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3700 Fragebögen hat die Stadt ausgewertet: Das Ergebnis: München ist schön, aber auch voller Probleme – insbesondere auf dem Wohnungsmarkt.

Umfrage der Stadt

Die Münchner sind zufrieden, aber immer ärmer

München - Wie fühlen sich die Münchner? Das wollte die Stadt wissen und hat ihre Bürger befragt. Die meisten Münchner, das zeigt das Ergebnis, sind zufrieden und weltoffen. Doch es zeigen sich auch Ängste. Und: Es ist immer mehr Geld nötig, um nicht unter die Armutsgrenze zu rutschen.

16.000 Münchner waren vom Sozial- und vom Gesundheitsreferat nach dem Zufallsprinzip angeschrieben worden. Rund 3700 Bürger schickten den Fragebogen mit 78 Fragen zur sozialen und gesundheitlichen Lage der Bevölkerung zurück. Das Ergebnis zeigt, dass die Münchner sich größtenteils wohlfühlen in der Stadt, dass es den meisten gesundheitlich gut geht und viele weltoffen und tolerant sind. Geld spielt aber eine sehr große Rolle fürs Wohlbefinden. Zwar können noch drei Viertel der Befragten jeden Monat Geld zurücklegen, doch die Armutsschwelle steigt. Vor fünf Jahren galt noch als arm, wer weniger als 1000 Euro im Monat zur Verfügung hat. Nun ist schon arm, wer weniger als 1350 Euro hat.

61 Prozent der befragten Münchner fühlen sich in München sehr wohl, weitere 35 Prozent eher wohl. Nur 0,3 Prozent der Befragten gaben an, sich gar nicht wohlzufühlen. Sehr unterschiedlich fallen die Angaben dazu aus, womit die Münchner unzufrieden sind: Geld scheint eine große Rolle zu spielen, denn ganze 23 Prozent sind mit ihrer finanziellen Situation unzufrieden. Ihre Nachbarschaft stört 14 Prozent, ebenso viele sind unzufrieden mit ihren Arbeitsbedingungen und ihrer Wohnung.

42 Prozent der Befragten haben drei bis fünf Personen in ihrem Umfeld, auf die sie sich bei Problemen verlassen können. Nur zwei Prozent gaben an, niemanden zu haben, auf den in der Not Verlass ist.

Bei diesem Thema gehen die Aussagen weit auseinander. Und: Es offenbaren sich starke Bedenken und Ängste.  Zwar glauben fast drei Viertel der Befragten, dass es gut für die Stadt ist, wenn es eine Vielfalt unterschiedlicher Religionen gibt. 66 Prozent glauben, dass Migranten das Leben in der Stadt bereichern. Bis dahin spiegelt sich eine tolerante Haltung gegenüber Zuwanderern wider.

Doch: 53 Prozent der Befragten sehen in der starken Zuwanderung „eine Gefahr für die hier geltenden Werte“. Zwei Drittel sind darüber hinaus der Meinung, dass vor allem die Zuwanderer selbst verantwortlich sind für eine gelungene Integration.

35 Prozent der Befragten wollen keine Flüchtlingsunterkunft in ihrem Wohnviertel. Mehr als die Hälfte stimmt der Aussage nicht zu, Flüchtlinge würden die Kriminalität nicht erhöhen. Und: 21 Prozent stimmen voll oder eher zu, dass „Flüchtlinge gefährliche Krankheiten mitbringen“. Dabei haben nur elf Prozent direkten Kontakt mit Flüchtlingen, 86 Prozent haben diesen nicht.

Zwar sind 78 Prozent der Interviewten stolz darauf, wie die Münchner die Flüchtlinge aufgenommen haben. Gleichzeitig sind aber nur 39 Prozent der Meinung, München könne die Aufnahme weiterer Flüchtlinge verkraften.

Ihren Gesundheitszustand schätzen 24 Prozent der Befragten als sehr gut ein, weitere 53 Prozent als gut. Die Einschätzung verschlechtert sich mit zunehmendem Alter – und verbessert sich mit steigendem Einkommen.

Auf die Frage nach konkreten Erkrankungen wird von 24 Prozent der Interviewten Bluthochdruck genannt, 19 Prozent haben Allergien, 15 Prozent Arthrose, 14 Prozent erhöhte Cholesterinwerte und ebenso viele Rückenschmerzen. Fünf Prozent der Befragten leiden an einer Krebserkrankung, sechs Prozent geben eine psychische Erkrankung an. 57 Prozent der Münchner sind normalgewichtig, 29 Prozent übergewichtig und elf Prozent sogar krankhaft übergewichtig.

Umweltthemen

Erstaunlich viele Menschen greifen zu Öko-Produkten. 58 Prozent der Befragten achten darauf, dass ihre Lebensmittel aus ökologischem Anbau sind – und drei Viertel sind sogar bereit, für umweltfreundliche Produkte mehr Geld auszugeben, zumindest auf dem Papier. 86 Prozent der Befragten sorgen sich, welche Umweltprobleme auf künftige Generationen zukommen werden. Und: 71 Prozent wollen, dass München so umgestaltet wird, dass der Einzelne kaum noch auf ein Auto angewiesen ist.

Einkommen

Aus dem Ergebnis der Befragung geht ein durchschnittliches Haushaltsnettoeinkommen von 5330 Euro pro Monat hervor. Dieser Wert ist aber durch hohe Einkommen verzerrt, so haben neun Prozent der Befragten ein Haushaltseinkommen von 7000 Euro und mehr.

Deshalb schauen die Statistiker auf den sogenannten Meridian, also die Linie, mit der sich die Befragten in zwei gleich große Gruppen aufteilen lassen. Für München liegt er bei 3330 Euro, das heißt, eine Hälfte hat mehr als 3330 Euro Nettoeinkommen im Monat zur Verfügung, die andere weniger. Hieraus errechnet sich die Armutsgrenze – und diese liegt bei 1350 Euro für einen Alleinstehenden. Demnach sind 17 Prozent der Befragten arm, neun Prozent sind reich.

17 Prozent der Befragten kommen mit dem zur Verfügung stehenden Geld schlecht oder sehr schlecht aus. Ein Viertel aller Interviewten hat als Konsequenz Angst vor einem sozialen Abstieg.

Mietbelastung

Im Schnitt müssen die Münchner 32,5 Prozent ihres Haushaltsnettoeinkommens für Miete oder Zins und Tilgung einer selbst bewohnten Immobilie ausgeben.

Je geringer das Einkommen, desto härter schlägt die Belastung durch Mietausgaben zu Buche. 45 Prozent der armen Haushalte müssen mehr als die Hälfte ihres verfügbaren Einkommens für die Miete ausgeben. Bei 38 Prozent der reichen Haushalte macht die Miete dagegen nicht einmal zehn Prozent ihres Einkommens aus. Immerhin 32 Prozent der Befragten verfügen über eine selbst bewohnte Immobilie.

Elf Prozent der Befragten haben keinerlei Wertanlagen in der Hinterhand. 71 Prozent haben ein Sparbuch oder Tagesgeldkonto, 39 Prozent haben Aktien oder Fonds, 38 Prozent eine Lebensversicherung und 30 Prozent einen Bausparvertrag.

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