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Löcher buddeln für die Berberitzen: Kinder der Grundschule an der Gertrud-Bäumler-Straße pflanzen eine Hecke – die Blüten sollen schon bald Insekten anlocken, welche Spatzen als Nahrung für ihren Nachwuchs benötigen.

Tierschutz in der Stadt

Warum Schüler eine Hecke für Spatzen pflanzen

München - Die Spatzen pfeifen aus dem letzten Loch: Der Singvogel steht 2016 in Bayern erstmals auf der Vorwarnliste der gefährdeten Arten. Grundschüler aus Neuhausen haben eine Hecke für Spatzen gepflanzt – damit die Vögel auch in der Stadt wieder Nahrung für ihren Nachwuchs finden.

Die Frage scheint einfach: Wie sieht ein Spatz aus? Ein Bub glaubt die Antwort zu kennen: „Schwarz, mit einem gelben Schnabel“, sagt er. Die anderen Kinder schütteln den Kopf. Nein, das ist doch eine Amsel! Ein Spatz ist braun, klein und hat einen kräftigen Schnabel.

Früher sah man sie an jeder Ecke, doch in Großstädten gibt es heutzutage kaum noch Spatzen. 

Für die Kinder der Grundschule an der Gertrud-Bäumler-Straße steht am Mittwoch eine kleine Spatzenkunde auf dem Stundenplan der Ferienbetreuung. Danach wollen Lorena Heilmaier und Sylvia Weber vom Landesbund für Vogelschutz mit den Grundschülern eine Hecke pflanzen. Für die Haussperlinge, wie die Spatzen eigentlich heißen. Mit Projekten wie diesem will der Verein den Großstadtkindern Tiere und Natur auf anschauliche Weise näher bringen. Damit keine schwarzen Spatzen in den Köpfen nisten.

Doch wozu die Hecke? „Die Haussperlinge finden in der Stadt zu wenige Insekten“, erklärt Sylvia Weber. „Die brauchen sie aber, um ihren Nachwuchs zu ernähren. Wir pflanzen heute eine Berberitze, die in Bayern heimisch ist. Die Blüten locken Insekten an.“

Ausgerechnet am Pflanztag regnet es. Lorena Heilmaier steht im Matsch hinter dem Pausenhof und zeigt auf einen Nistkasten in rund fünf Metern Höhe. „Da in den Löchern sollen die Spatzen wohnen – ein paar sind auch schon eingezogen“, sagt sie. Den Spatzenturm hat die Stadt München aufgebaut, weil das Schulhaus derzeit saniert wird. Früher nisteten die Vögel in Nischen in der Fassade, doch das Baugerüst nahm ihnen ihr trautes Heim.

Mit Gartenhandschuhen und kleinen Schaufeln ausgestattet machen sich die Kinder ans Werk: Rund um den Spatzenturm buddeln sie Löcher für die noch recht mageren Sträucher. Sobald sie zu einer prächtigen Hecke herangewachsen sind, dienen die Blüten den Vögeln als Insekten-Supermarkt direkt vor der Haustür.

Ein neuer Spatzenturm steht hinterm Pausenhof. Seit die Fassade des Schulhauses saniert wird, fehlen Nistplätze.

Die Pflanzaktion ist Teil des Projekts „Der Spatz als Botschafter der Stadtnatur“, die der Landesbund für Vogelschutz ins Leben gerufen hat, unterstützt vom bayerischen Umweltministerium. In den Städten sollen wieder Lebensräume für Spatzen und andere Siedlungsvögel geschaffen werden. Auch jeder Bürger kann seinen Beitrag leisten, damit die Singvögel nicht aussterben. Sylvia Webers Appell an alle Gartenbesitzer: „Denken Sie an die Vögel!“ Statt irgendwelche Pflanzen zu kaufen, die nur hübsch aussehen, sollte man sich informieren, welche Arten hier heimisch sind. „In der Gärtnerei kann man sich beraten lassen.“

Denn es wäre doch traurig, wenn irgendwann keine Spatzen mehr von den Dächern trällerten.

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