120 000 Fahrzeuge fahren täglich durch den Allacher Tunnel. 15 Prozent davon sind Lastwagen.

...und keine Lösung in Sicht

Allacher Tunnel: Münchens nervigstes Nadelöhr

München - Er ist das Nadelöhr in der Region München: der Allacher Tunnel. Regelmäßig wird er für Autofahrer zur Geduldsprobe – denn immer wieder muss die unterirdische Teilstrecke der A 99 aus unterschiedlichen Gründen gesperrt werden. Doch das soll sich in Zukunft ändern.

Michael Lengauer kennt sich aus mit Tunneln. Seit 1993 arbeitet der 44-jährige Münchner bei der Autobahndirektion. Er ist zuständig für die Tunnel rund um München. Von seinem Arbeitsplatz in Freimann aus überwacht er zusammen mit seinen Kollegen die Tunneltechnik. In seine Zuständigkeit fällt also auch der 1030 Meter lange Allacher Tunnel. Lengauer kann die gesamte Technik vom Computer aus steuern. Monitore zeigen das Geschehen in den Röhren.

Die Tunnel im Blick: Michael Lengauer von der Autobahndirektion Südbayern ist zuständig für die Tunnel rund um München. Von seinem Arbeitsplatz in Freimann aus überwacht er alle unterirdischen Röhren.

An diesem Morgen zeigen die Monitore leere Fahrbahnen an. Der Grund: Blockabfertigung. So sollen die Automassen bei Stau aus dem Tunnel gehalten werden. Im vergangenen Jahr wurden die Fahrzeuge insgesamt 19-mal nur schubweise in die Röhren gelassen. Probleme bereitet den Verantwortlichen die automatische Höhenkontrolle. Sie löst aus, sofern ein Lkw höher als 4,37 Meter ist. Im Probebetrieb im vergangenen Jahr gab es 184-mal Alarm – nun muss das System nachgerüstet werden. „Es werden zusätzliche Sensoren eingebaut“, sagt Josef Seebacher, der Sprecher der Autobahndirektion Südbayern.

Denn es war deutlich, dass die Lichtschranken zu häufig anschlugen. „Zum Beispiel wenn es schneite und Stau war, also ein Fahrzeug unter der Lichtschranke stand“, erklärt Seebacher. Sobald ein Alarm ausgelöst wird, schaltet die Ampel vor dem Tunnel auf Rot. „Da im Raum München eine rote Ampel kaum beachtet wird, muss in der Regel auch die Schranke geschlossen werden“, erklärt Seebacher. Die Folge: In Sekundenschnelle bildet sich ein Stau. Die Polizei rückt an, misst das Fahrzeug nach. „Wenn es möglich ist, die Überhöhe zu beseitigen, wird diese reduziert und das Fahrzeug kann den Tunnel befahren“, berichtet Seebacher. Manchmal ist es schon eine lockere Plane, die die Höhenkontrolle auslöst. Oder herausstehende Teile aus Containern.

Sollte es nicht möglich sein, die Höhe zu reduzieren, muss das Fahrzeug in einer verkehrsarmen Zeit rückwärts bis zur nächsten Ausfahrt fahren. „Das ist vor allem beim Allacher Tunnel ein Problem“, sagt Thomas Totzauer, Leiter der zuständigen Verkehrspolizeiinspektion Fürstenfeldbruck. „Denn falls ein Laster in Richtung Salzburg unterwegs war, muss man ihn kilometerweit zurückziehen, bis er die Autobahn verlassen kann.“ Und das dauert. Als es die automatische Höhenkontrolle noch nicht gab, sei es zu zahlreichen gefährlichen Situationen gekommen, berichtet Techniker Lengauer. „Wenn beispielsweise ein zu hoher Lkw etwas an der Tunneldecke beschädigt und ein Teil herunterhängt, ist das für den nachfolgenden Laster höchst gefährlich. Wir haben bislang sehr viel Glück gehabt, dass bei den Unfällen nicht mehr passiert ist.“ Zudem werde Technik zerstört, deren Reparatur teils sehr aufwändig, zeitintensiv und teuer sein könne. Und das bedeutet wieder: Die Autofahrer müssen warten.

Rund 120 000 Fahrzeuge passieren täglich die je drei Fahrspuren in jede Richtung, 15 Prozent davon sind Lkw. „Die Zahl der Fahrzeuge, die den Allacher Tunnel durchfährt, ist deutlich stärker gestiegen, als alle prognostiziert haben“, sagt Seebacher.

Um dem Verkehr im Münchner Norden Herr zu werden, soll langfristig geprüft werden, ob ein weiterer Tunnel gebaut werden kann. Diese Idee wurde bereits in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen. Dennoch zweifelt Seebacher an der Realisierung. „Das wird sehr schwierig.“ Die Bebauung sei sehr eng, zudem gebe es ein sogenanntes FFH-Gebiet (eine Zone für Natur- und Landschaftsschutz) – und ein weiterer Tunnel wäre sehr teuer. Und selbst wenn eine zusätzliche Röhre möglich sein sollte, würden laut Seebacher dennoch 15 bis 20 Jahre vergehen, bis diese für den Verkehr freigegeben werde. „Deshalb brauchen wir eine Zwischenlösung.“

Und die heißt Standspurfreigabe im Tunnel – laut ADAC eine Premiere in Deutschland. „Wir haben eine Machbarkeitststudie erstellen lassen“, berichtet Seebacher. Grundsätzlich wäre diese Lösung möglich – allerdings nur bei einer Temporeduzierung auf 60 km/h. „Dann hätten wir dasselbe Sicherheitsniveau wie bei Tempo 80.“ Doch dafür müsste viel umgebaut werden, denn im Bereich der Standspur liegen derzeit die Versorgungsschächte. Auch das dauert. „Realistisch sind mindestens drei Jahre, bis man damit anfangen kann.“

Tunnel-Experte Michael Lengauer sieht die Standspurfreigabe skeptisch. „Ich halte das nicht für sinnvoll. Da ist das Risiko einfach zu groß.“ Er hält vor allem die geringen Spurbreiten für problematisch, zudem könne man einen Tunnel mit Kurven nicht so gut überblicken. Der ADAC hingegen befürwortet die Freigabe. „Allerdings ist natürlich Voraussetzung, dass die Sicherheitsstandards eingehalten werden“, sagt Sprecher Florian Hördegen. „Wir sind froh über alles, was das Nadelöhr Allacher Tunnel entlastet.“

Für Michael Lengauer hingegen werden diese Umbaumaßnahmen jede Menge Belastung bedeuten. Denn in dem Tunnel kann nur gearbeitet werden, wenn wenige Autos unterwegs sind – und das ist eigentlich nur noch nachts der Fall.

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