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Münchens Wasser-Bosse: SWM-Abteilungsleiter Rainer List und Versorgungschef Stephan Schwarz (v. li.) vor dem „Wasserschloss“ bei Thalham, das über der Reisacher Grundwasserfassung erbaut wurde.

München mal billiger

Warum es bei uns Trinkwasser zum Schnäppchenpreis gibt

München - Trinkwasser ist in Deutschland vielerorts zu teuer. Das bemängelt das Bundeskartellamt und fordert stärkere Aufsicht. Doch die Münchner können sich entspannt duschen: Die Landeshauptstadt, sonst eher für hohe Preise bekannt, versorgt ihre Bürger billiger als fast alle anderen Großstädte mit Wasser.

„Wildwuchs und Intransparenz“ beklagen die staatlichen Wettbewerbshüter in einer aktuellen Studie zu Wasserpreisen in Deutschland. Im Schnitt zahlen die Verbraucher in deutschen Großstädten nach den Erkenntnissen der Kartellwächter zwischen 1,40 und 2,60 Euro pro Kubikmeter Trinkwasser. Mieter in Wohnanlagen kommen meist etwas billiger davon. In Einfamilienhäusern, die überall mit dem teuersten Tarif veranschlagt werden, kann es deutlich teurer werden.

Wie teuer, hängt davon ab, wo man wohnt. Hier ist, anders als bei vielen anderen Lebenshaltungskosten, weder ein Nord-Süd-, noch ein Ost-West-Gefälle auszumachen. Und München, die Stadt, die gemeinhin als besonders teuer gilt, glänzt mit besonders verbraucherfreundlichen Preisen: Unter 38 Großstädten, die das Kartellamt untersucht hat, steht es in der maßgeblichen Disziplin – dem Preis, den Privatkunden in Mehrfamilienhäusern zahlen müssen – glänzend da. 1,61 Euro netto kostet der Kubikmeter in der Modellrechnung des Kartellamts (siehe Grafik). Stuttgarter müssen fast 2,50 Euro zahlen.

Das hat zum Teil technische Gründe: Der Aufwand für Wassergewinnung, -aufbereitung und -verteilung ist je nach den geologischen Gegebenheiten sehr unterschiedlich. Doch das allein erklärt die große Preisspanne nicht. Wobei der Vergleich, wie die Kartellwächter selbst einräumen, nicht ganz einfach ist. Die Tarife sind so bunt und unübersichtlich wie Mobilfunkpreise. Zum reinen Kubikmeterpreis, der unterschiedlich gestaffelt ist, kommen Grundgebühren und weitere Zusatzkosten, die in jeder Stadt einem anderen Muster folgen. Das mag erklären, warum die Stadtwerke München sich selbst nicht auf dem Spitzenplatz einordnen: Beim Vergleich der Kosten, die für einen Durchschnittshaushalt mit 96 Kubikmeter Wasserverbrauch pro Jahr anfallen, liegt München demnach mit 171,94 Euro auf Platz drei hinter Köln (171,77 Euro) und Frankfurt (171,83 Euro). Hamburg ist 20 Euro teurer, Berlin reißt die 200-Euro-Hürde.

Die Münchner profitieren von einem Geschenk der Natur: Im Voralpenland gibt es nahezu unerschöpfliche Grundwasservorräte, und die Stadt hat sich beizeiten Wasserrechte gesichert. Rund 80 Prozent des Münchner Trinkwassers stammt aus dem Mangfalltal, wo schon 1880 die erste Quelle erschlossen wurde. Weitere Quellen liegen im Loisachtal bei Oberau und in der südlichen Münchner Schotterebene.

Durch mächtige unterirdische Rohrleitungen fließt das Quellwasser von dort nach München – dem natürlichen Gefälle folgend, ohne dass Pumpen, die teuren Strom verbrauchen, nachhelfen müssen.

Die Mengen sind beachtlich: Allein aus dem Mangfalltal rauschen pro Sekunde 2800 Liter Wasser gen München. Insgesamt braucht die Stadt täglich 300 Millionen Liter, um ihren Durst zu stillen. Würde man diese Menge in die Allianz Arena leiten, würde sie nach spätestens zehn Tagen überschwappen.

Was in den Hochbehältern im Forstenrieder Park, in Kreuzpullach und Deisenhofen ankommt, ist qualitativ besser als manches teure Mineralwasser. Es wird akribisch überwacht. Es muss nicht wie anderswo aufwändig aufbereitet werden, was ebenfalls Kosten spart. Dennoch glänzt das „M-Wasser“, wie es im Stadtwerke-Jargon heißt, mit traumhaft niedrigen Schadstoffwerten: Die regelmäßigen Kontrollen weisen Belastungen aus, die maximal zwischen einem Zehntel und einem Vierzigstel der geltenden Grenzwerte liegen.

Weitere Preisvorteile sieht SWM-Sprecher Christian Miehling darin, dass die Stadtwerke bei Betrieb und Unterhalt des Leitungsnetzes Synergien nutzen können: „Wir haben zum Beispiel eine gemeinsame Leitwarte für Strom, Gas, Wasser und Fernwärme“, so Miehling. Zudem seien die SWM als Mehrspartenunternehmen harte Konkurrenz gewohnt, etwa beim Strom. Deshalb sei das Unternehmen konsequent auf Effizienz ausgerichtet.

Das „Wasserschloss“ bei Thalham.

Aber es gibt auch Kostenfaktoren: Mit etwa einer Million Euro im Jahr fördern die Stadtwerke den ökologischen Landbau in den Quellgebieten. Das sei gut investiertes Geld, sagt Miehling, denn es helfe, die Belastung des Bodens und damit langfristig auch des Grundwassers mit Dünger- und Pestizidrückständen weit unter den gesetzlichen Grenzwerten zu halten. Die 40 bis 60 Kilometer langen Zubringerleitungen, die permanent gepflegt werden müssen, gehen ebenfalls ins Geld. Allein die neue Leitung aus dem Mangfalltal hat rund 180 Millionen Euro gekostet.

Und schließlich gilt es noch ein Leitungsnetz in der Stadt zu unterhalten, das stolze 3200 Kilometer lang ist. Angelegt ist es in Ringsystemen. Das soll gewährleisten, dass bei einem Defekt nicht ganze Stadtviertel plötzlich auf dem Trockenen liegen. Zudem ist das Netz in drei Druckzonen eingeteilt. Denn München ist nicht so flach, wie viele meinen. Zwischen dem höchsten Punkt in Solln und dem tiefsten in Feldmoching liegen 97 Meter; das entspricht fast 10 bar Wasserdruck. Würde man alle Münchner aus einem einzigen Leitungsnetz versorgen, dann würde im zweiten Stock in Solln kaum noch Wasser aus der Dusche tröpfeln, während in Feldmoching bei 11 Bar Druck Wasserhähne nicht dicht zu kriegen wären und Wasch- und Spülmaschinen den Dienst versagen würden.

Andere Kommunen blicken neidvoll auf die Wasserversorgung der bayerischen Landeshauptstadt. „München ist unser leuchtendes Vorbild“, sagt etwa Stephan Natz von den Berliner Wasserbetrieben. Das sieht wohl auch das Kartellamt so. Bisher, so Christian Miehling, hätten die Preiswächter sich hier noch nicht gemeldet.

Peter T. Schmidt

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