An den ehemaligen Stadttoren

Klo-Kunst in der Münchner Innenstadt

München - In der Innenstadt stehen derzeit fünf ungewöhnliche Klohäuserl herum. Was hinter der Aktion steckt, erfahren sie hier:

Hier sehen Sie ein weiteres Beispiel von Kunst im öffentlichen Raum – eine heikle Sache, wie auch der Initiator des Projekts mobi – Kunst mit Klos bestätigt. Schließlich will man einerseits einen Kontrapunkt setzen zu dem, was man zu sehen gewohnt ist. Andererseits will man die Kunst ja auch genau auf ihre Umgebung abstimmen.

Jetzt können Sie sich fragen: Und was haben die fünf Klohäuserl – beim Marienhof, in der Rosenstraße, an der Grenze Kaufinger-/Neuhauser Straße, Weinstraße und im Tal vor Heilig Geist – mit Kunst zu tun? Ist das nicht Kunst für den A…llerwertesten?

So leicht ist es nicht. Denn erstens stehen die Häuserl genau an den Positionen der ehemaligen Tore der ersten Stadtmauer – wer in ein paar Minuten alle Kunstwerke abläuft, kriegt einen Eindruck, wie klein „Munichen“ einst war. Zudem bilden die individuell gestalteten Boxen einen pfiffigen, nicht aufdringlichen Kontrapunkt zum Alltag – auch zu etlichen Dixi-Dingern, die man in der Stadt sieht. Maximilian Schmölz etwa zersägt sein Klo in lauter kleine Postkarten. Funda Gül Öczan hat ihr Klo als Edel-Handtasche gestaltet und auf die Nobel-meile Weinstraße gestellt.

Das Projekt kostet 12 000 Euro, jeder Künstler kriegt 500 Euro; die Firma mobi stellt die Erleichterungs-Etablissements und die Anfahrt, zudem teilen sich neun Sponsoren das Projekt von art.homes, einer Privat-Initiative.

Mehmet Dayi (52) ist Kurator und Initiator des Projekts. Er ist beim Kulturreferat angestellt und sagt: „Die Klohäuschen sind auch ein Symbol für unsere leichtfertige Müllproduzier-Gesellschaft. Dazu ein Appell an alle Menschen, zweimal hinzuschauen: Schließlich geht es bei der Kunst nicht darum, einfach ,schön‘ zu sein, sondern Bilder in den Köpfen zu hinterlassen und etwas zu bewegen.“

Dayi und sein Team wollen Diskussion. Über Kunst oder Müll, über Kritik oder Lob kann man mit ihnen sprechen und Führungen mitmachen, die täglich um 18 Uhr am Standort Dienerstraße eine Stunde lang über die Bühne gehen. Das kostet nichts. Und vielleicht sieht man seine Stadt und die Kunst danach mit ein wenig anderen Augen.

Klosprüche & Plaudern

Der Künstler Klaus von Gaffron (Jahrgang 1946) macht bei seinen etwas anderen „Lesungen“ das stille Örtchen zum lauten Ort – und integriert auch gerne seine Umgebung, grüßt freundlich Polizisten, spricht mit neugierigen Passanten. Ansonsten darf es auch vulgär zugehen, schließlich geht’s ja um die Verdauungs-Prozesse. Die insgesamt fünf Kunst-Klos in der Innenstadt werden allerdings nur dann zur Bühne, wenn sie bewegt werden. Ansonsten stehen sie nur rum. Gaffron ist übermorgen um 18 Uhr in Aktion (Rosenstraße).

Matthias Bieber

Rubriklistenbild: © Jantz

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