Michael Praetorius verbrannte vor laufender Kamera seine Isarcard.

Kontrolleur bringt Frau zum Weinen

S-Bahn-Vorfall erzürnt Journalist - Jetzt spricht die Bundespolizei

München - In einem Video empört sich ein Journalist über einen erbarmungslosen Vorfall in der S-Bahn. Aus Wut verbrennt er seine Isarcard. Die tz sprach mit dem aufgebrachten Mann und mit der Bundespolizei.

Michael Praetorius (37) hält das Feuerzeug an seine Isarcard, die er am Morgen für 53,40 Euro gekauft hat und verbrennt sie. Warum? Der Münchner Journalist erzählt am Mittwoch per Livestream auf Facebook von einem hässlichen Erlebnis in der S-Bahn. Über 160.000 Menschen sehen das Video bis Donnerstagnachmittag, deutschlandweit wird berichtet.

Praetorius war in der S8 vom Flughafen Richtung München, als seine Fahrkarte kontrolliert wurde. Eine junge Asiatin neben dem Journalisten hatte zwar einen Fahrschein, ihn aber nicht entwertet. Der Kontrolleur zeigte kein Verständnis: „Jo mei, da haben wir jetzt ein Problem“, soll er laut Praetorius gegrummelt haben. Die Frau verstand weder, dass sie 60 Euro zahlen musste, noch, was sie eigentlich falsch gemacht hat. „Das ist kein Einzelfall. Das System ist das Problem. Manche Tickets müssen gestempelt werden und andere nicht“, sagt Praetorius der tz. Dann verlangt der Kontrolleur den Ausweis der Frau und findet darin eine Arbeitsgenehmigung. Da wird er grantig: „Sie sind ja gar keine Touristin, warum lügen sie mich an?!“, soll er laut Praetorius geschrien haben. Die junge Frau ist völlig verängstigt. Sie ist gerade in Deutschland angekommen und wird hier als Au-Pair-Mädchen arbeiten.

Bundespolizei: "Der Mann hat seine Kompetenz überschritten"

Der Kontrolleur meinte, er müsse sie jetzt zur Polizei am Ostbahnhof bringen. „Verstehen Sie, Po-li-zei!“, soll er laut gesagt haben. Die Frau weint und möchte ihren Ausweis wieder. Den wollte der Kontrolleur nicht rausrücken. „Wenn er die Personalien der Frau hat, ist die Kontrolle abgeschlossen. Der Mann hat seine Kompetenz überschritten, als er die Papiere der Frau behalten hat“, sagt Wolfgang Hauner von der Bundespolizei der tz. Praetorius twittert derweil die Bahn an und bekommt eine Standard-Antwort. Gemeinsam steigen alle am Ostbahnhof aus und Praetorius hebt 60 Euro ab, um die Papiere der Frau freizukaufen.

„Wenn dieser Kontrolleur nach den Vorschriften der Bahn gehandelt hat, dann fahr ich nicht mehr mit der Bahn“, sagt Praetorius und fordert eine Entschuldigung der Bahn. Die folgt einen Tag später. „Die S-Bahn München nimmt den Fall sehr ernst und wird mit dem betroffenen Mitarbeiter den Vorfall aufarbeiten“, heißt es in einer Stellungnahme. Die Bahn bietet an, sich persönlich bei der Dame zu entschuldigen.

„Larifari“ nennt Praetorius diese Entschuldigung. Er fordert mehr Menschlichkeit – und dass das Stempelsystem abgeschafft wird.

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