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Die Polizei sucht die Umgebung des Tatorts ab.

Mörder stalkte Ex-Freundin

Mord in Obergiesing: Opfer lebte jahrelang in Angst

München - Die Hintergründe des tödliche Dramas in Obergiesing werden langsam klarer. Der Täter soll das Opfer jahrelang verfolgt haben. Auch die Polizei konnte ihn nicht stoppen.

Es ist ein Protokoll des Schreckens - minutiös aufgeschrieben vom Opfer selbst. Es beweist, in welcher Angst die Giesinger Architektin Jeannie L. (45; Name geändert) in den letzten Jahren leben musste. Welch unfassbarem Psychoterror sie ausgesetzt war. Verübt von einem Mann, den sie einmal geliebt hatte und gut zu kennen glaubte: Robert Burzik (45), von dem sie sich bereits im Sommer 2009 getrennt hatte.

Sechs Jahre lang folgte der Stalker ihr seitdem, bekam immer wieder ihre Adresse heraus. Auch Polizei und Staatsanwaltschaft konnten Jeannie L. letztlich nicht beschützen. Obwohl sie minutiös Buch geführt hatte über all seine Annäherungsversuche, seine Anrufe, seinen nächtlichen Klingelterror. Und so gipfelte Robert Burziks unheimlicher Feldzug am Dienstag in einem grauenhaften Verbrechen. Im Flur ihres Wohnhauses in der Bayrischzeller Straße 5 (Obergiesing) erstach Burzik um 15.35 Uhr seine Ex-Freundin mit einem 25 Zentimeter langen Messer, das er am Tatort zurückließ. "Seitdem ist er auf der Flucht", erklärte Markus Kraus, Chef der Münchner Mordkommission.

Opfer beendet Beziehung im August 2009

Jeannie L. stammt aus Braunschweig, Robert Burzik aus Hildesheim. Im September 2008 schien die Architektenliebe perfekt. Doch schon im August 2009 beendete die damals 38-Jährige die Beziehung. Sie zog nach Wolfratshausen und dann ab 2013 innerhalb Münchens zweimal um. Doch Robert wurde sie nicht los. Wie ein böser Schatten klebte er an ihren Fersen, tauchte ständig in ihrer Nähe auf. Jeannie wehrte sich. Sie weihte ihre Nachbarn ein, ging zur Polizei, zeigte ihn an. Die Polizei warnte Burzik mehrfach. 2014 musste er eine Geldstrafe zahlen, weil er sich nicht an die Auflagen hielt. Per Gerichtsbeschluss wurde ihm verboten, sich seiner Ex-Freundin auf weniger als 100 Meter zu nähern. 

Suche nach dem Täter.

Im Sommer 2015 nahmen seine Stalking-Attacken zu. In manchen Nächten klingelte er zehn Mal, überzog die 44-Jährige daheim und am Arbeitsplatz mit Telefonterror, tauchte in ihrer Nähe auf - am Haus, an der U-Bahn, im Supermarkt. Einmal radelte er ihr längere Zeit hinterher. Weil er jedoch nie körperliche Gewalt androhte oder anwendete und auch nicht vorbestraft ist, hatten die Behörden nach Angaben von Florian Weinzierl, Sprecher der Staatsanwaltschaft München I, offenbar keine Handhabe, ihn endlich einzusperren.

Im Herbst 2015 wurde Burzik zum letzten Mal von der Polizei gewarnt. Am Donnerstag hätte er sich um 10 Uhr vor dem Amtsgericht wegen Nachstellung und Verstoßes gegen das Gewaltschutzgesetz verantworten sollen. Da wären auch die Stalking-Protokolle zur Sprache gekommen. Zu spät für Jeannie L.

F. Fussek, D. Plange, A. Thieme

Stalking: Wer wie hilft

Der Täter.

Wer sich belästigt oder verfolgt fühlt, kann Anzeige bei der Polizei erstatten. Dann folgt eine Gefährderansprache: Zwei Beamte im Streifenwagen besuchen den Täter zuhause, um ihn zu belehren - dieser soll aus der gefühlten Anonymität gerissen werden. "Wir wollen klarmachen: Wir wissen, wer du bist und was du machst", sagt Polizei-Sprecher Johannes Klinger. Wünscht die oder der Belästigte ein Kontaktverbot, muss der Gefährder es unterschreiben. "Das Ziel ist ein Erstschutz für die Opfer." Das gilt aber nur zehn Tage lang. Wenn die Frist abgelaufen ist, muss das Opfer einen Antrag beim Amtsgericht stellen - über mögliche Gewaltschutzanordnungen (z.B. Annäherungsverbot) entscheidet das Familiengericht. Wer dagegen verstößt, begeht eine Straftat. Juristisch heißt sie Nachstellung. Laut Paragraf 238 (StGB) stehen darauf zwischen drei Monaten und drei Jahren Haft. „Wichtig ist, dass man nachweisen kann, dass der Täter einem zu nahe gekommen ist“, sagt Monika Andreß, Sprecherin am Amtsgericht. Härtere Strafen drohen, wenn das Opfer bei der Nachstellung verletzt wird (fünf Jahre Haft) oder sogar stirbt (zehn Jahre Haft).

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Dorita Plange, Florian Fussek, Andreas Thieme

Dorita Plange

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