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Klaus und Susanne S. zahlten 1041,25 Euro, um ihre Wohnung zu kriegen.

Verstoß gegen Bestellerprinzip

Makler zockte Paar ab: Gericht verurteilt ihn

Auf dem Wohnungsmarkt gilt seit einem Jahr das Bestellerprinzip. Weil ein Makler in Unterschleißheim ein Paar dennoch abzockte, wurde er nun verurteilt.

Ein Jahr lang haben sie gesucht. Etliche Wohnungen angeschaut, aber keine bezahlbare gefunden. Dann endlich hatten Klaus und Susanne S. Glück! Für die Alleestraße in Unterschleißheim machte ihnen ein Makler ein Angebot. Zwei Zimmer. 72 Quadratmeter. 1033 Euro warm. „Nicht günstig. Aber für uns machbar. Wir waren einfach nur erleichtert.“ Wenn da nicht die Sache mit der Maklergebühr gewesen wäre…

Seit dem 1. Juni 2015 gilt das Bestellerprinzip. Seither muss der Vermieter den Makler zahlen, wenn dieser ihm einen passenden Mieter vermittelt. Bei Klaus und Susanne S. lief das aber genau andersherum: „Wir wurden unter Druck gesetzt“, sagen sie. „Sonntags durften wir zur Besichtigung kommen. Dann legte der Makler uns eine Rechnung hin und sagte: Wenn wir nicht sofort bar bezahlen, kriegt jemand anders die Wohnung.“ In ihrer Not hebt das Paar 1041,25 Euro ab, wie gefordert. „Die Stimmung war furchtbar. Draußen regnete es in Strömen, der Winter nahte. Und der Makler redete auf uns ein. Wir hatten einfach Angst, dass wir nichts anderes mehr kriegen“, sagt Susanne S. Damit sie am 15. November einziehen konnten, ließen sie die dreiste Masche über sich ergehen. „Aber wir fühlten uns klar genötigt“, sagt Klaus S. Ihr letzter Ausweg: der Gang zum Rechtsanwalt.

Makler zeigt sich kleinlaut

Die Rechtsanwälte Alexander Walther und Martin Klimesch

„Die Forderung des Maklers ist unberechtigt“, sagt Martin Klimesch, der auf Miet- und Immobilienrecht spezialisiert ist. Er vertrat das Paar gestern mit seinem Kollegen Alexander Walther in einem Zivilprozess vor dem Münchner Amtsgericht, wo beide Klage gegen den Makler eingereicht hatten. „Es gibt keine Möglichkeit, die Regelung des Bestellerprinzips zu umgehen“, erklären die Juristen. Das musste auch der Makler einsehen, der vor Gericht kleinlaut seine Machenschaften einräumte. Ihm legte Richterin Wolfrum nahe, seinen Einspruch zurückzunehmen und den Mietern ihr Geld zurückzuzahlen. Im schlimmsten Falle drohen ihm sonst bis zu 25 000 Euro Geldbuße.

„Für uns wäre die Sache damit abgeschlossen“, sagen Klaus und Susanne S. Die Probleme aber bleiben: „Immobilienmakler ist kein geschützter Beruf. Etliche haben es seit der Gesetzes­änderung schwer“, sagt Martin Klimesch. „Die hohen Mietpreise in München und im Umland zeigen auch hier ihre Auswirkungen.“

Erst unter gerichtlichem Druck hatte der Makler im aktuellen Fall von seiner Forderung abgesehen. „Das ist eine ganz fiese Tour“, sagt Anja Franz vom Mieterverein München. „Hier wurde eindeutig der angespannte Wohnungsmarkt ausgenutzt“, sagt sie.

Druckmittel Wohnungsmarkt: Makler nutzen Situation aus

Denn: „Die Makler sind immer noch diejenigen, die viele Wohnungen an der Hand haben, und die Suchenden tun alles, um eine Wohnung bekommen.“

Die Konsequenz liegt auf der Hand: Viele Wohnungssuchende bezahlen die Gebühr trotzdem, wenn es der Makler verlangt. Anja Franz glaubt, dass die Dunkelziffer in derartigen Fällen hoch ist – wer in der Zwickmühle ist, löhnt lieber den Makler, als eine weitere Absage zu kassieren. „Wohnungssuchende fürchten zu Recht, abgelehnt zu werden“, sagt Franz. „Das Paar hat es genau richtig gemacht: Erst die Wohnung gesichert und dann Klage eingereicht.“

So geht die Geschichte von Klaus und Susanne S. aus Unterschleißheim am Ende dann doch gut aus. Mittlerweile wohnen sie seit einem halben Jahr im neuen Zuhause. Und binnen zwei Wochen kriegen sie ihr Geld nun wieder zurück.

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