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Die Asylunterkunft in der Schertlinstraße.

Unzufrieden mit Essen

In Asylunterkunft: Streit ums Kochen eskaliert

München - Eine Auseinandersetzung in einer Unterkunft für Asylbewerber ist am Sonntag aus dem Ruder gelaufen. Auslöser für die Randale war, dass die Menschen dort selbst kochen wollen. Zudem solidarisierten sich die geflüchteten mit einem Zu-Spät-Kommer.

Umgeworfene Bänke und Tische im Speisesaal, Flaschen auf dem Boden, ein Stein, der möglicherweise auf Sicherheitsdienstmitarbeiter geworfen wurde – in einer kommunalen Überbrückungsunterkunft für Asylbewerber in Obersendling ist am Sonntagabend ein Streit eskaliert.

Erst seit etwa einem Monat sind Geflüchtete in dem ehemaligen Gewerbekomplex an der Schertlinstraße untergebracht. Viele der etwa 720 Bewohner waren zuvor in einer anderen Einrichtung untergebracht, zum Beispiel an der Karlstraße in der Innenstadt.

„Grund für die Missstimmung am Sonntag war unter anderem, dass die Asylbewerber dort selbst kochen wollen“, sagt Ottmar Schader, Sprecher des Sozialreferats. An der Schertlinstraße liefert ein Caterer das Essen warm an. „Für die meisten Flüchtlinge ist es sehr wichtig, dass sie sich selbst das Essen zubereiten können“, erklärt Schader. Mit dem Umzug in eine andere Unterkunft hätten sich viele erhofft, nun nicht mehr beliefert zu werden.

Hinzu kam am Sonntagabend, dass einer der Asylbewerber deutlich zu spät zur Essensausgabe kam und leer ausging. Das wollte dieser offensichtlich nicht akzeptieren. Einige der anderen Flüchtlinge solidarisierten sich mit dem Zu-Spät-Kommer, warfen Stühle und Tische um und Essen auf den Boden.

Die Auseinandersetzung verlagerte sich irgendwann offenbar nach draußen. Um die 200 Menschen versammelten sich vor dem Gebäude, um dafür zu demonstrieren, dass sie künftig selbst kochen können. Etwa 100 Menschen sollen sich Steine gesucht haben. Ein Stein wurde in einer Kiste bei der Essensausgabe gefunden.

Der Sicherheitsdienst rief schließlich die Polizei zu Hilfe. Sieben Streifenwagen, eine Einsatzhundertschaft sowie das Unterstützungskommando rückten an. „So schnell, wie sich die Gemüter erhitzt hatten, hat sich die Lage auch wieder beruhigt“, sagt Schader. Körperlich sei niemand angegangen worden, auch verletzt wurde niemand. Die Kriminalpolizei ermittelt. Laut Schader sind an der Schertlinstraße acht Securitymitarbeiter angestellt. „Wir arbeiten wie bei allen Unterkünften eng mit der Polizei zusammen.“

Derzeit gibt es in München drei Überbrückungsunterkünfte in ehemaligen Gewerbeimmobilien für Flüchtlinge, zwei sind für etwa 800 Menschen ausgelegt. „In diesen Unterkünften sind die Flüchtlinge so kurz wie möglich, im Schnitt etwa drei bis vier Monate“, sagt Schader. Die Situation in den Überbrückungsunterkünften würde auch an den Nerven zehren. Da nicht mehr so viele Asylbewerber ankommen, würde sich die Lage „Monat für Monat“ entspannen. „Sobald ein Platz in einer qualitativ hochwertigeren Gemeinschaftsunterkunft frei wird, werden die Asylbewerber dort untergebracht. Dort können sie dann auch selbst kochen.“

Der Vorfall vom Sonntag werde nun selbstverständlich mit den Flüchtlingen aufgearbeitet. Der Wunsch, selbst zu kochen, wird sich in der Überbrückungsunterkunft nicht realisieren lassen. „Aus Brandschutzgründen ist das nicht möglich“, sagt Schader. Der Caterer würde sich jedoch Mühe geben, auf die Essensgewohnheiten einzugehen.

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