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Auch in München müssten dringend mehr Wohnungen gebaut werden. Oder doch nicht?

Um jeden Preis?

Tempo raus beim Wohnungsbau? Pro & Contra

München - Münchens Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) sagt, "Wohnungsbau ja, aber nicht um jeden Preis“. Überdreht München beim Thema Wohnungsbau? Ein Pro und Contra unserer Redakteure. 

+++ Pro +++

Im Alleingang nicht zu lösen

So sehr man jedem Wohnungssuchenden wünschen möchte, dass er fündig wird: Die These, man müsse nur genügend Wohnungen bauen, um den Druck aus dem überhitzten Münchner Wohnungsmarkt zu nehmen, geht an der Realität vorbei. Vielmehr ist zu befürchten, dass das Angebot den Zuzug beschleunigt, ohne den erwünschten Effekt zu zeigen. Schlimmstenfalls greift irgendwann ein ganz anderer Regulierungsmechanismus: München wird so verdichtet, dass man zwar eine Wohnung finden könnte, aber keine mehr sucht, weil die Lebensqualität, die die Stadt ausmacht, dahin ist. München hat, verglichen mit anderen Großstädten, keine nennenswerten Flächenreserven. Sein Wohnungsproblem kann und muss grenzübergreifend gelöst werden – zusammen mit den Umlandgemeinden. Denen muss klar sein, dass der Ballungsraum nur im Schulterschluss funktioniert. München kann nicht ohne sein Umland florieren. Doch das Umland auch nicht ohne München. Es ist eine der wichtigsten Aufgaben von Oberbürgermeister Reiter, seine Amtskollegen dafür zu gewinnen und Gräben zuzuschütten, die unter seinem Vorgänger aufgerissen wurden. Dann, und erst dann, kann man für eine lebenswerte Zukunft planen. Dazu gehören Wohnungen, auch in München. Aber dazu gehören, in der Stadt wie im Umland, auch Gewerbe, Verkehrsangebote und Erholungsflächen. Letztere außer Acht zu lassen, wäre in einer Gesellschaft mit wachsenden sozialen Problemen fahrlässig

Peter T. Schmidt, Chefreporter München

+++ Contra +++

Wohnungsbau ist unverzichtbar

Die Stadt München ist kein Staat. Sie kann nicht einfach die Grenzen dicht machen und missliebige Zuwanderer abweisen – auch wenn viele sich das wünschen. München wird weiter wachsen, pro Jahr um rund 30 000 Menschen. Dass die Stadt deshalb dem Wohnungsbau höchste Priorität einräumt, ist richtig. 10 000 Wohnungen sollen pro Jahr entstehen. So lautet das Ziel von OB Reiter. Bei 30 000 Neubürgern pro Jahr eigentlich zu wenig. Der lieb gewonnene Innenhof in Schwabing wird aber nicht deshalb verdichtet, um Spitzenverdienern eine kommode Unterkunft zu verschaffen. Die Stadt versucht durch ein größeres Angebot, Druck aus dem völlig verrückten Münchner Immobilienmarkt zu nehmen. Davon profitieren auch die eingesessenen Münchner. Nicht unmittelbar, sondern dann, wenn sie in Zukunft einmal selber eine neue Wohnung suchen – und dann vielleicht eine vergünstigte städtische Bleibe finden. Viele Münchner Grünflächen haben in jüngster Zeit erstaunliche Karrieren hingelegt: Von der nicht beachteten Hundewiese zum unverzichtbaren Freizeit-Refugium lagen oft nur ein paar Wochen. Die Reflexe der Bürger sind verständlich. Die Stadt ist auch angehalten, das berühmte Fingerspitzengefühl bei Verdichtungen an den Tag zu legen. Auch wenn es unpopulär ist: Der Münchner in achter Generation hat nicht mehr Rechte als der Zugroaste aus Sachsen. Nicht umsonst heißt das aktuellste Bauprogramm der Stadt „Wohnen für alle

Ulrich Lobinger, Lokalredakteur München

Den vollständigen Bericht zum Gespräch mit Josef Schmid lesen Sie hier.

Peter T. Schmidt

E-Mail:Peter.Schmidt@merkur.de

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