Graugans stirbt an H5N8-Erreger

Die Vogelgrippe erreicht München - das ist nun zu tun

Die Vogelgrippe ist in München angekommen. Laut Kreisverwaltungsreferat (KVR) ist eine tote Graugans, die vergangenen Donnerstag am Ufer des Hinterbrühler Sees gefunden wurde, am hochansteckenden H5N8-Erreger gestorben. Das KVR mahnt Tierhalter zur Vorsicht.

Die Untersuchungen des Bayerischen Gesundheitsamtes lassen keinen Zweifel: Bei der tot aufgefundenen Gans vom Hinterbrühler See in Thalkirchen handelt es sich um einen Fall von Vogelgrippe. Für die Münchner bedeutet das nun vor allem eines: erhöhte Vorsicht. „Hunde und Katzen sollte man im Uferbereich aller Gewässer in München nicht frei laufen lassen“, empfiehlt KVR-Sprecher Johannes Mayer. Einen direkten Kontakt der Haustiere zu toten oder kranken Vögeln solle man vermeiden. „Durch Beschnuppern könnten sie den Erreger weiter verschleppen.“ Außerdem seien die Viren über Ausscheidungen, Fahrzeuge, Personen, Futter oder Wasser übertragbar.

Norbert Rehm, Tierseuchenexperte am Bayerischen Umweltministerium, warnt vor allem Geflügelhalter vor dem hohen Infektionsrisiko. „Im Grunde muss sich jeder Mitarbeiter sagen: Ich bin ein Chirurg und gehe jetzt in den OP, bevor er einen Stall betritt.“ Selbst bei gründlicher Desinfektion blieben Sicherheitslücken, zum Beispiel durch Futtermittellieferungen oder Filteranlagen. „Geflügelbetriebe sind einfach keine Hochsicherheitslabore.“

Auch der Tierpark Hellabrunn trifft deshalb bereits erste Vorsorgen. Seit gestrigem Mittwoch dürfen Pelikane und Flamingos nicht mehr ins Freigehege, wie eine Sprecherin sagte. Das sei eine freiwillige Maßnahme der Zooleitung. Die Vogelgrippe-Fälle häuften sich, und jetzt habe man noch die Chance, die Tiere zu schützen. „Das sind Vorsichtsmaßnahmen, weil man nicht weiß, wie sich das Virus hier verbreitet. Es gibt ja auch Wildvögel im Tierpark“, sagte die Sprecherin. Für die Besucher sei der Unterschied durch den Hausarrest jedoch nicht zu groß, denn die Flamingos und Pelikane seien in ihrer Unterkunft dennoch zu sehen und ein Teil der Vögel dürfte ums diese Jahreszeit auch ohne Vogelgrippe nicht mehr ins Freie. In Hellabrunn gibt es etwa 1000 Vögel in 100 unterschiedlichen Arten.

Bereits am 18. November hat das Bayerische Umweltministerium eine allgemeine Stallpflicht für Haus- und Nutzgeflügel im Freistaat erlassen. Das KVR zog noch am selben Tag nach und veröffentlichte eine ähnliche Verfügung, die konkret für die Stadt München gilt. Demnach muss selbst, wer sein Geflügel nur zum Privatvergnügen hält, seinen Stall bis auf weiteres geschlossen halten. „Auch Geflügelausstellungen und -märkte sind verboten“, betont Johannes Mayer. Überdies müssten alle Münchner Geflügelhalter, die ihre Tiere noch nicht gemeldet haben, unverzüglich beim Städtischen Veterinäramt vorsprechen.

„Was die Schutzmaßnahmen betrifft, sind wir aktuell gut aufgestellt“, sagt Norbert Rehm. Auch alle, die bereits um ihre Weihnachtsgans fürchten, kann er beruhigen. „Der Verzehr von Geflügel ist absolut unbedenklich.“

Johannes Mayer bestätigt das. „Bei der Vogelgrippe handelt es sich um eine reine Tierseuche, das hat mit dem Menschen überhaupt nichts zu tun.“ Weltweit sei bislang keine Infektion eines Menschen mit dem H5N8-Virus nachgewiesen. Dennoch solle man davon absehen, tote Vögel anzufassen. „Wer ein totes oder verletztes Tier findet, meldet es am besten direkt dem Städtischen Veterinäramt.“ Die Telefonnummer lautet 089/23 33 63 13.

Von Marian Meidel, Katrin Woitsch und Ute Wessels

Katrin Woitsch

Katrin Woitsch

E-Mail:Katrin.Woitsch@merkur.de

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