Katrin M.s Mörder nun in der Psychiatrie

"Er war anscheinend eine tickende Zeitbombe"

Straubing/München - Katrin M.s Mörder Marco F. (19) ist in die Psychiatrie eingeliefert worden. "Der Mann war anscheinend eine tickende Zeitbombe", sagt Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier.

Mit 18 Stichen getötet: Die bildhübsche Verlagskauffrau Katrin Michalk (31)

Marco F. (19) wird seine Heimatstadt München für lange Zeit nicht mehr wiedersehen. Noch am Freitag wurde der mutmaßliche Mörder der Verlagsangestellten Katrin M. († 31) im Münchner Polizeipräsidium abgeholt und in die forensischpsychiatrische Klinik in Straubing (Niederbayern) eingeliefert. Dieses Haus zählt nach eigenen Angaben „zu den sichersten forensischen Einrichtungen in der Welt“. Dort werden in nächster Zeit Psychiater versuchen, die Abgründe seiner verwirrten Seele zu ergründen – und zu verstehen, wie der stille, schmächtige Bub urplötzlich in einem derartigen Gewaltexzess explodieren konnte.

Urplötzlich? „Der Mann war anscheinend eine tickende Zeitbombe“, sagt Münchens Sozialreferentin Brigitte Meier. Es sei kaum zu verstehen, warum nicht früher professionelle Hilfe eingeleitet wurde. Man werde im Rathaus die Akte des jungen Mannes durchgehen; „ich will wissen, ob man früher hätte intervenieren können“. Meier fordert generell, beim Thema psychische Erkrankungen und Auffälligkeiten achtsamer zu werden. Meier: „Das sage ich seit Jahren, und dies gilt für alle Beteiligten im System, von der Schule bis hin zur Polizei.“

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Mit einem einfachen Küchenmesser hatte der zur Tatzeit noch 18-jährige Schüler am 4. Januar in der Halskestraße die junge Frau angegriffen, als sie gegen 21 Uhr arglos heimkam. Mit 18 Messerstichen stach er die 31-Jährige nieder. Sie verblutete noch im Hausflur. Als Motiv gab der psychisch kranke Schüler an, er habe in der Wohnung der Frau leben wollen. Seine Angaben waren derart wirr, dass weitere Vernehmungen keinen Sinn mehr ergaben. Mit einer der Gründe, warum er nun weit von München entfernt in der Straubinger Forensik untergebracht wurde. Marco F. hatte sich zuletzt völlig verloren in den Fantasiewelten seiner Computerspiele, konnte Realität und Fiktion scheinbar nicht mehr auseinanderhalten und begann bereits, sich auch äußerlich wie seine Fantasy-Helden zu stylen.

Auf Internet-Fotos gelte er seine Haare zu seltsamen Zacken und fotografierte sich als geheimnisvolles Mystery-Wesen. Im Herbst fiel er der Polizei auf, als er sich Waffen beschaffen wollte. Daran erinnerte sich ein Beamter der Polizeiinspektion Forstenried. Der gab der Mordkommission den entscheidenden Hinweis.

tz

Stichwort: Schuldunfähig?

Ob Marco F. je im Sinne des Strafrechts der Prozess gemacht ­werden kann, ist fraglich. Deshalb sitzt er derzeit auch nicht in Untersuchungshaft. Für solche Fälle sieht die Strafprozessordnung die ­vorläufige Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus vor. Sollten die Gutachter dort zu dem Schluss kommen, dass der ­19-jährige Schüler als vermindert schuldfähig oder gar schuldunfähig eingestuft werden muss, könnte er auf unbestimmte Zeit in ­einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht werden.

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