wird das als Anreiz nicht viel bringen, bei günstigen Elektro-Kleinwagen aber vielleicht schon.

Darüber hinaus setzt die Stadt insbesondere auf die Förderung von elektrisch angetriebenen Klein-Lkw bis 7,5 Tonnen. Denn vor allem die bringen laut Lorenz deutliche Einsparungen bei den Emissionen. Deshalb will die Stadt auch selbst Elektro-Fahrzeuge einsetzen, wo immer es geht. Die Stadtwerke haben bereits seit Längerem Elektrobusse im Testbetrieb. Das Problem bei städtischen Elektrofahrzeugen ist aber, dass es viele Spezialfahrzeuge wie beispielsweise Müllautos bislang gar nicht in einer Elektro-Variante gibt.

Neben privaten und gewerblichen Neuanschaffungen und den kommunalen Elektrofahrzeugen soll auch der Bau von Ladestationen gefördert werden. Hier sieht auch Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) Handlungsbedarf: Am Rande der „Eurocities“-Tagung, die seit gestern in der Stadt läuft, verwies er darauf, dass die Lade-Infrastruktur seiner Meinung nach noch nicht ausreichend sei.

Der OB kann sich noch weitere Fördermöglichkeiten vorstellen. Als Beispiele nannte er, dass für Elektroautos erlaubt werden könnte, auch auf Busspuren zu fahren oder öffentliche Parkplätze nur für sie reserviert werden könnten. „Das sind Zukunftsvisionen, denen wir uns nicht verschließen können“, sagte der Oberbürgermeister. Allzu lange will er sich damit aber nicht Zeit lassen. „In den nächsten ein, zwei Jahren“, sagte Reiter, müsse man es angehen.

Ähnliche Vorschläge wurden schon im August öffentlich diskutiert. Dabei hatte die Stadtverwaltung zumindest der Idee, dass Elektroauto-Fahrer auch Busspuren nutzen dürfen, eine Absage erteilt.

OB Reiter blickt indes neidisch nach Oslo. Die norwegische Hauptstadt war für den „Eurocities-Award“ nominiert, der gestern Abend im Rahmen der Konferenz verliehen wurde. „Mit etwa 5700 angemeldeten Elektroautos in Oslo ist die Stadt nach eigenem Bekunden die Hauptstadt der Elektromobilität“, hieß es in der Begründung der Nominierung.

In Oslo wird zum Beispiel keine Mehrwertsteuer beim Kauf von Elektroautos erhoben, es gibt für sie keine Anmeldegebühr, dafür kostenlose öffentliche Parkplätze und kostenloses Aufladen an öffentlichen Plätzen. Die Maßnahmen haben offensichtlich Erfolg: Die Zahl der neuen E-Autos ist in der norwegischen Hauptstadt explodiert. 2013 wurden dort 93 Prozent mehr Elektroautos angemeldet als im Vorjahr – Zahlen, von denen man an der Isar bislang nur träumen kann.

Moritz Homann und Felix Müller

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