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Trend "Couch Surfing": Ein Sofa für Alle!

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Brie Vernier 
          auf ihrer grünen Couch. Viele Gäste haben darauf schon übernachtet. 
            bodmer
Brie Vernier auf ihrer grünen Couch. Viele Gäste haben darauf schon übernachtet. bodmer

München - Brie Vernier ist Münchens begehrteste Gastgeberin. Denn sie bietet Reisenden einen kostenlosen Schlafplatz auf ihrem Sofa an. „Couch Surfing“ nennt sich das.

Brie sitzt auf ihrer mattgrünen Couch neben Fotos aus den USA, ihrer Heimat, und umringt von kanadischen Elchen. Als Fotografie, Plüschtier oder Schnitzerei – der Elch ist in der Hinterhofwohnung am Harras allgegenwärtig. Doch im Mittelpunkt steht das Sofa.

Brie Vernier bietet Reisenden einen kostenlosen Schlafplatz an. „Couch Surfing“ ist ein Trend, der sich aus den USA quer über den Globus entwickelt hat. Backpacker und Reisende finden über das Internet Sofas wie das von Vernier und dürfen ein paar Nächte bleiben.

„Dabei geht es um viel mehr als um eine gratis Übernachtung“, sagt die 39-Jährige. „Man lernt fremde Kulturen ganz anders kennen, wenn man bei den Menschen zu Gast ist.“ 2005 entdeckte sie die Seite www.couch-surfing.com. „Ich dachte: Ausprobieren kann man’s.“

Ihr erster Gast war ein junger US-Amerikaner, der sechs Monate durch Europa reiste. „Er war so begeistert, dass er seine Mutter gleich nachholte.“ Die beiden blieben drei Nächte. Es folgten Brasilianer, Australier, Japaner. „München ist ein sehr beliebtes Ziel!“ Verniers Handy piepst – eine SMS. Die 39-Jährige blickt aufs Display. „Oh, nur noch 170 Kilometer.“ Eine junge Finnin fährt gerade aus Köln per Anhalter zu ihr. Sie ist zu einer Hochzeit in Zürich unterwegs. Das Brautpaar: Zwei Couch-Surfer, die sich über das Internet kennengelernt haben. So entstehen mit der Zeit Freundschaften über Grenzen hinweg. Alles beruht auf Gegenseitigkeit. „Ich war selbst schon in Portugal, Spanien, Neuseeland zu Gast und habe viele Freunde gefunden.“

Irgendwann wurde Vernier Couch-Surfing-Botschafterin, organisierte alle paar Monate Treffen der Münchner Mitglieder. Inzwischen treffen sie und ihre Gäste sich mehrmals in der Woche, zu „Sunny Sundays“ im Englischen Garten, zu Stadtbesichtigungen oder im Café. Mehr als 6500 registrierte Surfer gibt es mittlerweile in München. Vor kurzem hat Vernier den Botschafter-Job abgegeben, das Sofa aber bleibt kostenlos.

Was 2004 als privates Projekt in den USA anfing, zählt heute 1,4 Millionen Mitglieder weltweit. Das „Time Magazine“ wählte die Website in diesem Jahr unter die fünfzig besten Internetseiten.

Brie, kurz für Gabrielle, kam 1994 als Übersetzerin aus Michigan an die Isar. Sie wollte ihr Deutsch verbessern – und blieb. Schlechte Erfahrungen mit ihren Gästen hat sie bis jetzt nicht gemacht. Das liegt auch daran, dass es viele eingebaute Sicherheitsmechanismen gibt. Neue Surfer melden sich auf der Internetseite an, erstellen ein Profil mit den wichtigsten Infos. Die Gastgeber bewerten ihre Gäste anschließend, Freunde dürfen füreinander bürgen. Schwarze Schafe gibt es daher kaum. „Wenn jemand versucht, Geld zu kassieren, kann sich der Gast beschweren und der Gastgeber wird verwarnt.“

Christoph Behrens

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