Die Lage ist perfekt: Die Buchhandlung Heinrich Frank an der Schellingstraße. foto: Schlaf

Uni-Buchhandlung Frank ist insolvent

München - Seit 135 Jahren kommen Studenten in die Universitätsbuchhandlung Heinrich Frank. Jetzt steckt der Laden, der für seine französische Literatur bekannt ist, in Finanznöten: Der Inhaber hat Insolvenz angemeldet, ein Investor wird gesucht. Der Betrieb läuft vorerst weiter.

Es ist schon erstaunlich. Da liegt die Buchhandlung Heinrich Frank inmitten des Univiertels, die Schelling-Mensa, in der Geisteswissenschaftler speisen, ist nur ein Stockwerk höher gelegen - und jetzt droht dem Geschäft das Aus.

Dabei war und ist der geräumige Laden an der Schellingstraße eine Institution. Warum online bestellen, wenn Philosophen und Politikwissenschaftler hier ihre Literatur, von Adorno bis Zizek, finden - auf dem Weg vom Hörsaal zur U-Bahn? Genauso geht es Germanisten oder Theologen, die auf der Suche nach ihren Büchern bei Frank garantiert fündig werden: Kein Buch, dass Inhaber Martin von Rudloff und seine sechs Mitarbeiter nicht auf Anhieb kennen, auf Lager haben oder binnen eines Tages bestellen. Neuerscheinungen sind sofort in den Regalen, selbst wenn es sich dabei um Werke weniger bekannter Theoretiker handelt. Vor allem Romanisten schätzen die Buchhandlung - das Sortiment der „Librairie Française“ im ersten Stock hat den Laden weit über Münchens Grenzen hinaus bekannt gemacht.

Doch schon seit einiger Zeit nahmen Studenten verwundert zur Kenntnis, dass das Sortiment dünner wurde. Immer öfter bekamen sie zu hören, dass ihr Buch nicht bestellt werden könne. Jetzt ist klar: Die Belieferung des Geschäfts mit Literatur stockte, weil Martin von Rudloff in finanzielle Schwierigkeiten geraten war. Anfang vergangener Woche hat der 62-Jährige, der seit 1982 im Laden arbeitet und ihn 1996 vom Voreigentümer erwarb, beim Amtsgericht München die Insolvenz beantragt. Die Verlagerung des Buchhandels hin zum Online-Handel und ein seit Jahren bestehender Investitionsstau im Geschäft hätten schon seit einigen Jahren zu Kundenabgängen geführt, so von Rudloff. „Letztlich fehlten uns dann die Gelder, um unser gut sortiertes und breit gefächertes Sortiment zu bewahren.“

Das Amtsgericht hat nun den Rechtsanwalt Rolf G. Pohlmann zum vorläufigen Insolvenzverwalter ernannt. Pohlmann ist kein Unbekannter in der Branche - 2009 gelang ihm die Rettung der Buchhandlung „Geobuch“ im Rosental. Nun ist die Hoffnung groß, dass ihm das auch mit Frank gelingt, der seit 1879 an der Schellingstraße ist. Pohlmann ist zuversichtlich: „Der Sortimentsbuchhandel ist zwar einer Verdrängung durch Versandbuchhandel und e-book ausgesetzt, das gilt jedoch nicht für bestimmte Nischenprodukte.“ Die Buchhandlung Frank habe mit ihrer exponierten Lage inmitten der Unigegend einen beachtlichen Standortvorteil und vor allem einen über Jahrzehnte erarbeiteten guten Ruf.

Pohlmann sagte zu, den Betrieb mit dem Ziel einer dauerhaften Sanierung weiterzuführen. Die Löhne würden über eine Vorfinanzierung der Insolvenzgeldansprüche gesichert. Zudem hat Pohlmann Kontakt zu Lieferanten aufgenommen, um den ordnungsgemäßen Fortgang des Geschäftsbetriebs zu sichern - und er sucht einen Investor: Bei Beseitigung des Investitionsstaus böte die Buchhandlung erhebliches Ertragspotential.

Bettina Stuhlweissenburg

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