Ein zweiter Durchgang am Ostbahnhof ist angedacht.

Ostbahnhof

Neuer Tunnel am Ostbahnhof?

Mit dem „Werksviertel“ und dem neuen Konzertsaal steigen die Anforderungen an den Nahverkehr. Die Stadt hält einen zweiten Durchstich für Fußgänger am Ostbahnhof für „attraktiv und wünschenswert“. Unklar ist, wer zahlt.

Arbeiten, Wohnen, Einkaufen und sich am Feierabend gepflegt unterhalten lassen: Im geplanten Werksviertel im Münchner Osten darf es künftig gern ein wenig lebendig sein. Neben rund 1500 neuen Wohnungen für 3000 Menschen entstehen in dem geplanten Quartier in den nächsten Jahren auch 7000 neue Arbeitsplätze. Zudem Geschäfte, Hotels, Künstler-Ateliers und Musikbühnen. Und nicht zu vergessen der neue Münchner Konzertsaal, der auf das ehemalige Pfanni-Gelände kommen soll.

Genau der Konzertsaal ist es, der jetzt eine Debatte neu befeuert, die seit Längerem zwischen der Stadt, der Bahn und den Lokalpolitikern geführt wird: Es geht um die Frage, wie die Bewohner und Berufstätigen zwischen Innenstadt und Werksviertel hin- und herpendeln sollen – genauso wie die Vergnügungssüchtigen aus dem Umland. Vor allem die Besuchermassen auf dem Weg zum Konzertsaal müssen aufgefangen und in Bahnen gelenkt werden.

Keine leichte Aufgabe: Einige Besucher von weiter her können aufs Auto nicht verzichten. Sie landen auf den großen Einfallstraßen wie etwa der Rosenheimer Straße schnell im Stau. Aber auch im öffentlichen Nahverkehr könnte es rund ums Werksviertel eng werden. Während manche Münchner wohlwissend schon am Karl-Preis-Platz aus der U-Bahn steigen werden, oder am Leuchtenbergring aus der S-Bahn, wird die große Masse am Ostbahnhof erwartet.

Bei der Stadt ist man sich des Problems bewusst. In einem Schreiben des Planungsreferats an den Bezirksausschuss Au-Haidhausen ist von „großen Besucherströmen zu Konzertbeginn und -ende“ die Rede, die es „innerhalb einer kurzen Zeitspanne“ zu bewältigen gelte. Deshalb sei über eine „Optimierung der Erschließung des Werksviertels durch den öffentlichen Nahverkehr nachzudenken“. Ganz konkret erwägt die Stadt einen Ausbau der Fußgängerquerung in Form eines zweiten Durchstichs unterm Ostbahnhof.

Denn, so kritisieren Lokalpolitiker schon länger, der bestehende Tunnel zwischen der Orleansstraße auf der Haidhauser Seite sowie der Friedenstraße auf der Seite in Berg am Laim stoße an seine Grenzen. Schon jetzt drängeln sich dort zu Stoßzeiten Passanten unter der Erde. Die Ausgänge hin zur Friedenstraße seien nur dürftig mit einem Aufzug ausgestattet. Behindertenfreundlich sei das nicht. Es muss also ein zweiter, durchgängiger Tunnel für Fußgänger mit Anbindung auch zur S-Bahn her, so die Idee.

Dabei müsse unter dem Ostbahnhof nicht einmal ein komplett neuer Tunnel gebaut werden. Nein, vielmehr könnte man den südwestlichen Tunnelstumpf, der auf der Haidhauser Seite startet und abrupt unter den Bahngleisen endet, bis hin zur Friedenstraße verlängern. Die Stadt hält einen solchen zweiten Durchstich unterm Ostbahnhof für „wünschenswert“ und „attraktiv“ mit Blick auf den Konzertsaal. Man spreche auch mit der Staatsregierung und der Bahn, nicht zuletzt über die Finanzierung.

Die Bahn ist offen, will sich an den Kosten aber nicht beteiligen. Es bestehe keine „Notwendigkeit“, sagte ein Sprecher. „Ein solcher Durchstich hätte vielmehr primär stadtteilverbindenden Charakter.“ Wenn die Stadt einen solchen zweiten Durchstich zur Entwicklung des Quartiers an der Friedenstraße wünsche, müsse sie auch die Kosten dafür tragen.

Anne Hund

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