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Gutes Wetter und ein schönes Bier - das macht viele Münchner glücklich.

Flüchtlinge, Altersvorsorge und Co.

Große Umfrage: Wie die Münchner ticken und was ihnen wichtig ist

München - Wie ticken die Münchner? Was ist ihnen wichtig? Was lehnen sie ab? Eine neue Umfrage beschäftigt sich mit diesen Fragen. Die tz präsentiert die Antworten.

Wie zufrieden ist der Münchner? Wie gesund und wohl fühlt er sich? Und wie reagiert er auf Minderheiten - Flüchtlinge oder Arbeitslose? Die Stadt hat unter anderem genau diese Fragen gestellt und den Münchnern ins Hirn (beziehungsweise in die Seele) geschaut!

Bei einer großen Aktion des Sozialreferats und des Referats für Gesundheit und Umwelt wurden 16.000 Bewohner zu wichtigen aktuellen, sozialen und wirtschaftlichen Themen befragt. Ebenso ging es um Gesundheit und Umweltverhalten, um Fragen der Finanzen und der Altersvorsorge. Der Bogen umfasste 78 Fragen auf 14 Seiten. Teilgenommen haben jedoch nur rund 23 Prozent, insgesamt 3706 Antworten sind bei der Stadt eingetrudelt.

Unter den Teilnehmern waren mehr Frauen (56 Prozent) als Männer. 78 Prozent der Teilnehmer waren Deutsche. Die ersten Ergebnisse der großen städtischen Umfrage werden diese Woche dem Stadtrat vorgestellt. Der tz liegen sie bereits vor. Auf dieser Seite verraten wir Ihnen, wie wir Münchner wirklich ticken.

München ist weltoffen

Flüchtlinge in München.

Die Umfrage der Stadt belegt: Je zufriedener die Münchner sind, umso toleranter sind sie gegenüber anderen sozialen Gruppen. Über 70 Prozent der Befragten finden, dass eine Vielfalt von Religionen gut für München ist. Auf die Frage, ob Migranten das Leben in München bereichern, haben 66 Prozent der Teilnehmer mit "Ja" geantwortet. Gleichzeitig hält die Mehrheit der Befragten -67 Prozent - Zuwanderer für Integration selbst verantwortlich. Und: Zwar sind 78 Prozent der Teilnehmer zufrieden damit, wie München im Vorjahr die Flüchtlinge aufgenommen hat. Dass die Stadt solch einen Zustrom noch einmal bewältigen könnte, glauben aber nur 39 Prozent der Befragten. Immerhin: Zumindest mehr als die Hälfte der Münchner ist der Meinung, dass Flüchtlinge die Kriminalität in der Stadt nicht erhöhen. 

München ist zufrieden

Die Münchner leben gern in der Landeshauptstadt - das verraten die Zahlen. 61 Prozent der Befragten fühlen sich hier sogar sehr wohl. Lediglich 0,3 Prozent der Teilnehmer gaben an, sich in München gar nicht wohl zu fühlen. Das sind elf Menschen - von über 3700!

Deutliche Unterschiede ergeben sich auch, wenn man sich die Zufriedenheit mit einzelnen Lebensbereichen ansieht. Demnach klagen zum Beispiel 23 Prozent der Teilnehmer über ihre finanzielle Situation. Gleich danach sind 14 Prozent der Befragten sowohl mit der Nachbarschaft, den Arbeitsbedingungen und der Wohnung unzufrieden. Das gilt sowohl für Frauen und Männer - einziger Unterschied ist das Geld. Dort sind 26 Prozent der weiblichen und 20 Prozent der männlichen Befragten mit der finanziellen Situation unzufrieden.

München ist gesund

Viktoria Ostler als Münchner Kindl.

Die Umfrage zum Thema Gesundheit umfasst eine Vielzahl von Unterpunkten. Bei dem rein subjektiven Gefühl, wie gesund man sich fühlt, gaben immerhin 24 Prozent der befragten Münchner "sehr gut" als Antwort an. 53 Prozent fühlen sich "gut", 19 Prozent eher "mittelmäßig". Vier beziehungsweise ein ­Prozent gab an, der Gesundheitszustand sei schlecht oder sehr schlecht. Die Auswertung nach Altersgruppen zeigt bemerkenswerte Unterschiede: 29 Prozent der jungen Erwachsenen (bis 24 Jahre) und 41 Prozent der 25- bis 44-Jährigen schätzen ihre Gesundheit als sehr gut ein. Bei den 45- bis 64-Jährigen sind es nur noch 20 Prozent, bei den Befragten über 65 Jahren lediglich sieben Prozent. Dort gaben neun Prozent an, ihr Gesundheitszustand sei schlecht oder sehr schlecht.

Hilfsbereitschaft

Die Stadt wollte wissen, wie leicht oder schwer es ist, in München Hilfe zu bekommen, wenn man sie benötigt. Dabei besteht offenbar ein deutlicher Unterschied - je nach Einkommen. Je niedriger das ist, umso schwieriger schätzen es die Befragten ein, Hilfe zu erhalten. Und als ­besonders schwer wird das von Menschen mit Migrationshintergrund erachtet. Ein großer Teil der Befragten hat drei bis fünf Menschen, auf die er sich bei persönlichen Problemen verlassen kann. Nur zwei Prozent gaben an, keinen solchen Menschen zu kennen.

Arbeitslosigkeit

Die Einstellung der Münchner zur Arbeitslosigkeit hängt davon ab, wer schon mal arbeitslos war. So stimmen 68 Prozent derer, die in den vergangenen fünf Jahren nicht auf Arbeitssuche waren, für eine stärkere Unterstützung für die berufliche Integration von Langzeitarbeitslosen. Die gleiche Gruppe gibt aber auch häufiger an, dass man in München selbst an der Arbeitslosigkeit schuld sei. Lösungsansatz: Sie plädieren häufiger für Leistungskürzungen und fordern häufiger, dass Arbeitslose Umschulungen absolvieren sollten.

Öko und Umwelt

58 Prozent der Befragten achten darauf, dass ihre Lebensmittel aus ökologischem Anbau stammen. 75 Prozent der Teilnehmer sind gar bereit, für umweltfreundliche Produkte mehr Geld auszugeben. Viele Münchner (86 Prozent) machen sich Sorgen, welche Umweltprobleme auf künftige Generationen zukommen werden. 70 Prozent sind überzeugt, dass die Umwelt nur zu retten ist, wenn weniger konsumiert wird. Und: 77 Prozent glauben nicht, dass Wissenschaft und Technik die Umweltprobleme lösen werden.

Altersvorsorge

72 Prozent der Befragten geben an, in der Regel monatlich einen gewissen Betrag sparen oder ­zurücklegen zu können, etwa für größere Anschaffungen, für Notlagen oder zur Vermögensbildung. Elf Prozent verfügen jedoch über gar keine Wertanlagen. Und 20 Prozent der Haushalte, in denen die Befragten leben, verfügen über keine privaten Vorsorgeformen. Die am häufigsten vorhandene ist die private Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherung, gefolgt von selbst bewohnten Immobilien und privaten Pflege- sowie Zusatzversicherungen.

S. Karowski

Umfrage zur Altersvorsorge

"Ich habe früher als Sozialpädagogin gearbeitet. Allein mit meiner kleinen Rente könnte ich nicht auskommen. Zum Glück hat mein Arbeitgeber damals als Altersvorsorge eine Betriebsrente eingerichtet. Dadurch habe ich nun rund 500 Euro mehr im Monat. Bei 660 Euro Mietkosten allein für meine kleine Wohnung brauche ich das heute natürlich."

Edeltraud Blattner (80), Rentnerin aus München

"Ich habe für das Alter gut vorgesorgt. Zum einen habe ich meine Rente als Anwaltsgehilfin. Zudem habe ich vor gut 30 Jahren eine Lebensversicherung abgeschlossen. Sogar eine Sterbeversicherung habe ich laufen, damit meine Kinder keine Kosten haben, wenn ich mal das Zeitliche segne. Außerdem bekomme ich noch die Rente meines Mannes. Dadurch reicht es."

Rena Gautzsch (73), Rentnerin aus München

"Ganz ehrlich: Ich habe zum Glück Haus und Hof. Was heißen soll, dass ich eine Immobilie geerbt habe. Dadurch habe ich jeden Monat sichere Mieteinnahmen. Das ist meine Altersvorsorge. Dazu kommt natürlich noch meine Pension als verbeamteter Eisenbahner. Das war's und das reicht auch. Eine Lebensversicherung habe ich schon lange nicht mehr."

Heinrich Tigges (69), Pensionär aus München

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