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Die auf der Flucht vor der Polizei erschossene Kuh liegt am 02.09.2014 auf der Theresienwiese in München.

Gericht sieht keine fahrlässige Körperverletzung

Flüchtende Kuh verletzt Frau - Viehhändler freigesprochen

München - Mit einem Freispruch für den Viehhändler ist vor dem Amtsgericht München der Prozess um die Attacke einer entwischten Kuh auf eine Joggerin zu Ende gegangen. Das Gericht sprach den 50-Jährigen am Montag vom Vorwurf der fahrlässigen Körperverletzung frei.

Morgens eine Runde um die Theresienwiese joggen – so begann der Tag für Marketing-Assistentin Julia D. (28, Name geändert). Bis sie am 2. September 2014 plötzlich von einer wilden Kuh umgerannt wurde – mitten in der Stadt!

Am Montag musste Viehhändler Ludger R. (50) vor Gericht. Ihm war die Kuh vom Schlachthof ausgebüxt, als er sie abgeladen hatte. Durch ein offenes Tor rannte sie in Richtung Oktoberfest-Gelände und geriet in Panik. Die schlimme Folge: Mit voller Wucht nahm sie Julia D. von hinten auf die Hörner – und verletzte sie schwer an Rücken, Armen und am Kopf.

„Ich habe Musik gehört. Plötzlich hat mich ein Schlag von hinten getroffen“, sagt Julia D. „Ich hörte noch, wie der Sanka kam. Dann wurde ich bewusstlos.“ Drei Tage lang musste sie ins Krankenhaus. Diagnose: Gehirnerschütterung und schwere Prellungen. „Danach war ich noch drei Wochen lang krankgeschrieben“, sagt Julia, die von der Attacke auch ein Trauma davon getragen hat und seither regelmäßig zum Psychotherapeuten muss.

Schuld an dem Vorfall soll der Viehhändler sein. Ihm wirft die Staatsanwaltschaft fahrlässige Körperverletzung vor. „Nach dem Abladen am Schlachthof wurde ich ins Büro gerufen. Als ich wieder kam, war die Kuh schon weg“, sagt Ludger R. Er verfolgte das Tier sogar noch mit dem Auto. Aber vergebens. „Von der Herde getrennt, drehen Kühe durch. Ich sagte der Polizei, dass sie sie erschießen müssen.“ Durch mehrere Kugeln starb das Tier dann auch. „Ich deckte sie noch mit einem Schlafsack zu“, sagt Ludger R., der die Tat bestreitet.

Seine Anwältin Katharina Wild: „Der Schlachthof hätte die Verantwortung übernehmen müssen.“ So sah es auch ein Experte der Berufsgenossenschaft. Deshalb sprach Richter Peter Maixner den Viehhändler am Ende frei. Bitter für Julia D.: Sie kann bis heute nicht joggen, leidet unter Angstattacken. Mögliche Schmerzensgeldansprüche muss sie nun in einem neuen Verfahren gegen den Schlachthof richten.

Andreas Thieme

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