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Von Architekten gelobt, für Stadtteil-Politiker ein Ärgernis: So soll der neue Komplex an der Orleans-/Rosenheimer Straße aussehen.

Haidhausens letztes unbebautes Grundstück

Bauvorhaben: „Massiver Brummer“ sorgt für Empörung

München - Auf dem Grundstück des Holzkontors Grombach an der Ecke Orleansstraße/Rosenheimer Straße wird Ende des Jahres ein achtstöckiger Block mit Eigentumswohnungen und einem Hotel errichtet. Adelheid Dietz-Will, die Haidhauser BA-Chefin, spricht von einer Schande und erhebt schwere Vorwürfe gegen die Stadtverwaltung.

Es ist das letzte städtebaulich bedeutende Grundstück in Haidhausen, das noch nicht bebaut ist. An der Kreuzung der Rosenheimer Straße mit der Orleansstraße plant das Münchner Architektenbüro Allmann Sattler Wappner einen achtstöckigen Komplex aus Büros, Eigentumswohnungen und einem Hotel. Noch heuer soll der Bau beginnen. Auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Grundstück war über viele Jahrzehnte der Holzkontor Grombach ansässig. Der Handel mit Holz ist aber schon vor Jahren eingestellt worden. Eine Erbengemeinschaft verkaufte das Filetgrundstück voriges Jahr an ein Firmen-Konsortium. Anfang der Woche stellten Vertreter des beauftragten Architektur-Büros Allmann Sattler Wappner das Projekt der Stadtgestaltungskommission vor.

Geplant ist demnach ein bis zu achtstöckiger Block mit einer weißen Fassade und abwechselnd hervorgehobenen französischen Fenstern. Hauptnutzer ist das Motel One, das damit seinen dritten Standort in Haidhausen eröffnet – die beiden anderen Hotels sind jeweils nur rund einen Kilometer entfernt. Hinzu kommen 120 Eigentumswohnungen sowie Büroflächen für die Industrie- und Handelskammer, die direkt nebenan ihre Zentrale hat und weitere Flächen benötigt.

Der geplante Bau, der bereits Ende des Jahres beginnen soll, sorgt für Empörung unter Lokalpolitikern. „Was hier passiert, ist eine Schande“, sagt Adelheid Dietz-Will (SPD), Vorsitzende des Bezirksausschusses Au-Haidhausen. „Ich bin fast vom Hocker gefallen, als ich den Entwurf für dieses riesige Ding das erste Mal gesehen habe.“ Ein weiteres Hotel in Haidhausen ist aus Sicht Dietz-Wills im Viertel nicht notwendig, und auch an den geplanten 120 Eigentumswohnungen stört sie sich. „Wir hätten dringend vergünstigten Wohnraum gebraucht. Die Bürger in der Au und Haidhausen wissen inzwischen nicht mehr, wohin. Familien suchen nach bezahlbaren Wohnungen, finden aber nichts.“

Der Bezirksausschuss Haidhausen hatte in der Vergangenheit die Stadtverwaltung mehrfach aufgefordert, einen vorhabenbezogenen Bebauungsplan für das Grundstück aufzustellen. Mit diesem Instrument hätte die Stadt die Investoren verpflichten können, einen Teil der Wohnungen im Rahmen der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) vergünstigt anzubieten. Doch die Verwaltung habe dies jedes Mal abgelehnt, so Dietz-Will. Stattdessen kommt nun Paragraph 34 Baugesetzbuch zur Anwendung. Das bedeutet, dass sich das Vorhaben in die Nachbarbebauung einfügen muss. Verpflichtungen, etwa zum Bau von Sozialwohnungen oder einer Kinderbetreuungseinrichtung, können dem Bauherren nicht mehr auferlegt werden. Dietz-Will macht das „wütend“. Sie hatte sich eine andere Nutzung des „letzten wichtigen Grundstücks“ in Haidhausen gewünscht. Zwar wird sich der Bezirksausschuss in seiner Sitzung Mitte Juni mit dem Projekt auseinandersetzen. „Ändern“, davon ist die BA-Vorsitzende überzeugt, „werden wir nichts mehr können“.

Vielleicht hätte die Stadtgestaltungskommission mit einem negativen Votum noch etwas bewirken können, doch bei den Stadträten und Architekten stieß der Gebäudekomplex bei der Sitzung des Gremiums am Dienstagabend im Rathaus auf Wohlgefallen. Die Kommission lobte die Architektur und sprach eine Empfehlung aus. Demnächst wird der Bauantrag erwartet. Adelheid Dietz-Will kann die Begeisterung der Architekten nicht nachvollziehen. „Die Fassade gefällt mir nicht. Das wird ein massiver Brummer."

Ulrich Lobinger

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