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Szenen einer Ehekrise: Dieter Reiter (SPD) und Josef Schmid (CSU) am Dienstag im Stadtrat.

Sicherheit auf dem Oktoberfest

Knatsch in der Groko: Der Wiesn-Zaun entzweit den Stadtrat

München - Beim Oktoberfest wird es keine mobilen Zäune an der Hangkante geben, die bei Überfüllung aufgezogen werden. Der Stadtrat hat sich gegen diesen Vorschlag von Wiesn-Chef Schmid ausgesprochen. Der neue KVR-Chef Böhle hatte kurz zuvor seine Meinung geändert und doch vor dem Zaun gewarnt.

Die Münchner Polizei hat nicht den Ruf, sich in parteipolitischen Debatten klar zu positionieren. Es ist auch nicht ihre Aufgabe. Insofern sind es erstaunliche Worte, die der zuständige Vertreter der Polizei am Dienstagmorgen im Rathaus wählt. „Extrem schwierig“, sagt Peter Kuhn über die Alternativen zum von Wiesn-Chef Josef Schmid vorgeschlagenen mobilen Zaun an der Hangkante der Theresienwiese. Ohne den Zaun müsse man diese bei drohender Überfüllung mit Personal sichern. „Kompliziert“ sei diese Lösung, betont Kuhn.

Doch ungewöhnlich ist an diesem Vormittag nicht nur, dass die Münchner Polizei klar Stellung bezieht – sondern auch, dass sich die klare Mehrheit des Stadtrats davon nicht beeindrucken lässt. Sie stimmt gegen die Zäune, die als letzte Maßnahme eines mehrstufigen Konzepts gegen Überfüllung binnen weniger Minuten aufgebaut werden können – und im Panikfall auch sehr schnell wieder abgebaut. Wie berichtet, hatte der Zweite Bürgermeister Josef Schmid, CSU, der auch Wiesn-Chef ist, diesen Vorschlag gemacht. Zu Beginn der Debatte wirbt Schmid noch einmal für den Plan, den er für alternativlos hält. Es gehe nicht um eine feste Umzäunung des Fests, betont er noch einmal. Der Zaun sei nach den Erfahrungen der vergangenen beiden Jahre eine „notwendige, erforderliche, angemessene Maßnahme“.

KVR-Chef Böhle ändert seine Meinung

Szenen einer Ehekrise: Dieter Reiter (SPD) und Josef Schmid (CSU) am Dienstag im Stadtrat.

Die Sicherheitsbehörden haben die Idee in gemeinsamen Gesprächen entwickelt. Doch an diesem Vormittag fällt der neue Kreisverwaltungsreferent Thomas Böhle, SPD, Schmid in den Rücken. Böhle hatte sich vergangene Woche offen für den Zaun gezeigt. Noch am Montagnachmittag ließ er über einen Sprecher ausrichten, das Konzept sei „sachgerecht“. Böhle muss die Wiesn als Münchner Großveranstaltung letztlich genehmigen. An diesem Morgen aber geht er zum Angriff über. Die Frage sei doch, sagt Böhle, ob der Vorschlag „hinreichend durchdacht und belastbar“ sei. Er habe da seine Zweifel. Er sehe „keine klare Konzeption“. Böhle fragt: „Kann der Zaun sich als Falle entpuppen?“

SPD- und Grünen-Stadträte sprechen sich ebenfalls gegen Schmids Konzept aus, am Ende kassiert er eine deutliche Niederlage. Die anderen Stufen – etwa die im Radio durchgesagte Bitte nicht mehr zur Theresienwiese zu fahren oder Polizisten und Ordner, die neu Ankommende an Eingängen abweisen – wird zwar beschlossen. Dieses System griff aber in weiten Teilen schon. Auf Vorschlag Reiters wird das Zaun-System herausgenommen und kommt damit heuer nicht zum Einsatz.

Thomas Böhle verteidigt nach der Sitzung seinen Schwenk. „Der Zaun ist für einen solchen Einsatz nicht im Ansatz erprobt“, sagt er. „Man muss das Prinzip weiterentwickeln. So weit sind wir aber noch nicht.“ Die CSU hat er damit wohl nicht überzeugt. Sie lässt der neue Referent am Dienstag etwas ratlos zurück – wurde das Konzept doch von Experten auch seines Hauses mitentwickelt. Konkrete andere Vorschläge, wie gegen Überfüllung vorzugehen sei, sind aus den anderen Parteien und von Böhle nicht zu hören – nur Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Zauns und eben Bedenken, dass er bei einer Panik auf dem Festgelände zur Falle werden könnte.

Lesen Sie hier einen Kommentar von Rathaus-Reporter Felix Müller: "Ein unwürdiges Schauspiel"

Szenen einer Ehekrise: Dieter Reiter (SPD) und Josef Schmid (CSU) am Dienstag im Stadtrat.

Am „Italiener-Samstag“ 2014 und am Tag der Deutschen Einheit 2015 war es nach Meinung von Beobachtern zu grenzwertigen Überfüllungen auf dem Gelände gekommen. Wiesn-Chef Josef Schmid wirkt in der Sitzung etwas konsterniert – hinterher geht er deutlich auf Distanz zu dem Beschluss. Die Entscheidung des Stadtrats halte er für „einen großen Fehler“, betont er. „Der mobile Zaun an der Hangkante zur Schwanthalerhöhe hätte eine relevante Sicherheitslücke geschlossen.“ Er akzeptiete das Votum, mache es sich aber „nicht zu eigen“. Er sei der „festen Überzeugung, dass man gut beraten ist, in Sicherheitsfragen auf Experten zu hören“. Die Polizei teilt mit, man werde nun „weitere Gespräche“ mit der Stadt führen.

Die Rathaus-Spitze hat viele Baustellen. Nach der dienstäglichen Watschn für Schmid gehört auch die Atmosphäre zwischen CSU und SPD wieder dazu.

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