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Die IsarCard60 gilt wochentags nicht zwischen 6 und 9 Uhr

Es geht um die IsarCard

Diskriminierung? Senioren drohen MVV mit Klage

München - Sie bilden einen wichtigen Kundenstamm des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV): Senioren. Die eigens für sie etablierte IsarCard60 ist womöglich diskriminierend.

Sie ist zäh. Das weiß jeder, der Ingeborg Staudenmeyer kennt. Unerbittlich kämpft die Chefin des Seniorenbeirats für die Belange der Alten in München. Jetzt mal wieder gegen den MVV! Um was es geht? Um das Monats-Seniorenticket – genauer gesagt die IsarCard60. Die gilt bekanntermaßen erst ab 9 Uhr vormittags. Und genau das will Staudenmeyer ändern – wenn es sein muss mit einer juristischen Klage. „Denn dieses Ticket verstößt ganz klar gegen das Gleichbehandlungsgesetz. Daher ist es unzulässig!“

Senioren-Chefin Ingeborg Staudenmeyer kämpft für ein faires Ticket.

Umgangssprachlich wird dieses Gesetz auch Antidiskriminierungsgesetz genannt. Und da heißt es wörtlich, dass niemand wegen „der Rasse oder wegen ethnischer Herkunft, des Geschlechts, der Religion oder Weltanschauung, einer Behinderung, des Alters oder der sexuellen Identität“ benachteiligt werden darf. Genau dies passiere aber beim Seniorenticket des MVV, findet Staudenmeyer: „Die IsarCard60 ist das besondere Angebot des MVV für Senioren. Sie ist zwar günstiger, gilt aber erst ab 9 Uhr am Vormittag. Warum? Hier wird der Gruppe der Alten vorgeschrieben, wann sie am sozialen Leben teilnehmen darf.“ Die Monatskarte für Studenten sei ja auch nicht zeitlich begrenzt. Daher prüfe man, ob der Seniorenbeirat auch rechtlich gegen die Zeitbegrenzung vorgeht. „Die muss weg. Wir sind die einzige Großstadt mit dieser Regel.“ In Hamburg beispielsweise gilt die Seniorenkarte im Gesamtnetz rund um die Uhr.

Schon seit langem wird über die Zeitgrenze diskutiert. Insider im Rathaus wissen längst, dass auch OB Dieter Reiter (58, SPD) die IsarCard60 (441 Euro kostet die Jahreskarte, 46,60 Euro die Monatskarte) gerne neu auflegen würde – ohne Einschränkungen. Nur: Über Reformen entscheidet ein großes Gremium, in dem unter anderem auch die Bahn sitzt. Dort sind große Veränderungen nicht unbedingt gewollt.

Ein weiteres Beispiel dafür ist das Ringsystem. So mancher Münchner weiß bis heute nicht wirklich, von welcher Zone aus er welche Karte braucht – oder wie viele Streifen er abstempeln muss. Doch der MVV will genau diese Innen- und Außenräume beibehalten, wie die SZ berichtet. Ein Modell wie in Paris (wo ein Ticketpreis gilt, egal wie weit die Fahrt geht) werde es nicht geben. Das neu-geplante Tarifsystem des MVV, das bald dem Stadtrat vorgestellt werden soll, wird also keine großen Veränderungen bringen. Da geht es mehr darum, wie Kunden in Zukunft bequem mit dem Smartphone zahlen können.

Ingeborg Staudenmeyer gibt jedenfalls nicht auf. „Wir zählen auf den Einfluss der Stadt, dass sich für Senioren etwas zum Positiven ändert.“ Sonst müsse man möglicherweise Juristen einschalten. Wegen des Diskriminierungsgesetzes …

Das sagen die Betroffenen:

Das ist unfair! Wir sind noch gut zu Fuß und brauchen keine IsarCard 60. Wir sind dennoch empört: Es ist unfair, dass Studenten ohne Sperrfrist mit ihrem Ticket fahren dürfen und Rentner erst ab 9 Uhr. Das ist Diskriminierung - nicht jeder Rentner beginnt seinen Tag erst um 9 Uhr.

Christa (73) und Egon (78) Reithmayer, Rentner, München

Dass man erst ab 9 Uhr mit seiner IsarCard 60 fahren darf, ist eine Frechheit. Gerade im Bezug auf Arztbesuche schränkt das uns Rentner wahnsinnig ein. Das ist überhaupt nicht in Ordnung.

Lothar Straube (82), Rentner, München

Ich habe eine IsarCard 60, fahre aber oft vor 9 Uhr mit den öffentlichen Verkehrsmittel. Ich muss jedes Mal ein Ticket lösen - das ist ärgerlich. Die Sperrfrist ist nicht gerechtfertigt und unfair.

Horst Raudies (87), Rentner, München

Auch wegen einer anderen Sache steht der MVV in der Kritik: Kontrolleure haben eine Mutter in einer S-Bahn abgezockt. Und es gab noch drastischere Vorfälle.

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